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Wissensfrage



Stimmt es, dass Brennnesseln als Rohstoff für Textilien verwendet werden?

Auch wenn es hautunfreundlich klingt, stimmt es: Aus Brennnesseln können Textilien hergestellt werden. Was nicht stimmt, ist der vorschnelle Schluss, dass Brennnessel-Kleidung kratzt, juckt und brennt. Im Gegenteil: Glatter als Leinen und weicher als Seide sollen Stoffe aus der eher unbeliebten Pflanze sein.

Ein kleiner naturweißer Pullover liegt inmitten von Brennnesseln (Rechte: ORF)

Kleider aus Brennnesseln sind seit dem Mittelalter bekannt

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Die Idee, Brennnesseln als Rohstoff für Textilien zu verwenden, ist alt: Bereits im Mittelalter wusste man, dass in der Rinde der Pflanzenstängel Faserbestandteile stecken, die sich für die Garnherstellung eignen. Die langen Bastfasern wurden durch Kochen in Lauge isoliert und zu sogenanntem Nesseltuch verarbeitet. Im 19. Jahrhundert verdrängte die Baumwolle den Rohstoff Brennnessel. In Kriegszeiten war Baumwolle sehr knapp, deshalb wurde die Brennnessel vorübergehend wiederentdeckt und galt als das Leinen der armen Leute. Außerdem fertigte man Uniformen daraus an.

Heute ist das Gewächs mit den Juckreiz auslösenden Härchen allenfalls noch als Heilpflanze bekannt. Außerdem schätzen Feinschmecker die jungen Triebe als spinatähnliches Wildgemüse. Dass Brennnesseln auch als nachwachsender Rohstoff für textile Gewebe in Frage kommen, ist eher unbekannt. Dabei ist die vielerorts als lästiges Unkraut bekämpfte Pflanze ein äußerst pflegeleichtes und damit wirtschaftliches Gewächs: Ist sie erst einmal angewachsen, kann sie bis zu 20 Jahre lang ohne ständige Neuanpflanzung geerntet werden. Sie ist anspruchslos und wächst auf fast allen Böden. Auch auf Pflanzenschutzmittel kann verzichtet werden. Denn zum einen schützt sie sich selbst vor unliebsamen Gästen durch die in ihren Brennhaaren enthaltene Säure, zum anderen leben Schädlinge und Nützlinge, die auf ihrem Grün zu Hause sind, in einem ausgewogenen Verhältnis.

Im Gegensatz zur Baumwolle liefert sie zudem eine gleich bleibende Qualität. Wichtig ist der Stamm der Pflanze, denn der enthält die meisten Fasern. Brennnesselfasern sind lang und reißfest und daher sehr gut geeignet, um daraus strapazierfähige und langlebige Kleidung herzustellen. Ob eines schönen Tages aus Brennnesselstoff Massenware wird, bleibt abzuwarten. Denn noch ist der Aufbereitungsprozess - der Weg von der Nessel zum Stoff - relativ aufwendig. Viele Textilforscher sehen die Zukunft der Brennnessel deshalb eher als Nischenprodukt, in etwa vergleichbar mit Hanf.

Susanne Wagner, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Stoffe - Leinen, Tweed und Seide, 27.09.2007

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