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Hecken

Wenn wir das Wort "Hecke" hören, dann sehen wir die Buchs- oder Thujahecken in gepflegten Einfamilienhausgärten vor uns. Mit dem Wort "Hecke" bezeichnet man aber zunächst und vor allem die Baum- und Strauchpflanzungen, die in unserer Kulturlandschaft jahrhundertelang das Bild der Landschaft mitprägten. Zu Unrecht oft missachtet am Wegesrand, ist die Hecke bei näherem Hinsehen ein sehr abwechslungsreiches Stück Natur.

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Hecke oder Hag - ein uralter Schutz

Hecke oder Hag geht auf den althochdeutschen Wortstamm "hag" zurück, bezeichnet im Mittelhochdeutschen ein Dornengesträuch oder Gebüsch und meint immer eine Umzäunung oder Einfriedung eines Ortes. Ob Hagebutte (die Frucht einer Hecke), Hagestolz (der Besitzer eines kleineren umfriedeten Gutes) oder in zahlreichen Ortsnamen - immer ist die Hecke eine begrenzende und schützende Pflanzung. Schon vor mehreren Jahrhunderten fand man in fast allen Agrarlandschaften Heckenlandschaften. Hecken wurden von Bauern gepflanzt und gepflegt, womit ihr regelmäßiger Schnitt gemeint ist.

Hecke an einem Feldrand. (Rechte: WDR)

Noch heute trennen Hecken die Felder und Wiesen

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Im frühen Mittelalter grenzten Hecken das Weideland vom Ackerland ab, später dienten sie der Aufteilung in Parzellen und zur Abgrenzung der Besitzverhältnisse. Auch heute noch findet man in ganz Westeuropa alte Heckenlandschaften, in Deutschland sind das beispielsweise in Schleswig-Holstein die "Knicks", in Bayern findet man sie im Tegernseer Land und in Baden-Württemberg hat das Heckengäu sie schon im Namen. Diese Naturhecken sind lebendige Zeugen einer alten bäuerlichen Kulturlandschaft und haben wenig gemeinsam mit den Nadelgehölzhecken, die in vielen Gärten als Sicht- und Lärmschutz fungieren.

Eine Hecke mit Bäumen darin, daneben befinden sich blühende Obstbäume auif einer Streuobstwiese. (Rechte: WDR/Ulla Anne Giesen)

Auch Naturhecken müssen gepflegt werden

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Die Naturhecke - dreigeteilter Aufbau

Eine Naturhecke besteht aus verschiedenen Bäumen, Sträuchern und Büschen. Sie ist mehrreihig, zumindest dreireihig: In der mittleren Reihe, der Kernzone, wachsen die sogenannten "Überhälter", das sind Bäume oder Baumgewächse. In der Mantelzone daneben befinden sich die einheimischen Sträucher, die auch im Winter Früchte tragen. Am Rand schließlich geht es mit der Saumzone schon in die Landschaft - die Wiese oder den Ackerrain - über. Für unsere heimischen Hecken bieten sich allerlei Gewächse an: Rosengewächse als wichtige Gruppe mit der Heckenrose, der Schlehe oder dem Weißdorn. Auch Haselnusssträucher und die typischen Heckenbäume wie Eberesche, Hainbuche, Wildbirne, Wildapfel und Feldahorn kann man pflanzen. Hecken darf man nicht sich selbst überlassen, sondern sie sollten alle 15 bis 20 Jahre verjüngt werden. Das entspricht ihrer Entstehungsgeschichte, denn sie wurden immer auch als Brennholzquelle genutzt.

Neuntöter (Lanius colluria) Männchen auf Ansitz. (Rechte: mauritius images)

Neuntöter benötigen die Stacheln und Dornen der Hecken

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Was in Hecken kreucht und fleucht

In Hecken leben viele Kleintiere wie Waldschmetterlinge und Insekten, Fledermäuse, Mäuse, Igel und Amphibien. Und sie bieten Rehen, Füchsen und Feldhasen Unterschlupf. Zudem sind sie das ganze Jahr ein reich gedeckter Tisch mit verschiedenen Futtermöglichkeiten für bis zu 60 heimische Vogelarten. Vögel brüten in der Hecke und Wechselwirkungen spielen sich ab - die Hecke ist eine Lebensgemeinschaft, in der die Bewohner in Beziehung zueinander stehen. So braucht zum Beispiel der Neuntöter, ein Vogel aus der Familie der Würger, die Hecke als Lebensraum. Er benötigt Rosengewächse mit Stacheln und Dornen, weil seine Füße und sein Schnabel seine bevorzugte Nahrung von großen Insekten bis hin zu Fröschen und Mäusen und anderen Beutetieren nicht festhalten können und er sie folglich aufspießen muss. Von seiner Hecken-Sitzwarte aus peilt er auf die Wiese am Ackerrand, auf der die Mäuse leben, die er jagt.

Hecken - bedrohte Lebensräume

Leider kam es vielerorts im Zuge von Flurbereinigungsmaßnahmen zu einem Schwund der Hecken. Die Intensivierung der Landwirtschaft forderte größere Maschinen, weil man mehr Fläche ohne Hindernisse bearbeiten wollte. Auch durch Siedlungen und Straßen wurden diese Landschaftselemente voneinander getrennt, Lebensräume sind so verschwunden, Tiere hatten nicht mehr genug Wanderungsmöglichkeiten. Aus diesem Grund plant Planet-Wissen-Gast Dr. Heidrun Heidecke mit dem "Bund für Umwelt- und Naturschutz" (BUND) die Superhecke, die diese grünen Korridore wieder miteinander vernetzen möchte.

Auch ist heute eine leichte Rückbesinnung auf den Sinn dieser alten Landwirtschaftsform spürbar, denn die Hecke ist Nahrungsquelle für Mensch und Tier gleichermaßen. Das Ökosystem Hecke ist ein typisches Vernetzungselement unserer Kulturlandschaft, die den Übergang von offener Landschaft zu Wald markiert. Und sie schützt sogar die Landwirtschaft. Sie ist Einzäunung, Windschutz und Erosionsschutz. Im Zeichen eines sich erwärmenden Klimas spendet die Hecke wertvolle Kühle für das Feld, indem sie Schatten wirft und das Feldklima regelt.

Almut Röhrl, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Hecken und Sträucher - Schlaraffenland hinter Blättern und Dornen, 27.07.2009

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