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Frühling - Das große Erwachen

Endlich wieder Frühling – so denken die Allermeisten, sobald es ringsum zu grünen und blühen beginnt. Die Natur erwacht zu neuem Leben, bei vielen Tieren beginnt die Paarungszeit. Auch wir Menschen lassen uns von den ersten warmen Sonnenstrahlen verführen. Der Frühling ist eben eine ganz besondere Jahreszeit. Sein Beginn wurde vor allem im ländlichen Raum lange Zeit mit besonderen Festen und Bräuchen gefeiert.

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Gute Laune dank "innerer Uhr" (3'59'')
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Frühlingsgefühle beim Menschen

Was ist es, das bei uns während der Frühlingsmonate einen Rausch der Gefühle auslöst? Für diesen Zustand machen manche Verhaltensforscher und Endokrinologen die Zirbeldrüse verantwortlich, die für die Produktion von Melatonin zuständig ist. Der Körper schüttet das Schlafhormon in der Dunkelheit vorwiegend im Winter und während der Nacht aus. Wenn die Tage länger werden, nimmt die Melatonin-Konzentration im Blut ab. Mehr Licht erhöht unsere Aktivität und steigert die Liebeslust. Wir sind empfänglich für sexuelle Reize. Die Zirbeldrüse zeigt uns als eine Art biologische Uhr an, dass es Frühling geworden ist.

Ein junge Paar in einer Blumenwiese; der Mann liegt im Gras und hebt die Frau, die mit ausgebreiteten Armen über ihm 'schwebt'. (Rechte: mauritius images)

Im Rausch der Frühlingsgefühle

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Evolutionsbiologen vermuten in diesem Verhalten ein Überbleibsel unserer Vorfahren. "Natürlich gibt es Frühlingsgefühle beim Menschen, wie es auch Frühlingsgefühle bei den Tieren gibt. Der biologische Hintergrund ist letztendlich die saisonale Veränderung verschiedener Hormone, der Sexualhormone, Schilddrüsenhormone und anderer", so Professor Günter Stalla vom Münchner Max-Planck-Institut.

Dieser Auffassung widerspricht der Freiburger Professor Martin Reincke, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie: "Rein hormonell betrachtet gibt es die viel zitierten Frühlingsgefühle gar nicht. Echte Frühlingsgefühle kann man höchstens noch bei Eskimos ausmachen." In der hochindustrialisierten Welt, in der durch sehr viel Kunstlicht die Nacht zum Tag gemacht wird, reagierten die menschlichen Hormone nicht mehr auf den Wechsel der Jahreszeiten. Da in unserer Lebenswirklichkeit Dunkelheit und Kälte verdrängt würden, zeigten auch die Hormone keine entsprechend Wirkung mehr. Der Frühling beeinflusse das Geschlechtsleben der Menschen nicht. Oder anders gesagt: „Für unsere Hormone ist immer Frühling", sagt Reincke. Dies mache dann auch den großen Unterschied zur Tierwelt aus.

Aber auch, wenn die reine Hormontheorie von den Frühlingsgefühlen nicht mehr so auf moderne, zivilisierte Menschen zutreffen mag, ein schöner Frühlingstag bessert doch auf jeden Fall die Laune. Und gut gelaunte Menschen sind sicherlich empfänglicher für einen kleinen Frühlingsflirt!

Zwei Schwäne formen mit ihren Hälsen ein Herz beim Liebesspiel. (Rechte: dpa)

Auch in der Tierwelt beginnt die Werbung um einen Partner

Frühling in der Tierwelt

Die Tierwelt scheint jedes Jahr im Frühling in einen Ausnahmezustand der Gefühle zu geraten. Imponiergehabe, Balzrituale, Tänze: Nichts lassen die Männchen aus, um eine Partnerin zu finden und zum Liebesakt zu kommen. Die Tiere setzen die Signale ein, um sich bei der Fortpflanzung gegen die Konkurrenz von Rivalen behaupten zu können. Die Männchen stellen ihre Prachtgewänder zur Schau, um die Aufmerksamkeit der Weibchen auf sich zu ziehen. Bestes Beispiel dafür der Pfau, der in seinem Liebeswerben mit seinen Schwanzfedern ein beeindruckendes Rad schlägt. Kröten verlassen bei steigenden Temperaturen ihre Winterquartiere, nehmen meist ihre Männchen Huckepack und machen sich auf den Weg zu ihren Laichplätzen im Teich. Vögel bauen Nester und Füchse lassen sich bis zur Paarung nicht mehr aus den Augen. Frühlingsgefühle und Paarungsverhalten in der Tierwelt sind so vielfältig wie die Arten selber!

Blühende Buschwindröschen stehen zwischen unbelaubten Bäumen am Ufer eines Baches. (Rechte: dpa)

Blühen noch bevor die Bäume ihr Laub ausbilden: Buschwindröschen

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Frühling in der Natur

Die ersten Frühlingsboten draußen in der Natur sind die sogenannte Geophyten, die ihre Blätter meist in Gärten oder Laubwäldern frühzeitig im Jahr durch die Erde schieben und blühen. Bereits im Februar oder März nutzen das Buschwindröschen oder das Leberblümchen die direkte Lichteinstrahlung und Wärme über dem Boden. Mit dem Austrieb der Bäume endet ihre Blütezeit. Die Frühblüher wie unter anderem das Veilchen, das Scharbockskraut oder die Schlüsselblume können sich gut gegen niedrige Temperaturen oder sogar Fröste schützen. Auf die Zeit des Vorfrühlings folgt der sogenannte Vollfrühling, der mit dem Austrieb der Apfelblüte beginnt. Die Blütenknospen öffnen sich zuerst im Südwesten und ca. 16 Tage später im Nordosten. Entsprechend der allgemeinen Witterung variiert der Beginn der Apfelblüte von Jahr zu Jahr.

