Naturraum Antarktis
Kontinent der Superlative
Es ist die kälteste, trockenste und windigste Ecke der Welt: Temperaturen bis minus 90 Grad Celsius, heftige Schneestürme und mancherorts geringere Niederschläge als in der Sahara machen die Antarktis zu einer ungemütlichen Gegend. Hier lagert das größte Trinkwasserreservoir der Erde: tiefgekühlt. Das gefrorene Süßwasser ist in einer gewaltigen Eisdecke gespeichert. Die Antarktis ist jedoch keine monumentale Eisscholle. Wer das Eis betritt hat an vielen Stellen festen Boden unter den Füßen: Unter dem durchschnittlich 2200 Meter dicken Eismantel liegt Festland. Im Winter lagert sich undurchdringliches Meereis, so genanntes Packeis, an den Küsten an. Die Antarktis spielt als Produzent von Kaltluft eine wichtige Rolle für das Weltklima.
Am eisigen Ende der Welt
Vor allem im antarktischen Sommer gehen sie auf die Reise: Eisberge. Majestätisch ziehen die weißen Riesen durch das Südpolarmeer. Die enormen Eisberge entstehen durch Abbruch des Inlandeises (Schelfeis) und werden durch Wind und Strömung abgetrieben. Die Geschwindigkeit kann bis zu 12 Kilometer pro Tag betragen. Einige legen große Strecken zurück: 1894 wurde ein Eisberg sogar auf der Höhe von Rio de Janeiro gesichtet. Tafeleisberge sind oftmals gigantische Eisplatten. Einer der größten brachte es auf eine Länge von 150 Kilometer mit einer Breite von 40 Kilometer. Das entspricht etwa der Größe des Saarlandes.
Die Tierwelt - Armut an Land, Reichtum im Wasser
An Land lässt es sich in der Antarktis nur äußerst schwer aushalten. Kein Säugetier und auch kein Vogel bewohnt dauerhaft die Eiswüste. Kaiserpinguine sind die einzigen Tiere, die sich von den Küsten entfernen und zu ihren Brutplätzen ins Landesinnere vorwagen. Ansonsten wird die Antarktis nur von einigen wirbellosen Tieren bevölkert, wie zum Beispiel der 12 Millimeter großen Zuckmückenart "Belgica antarctica".
Ganz im Gegensatz zur Tierarmut im Landesinneren steht der Artenreichtum der Meere und Küsten. Die Meere sind voll von kleinen Fischen, Kalmaren, Krebsen und Krill, die für zahlreiche im Wasser lebende Säugetiere reiche Nahrung bieten. Mehrere Robbenarten wie die Weddelrobbe, der Seelöwe oder der Seeleopard machen Jagd auf Fische oder Pinguine. Zahlreiche Walarten stoßen auf ihren Wanderungen bis in die antarktischen Gewässer vor und laben sich an dem Fisch- und Krillreichtum. Besonders die Tintenfische, die hier in großer Zahl vorkommen, haben es ihnen angetan.
Dazu kommen unzählige Kolonien von Zugvögeln, die im antarktischen Sommer auf dem Packeis und den vorgelagerten Inseln ihre Brutplätze beziehen. Unter ihnen sind auch der riesige Königsalbatros, einige Sturmvogelarten sowie der Skua, eine große Raubmöwenart, die sich unter anderem von jungen Pinguinen und Pinguineiern ernährt, zu finden. Im antarktischen Winter zieht es die meisten der Vogelarten jedoch in wärmere Gefilde gen Norden.
Die Pflanzenwelt - ein eigenes Florenreich
Die Pflanzenwelt der Antarktis ist eher spärlich und unauffällig. Nur gut angepasste Pflanzen können in dieser unwirtlichen Gegend überleben. Es wachsen zwar nur äußerst wenige Pflanzenarten in der Antarktis, dennoch beherbergt der sechste Kontinent ein eigenes gleichnamiges Florenreich. Florenreiche sind Gebiete mit einem selbständigem Vegetationscharakter und einer unabhängigen Entstehungsgeschichte. Streng genommen umfasst das Florenreich "Antarktis" allerdings nicht nur den sechsten Kontinent, sondern auch den Südwesten Patagoniens, die Inselgruppe der Kerguelen und die Südinsel Neuseelands. In diesen Außenbereichen wachsen auch die meisten der 13 verschiedenen Pflanzenarten des Florenreiches. Auf dem Kontinent selber gibt es nur zwei einheimische Blütenpflanzen: die "Antarktische Schmiele" und den "Antarktischen Perlwurz". Neben diesen gibt es rund 200 Flechtenarten und 100 Moosarten, die den Großteil der kargen, antarktischen Vegetation ausmachen. Sie wachsen in dichten Polstern, um sich vor Wind und Wetter zu schützen.
Susanne Wagner, Stand vom 06.12.2011
Sendung: Wettrennen im Ewigen Eis - Die Eroberung des Südpols, 07.12.2011