April ist aber auch die Hauptblütezeit von Tulpen und Narzissen. Die frühjahrsblühende Zwiebelblumen kommen zwischen der Winterkälte und Trockenzeit im Sommer zur Frucht- oder Samenbildung. Ihr Speicherorgan ist die Zwiebel. Kaiserkrone, Schachbrettblume und Hyazinthen blühen bis in den Mai. Durch die Kultivierung in leicht geheizten Gewächshäusern wird das Frühjahr geradezu überlistet. So werden viele Frühjahrspflanzen von den Gärtnern verfrüht, das heißt, sie blühen alle schon sehr viel früher als draußen in der freien Natur, z.B. Tulpen im Januar oder Kaiserkronen im März.

Ein Junge mit schwarzem Gesicht, mit Stroh umwickelt und einem Zylinder auf als 'Schwarzer Mann'. (Rechte: SWR Freeze)

Der "Schwarze Mann", ein Symbol für den Winter, wird von den Mädchen verjagt

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Frühling im Brauchtum

Im vorindustriellen Zeitalter waren die Menschen ohne die modernen Errungenschaften wie Gas, Strom und Supermarkt sehr viel stärker dem Wirken der Natur und dem Wechsel der Jahreszeiten unterworfen als heute. Es ist kaum mehr vorstellbar, wie sehnsüchtig das Kommen des Frühlings erwartet wurde. Geradezu bedrohlich erschienen die Dunkelheit, die Kälte und Lebensmittelknappheit gerade gegen Ende der Wintermonate. Kein Wunder, dass in einem vielgestaltigen Brauchtum der Winter zum "bösen Mann" wurde, den es mit Freuden auszutreiben galt. Die symbolische Verabschiedung der kalten Jahreszeit ist fester Bestandteil der Frühlingsbräuche, und je nach Region variierten die Riten. In Schlesien wurde eine Strohpuppe vor das Dorf getragen und verbrannt. Aus Südbaden ist der Brauch des Winteraustreibens bekannt. Ein Junge übernimmt die Rolle des "Schwarzen Mannes", des Winters, und wird von den Mädchen mit Frühlingszweigen durchs Dorf gejagt.

Mit dem Erwachen des Frühling sind auch religiöse Feiertage wie Ostern verbunden. Das höchste christliche Fest fällt jedes Jahr auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Vorläufer des christlichen Osterfestes ist das jüdische Passah. Im Rahmen des Passah-Festes zelebrierte Jesus das letzte Abendmahl. Passah wiederum geht auf ein Frühlingsfest der Hirten zurück, mit dem sie den Beginn der Frühlingsernte feierten. Wichtigster Osterbrauch ist das Eierfärben. Da in der Fastenzeit Eier zur Fleischspeise zählten, wurden sie hartgekocht, um sie länger haltbar zumachen. Das Ei ist aber auch ein Symbol für das Durchstoßen des Grabes durch Jesus Christus. Aus dem scheinbar Toten entsteht neues Leben.

Ausschnitt aus dem Gemälde 'La Primavera' (Der Fruehling) von Sandro Botticelli. Der Gemäldeausschnitt zeigt die Füße der Primavera und der Flora auf einer Blumenwiese. (Rechte: akg-images)

'La Primavera' von Botticelli: hier ein Ausschnitt mit den Füßen der Primavera und der Flora

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Frühling in der Kunst

In allegorischen Darstellungen werden die Jahreszeiten oft mit den menschlichen Lebensaltern gleichgesetzt. Der Frühling steht für die Jugend und wird z.B. durch junge Mädchen, die auf einer blühenden Wiese herumtollen, symbolisiert. Eines der berühmtesten Werke, auf denen der Frühling dargestellt wird, ist "La Primavera" von Botticelli. Das Bild, ein Meisterwerk der Renaissance, entstand anlässlich der Hochzeit von Lorenzo di Medici 1478. Am rechten Rand ist der Gott des Westwindes, Zephyr, zu sehen, der die Nymphe Chloris heiratet. Sie ist leicht an den Rosen, die ihrem Mund entspringen, zu erkennen. Chloris wird nach der Hochzeit von Zephyr in die Frühlingsgöttin Flora verwandelt. Man kann sehen, dass Flora ein weißes Kleid trägt, was eher ungewöhnlich ist, aber das Ende des Winters symbolisieren soll. Zu Flora, die symbolisch für die Vermählung steht, gehören viele Pflanzen wie Myrthe, Kornblume, Rose, Nelke, wilde Erdbeere, Hahnenfuß und roter Mohn.

Im Zentrum des Bildes steht Venus, die Göttin der Schönheit, Liebe und Fruchtbarkeit, die mit der Myrthe, dem Hochzeitsgewächs, bekränzt ist. Zu Füßen der Venus entdeckt man Hahnenfuß und Veilchen. Cupido oder Eros oberhalb der Venus ist aus der Verbindung von Venus mit Merkur, welcher am linken Bildrand steht, geboren. Die drei Grazien neben Venus gehören zum festen Gefolge der Liebesgöttin. Erzählt wurde die Sage von Zephyr und Chloris, die nach der Vermählung in Flora verwandelt wird, bereits von dem römischen Dichter Ovid. Die Legende zielt darauf ab, wie das ungebändigte starke Gefühl der Leidenschaft und Liebe sich in geistige Vertiefung und Kontemplation verändern kann. Venus ist Garant für den geistigen Verwandlungsprozess und Merkur öffnet den Horizont für das Jenseits hin zum immateriellen Ursprung, der vom Verstand nicht mehr fassbar ist.

Sabine Kaufmann, Stand vom 01.06.2009

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