Binnenschifffahrt
Umweltfreundliche Riesen
Der große Trumpf der Binnenschifffahrt liegt darin, dass riesige Mengen an Massengütern auf diese Weise sehr günstig und umweltfreundlich transportiert werden können. So nutzt die Schwerindustrie die Kähne, um Kies, Sand, Kohle oder Erz zu befördern. Durch die gewaltigen Ladekapazitäten sind die Transportkosten und der Energieverbrauch pro Kilometer besonders niedrig. Weitere Vorteile für die Umwelt sind der relativ geringe Lärm, die niedrigen Abgaswerte der Schiffe und die hohe Sicherheit. Gefährliche Stoffe wie Erdöl oder Chemikalien werden deshalb bevorzugt auf dem Wasser transportiert.
Abhängig vom Wetter
Die Nachteile der Binnenschifffahrt liegen in der niedrigen Geschwindigkeit, dem nicht flächendeckenden Netz und der Abhängigkeit vom Wetter. Die riesigen Kähne bewegen sich nämlich nur im Schneckentempo vorwärts und sind naturgemäß auf Flüsse und Kanäle beschränkt. Das Netz der Binnenwasserstraßen in Deutschland ist mit rund 7500 Kilometern allerdings sehr gut ausgebaut. Doch auch Hochwasser, Niedrigwasser oder Vereisung können die Schiffe vorübergehend lahm legen. Eine der wichtigsten Informationsquellen über die Befahrbarkeit der Wasserstraßen sind daher die Pegel: Der Pegelstand misst den Abstand von der Flusssohle zur Wasserlinie und kann von den Schiffern täglich aktuell abgerufen werden. So haben sie die Möglichkeit, sich rechtzeitig auf Behinderungen durch Hoch- oder Niedrigwasser einzustellen.
Schubverbände
Ein weiterer Trend, der zu mehr Umweltfreundlichkeit führt, aber auch den Druck auf die einzelnen Schiffer erhöht, ist die sogenannte Schubschifffahrt. Immer größer werden die Schiffe, die häufig in gigantischen Schubverbänden aneinander gekoppelt sind: Ein Schubboot schiebt mehrere einfache Schiffsgefäße ohne Motor, so genannte Leichter, vor sich her. Leichter sind etwa 70 Meter lang und können aneinander gekoppelt werden (Koppelverbände). Ab Basel können auf dem Rhein Viererverbände fahren, also ein Schubboot und vier Leichter. Zusammen bringen sie es locker auf eine Länge von über 180 Metern und eine Breite von über 22 Metern. Auf dem breiten Niederrhein sind sogar Sechserverbände zugelassen.
Motortank- und Motorgüterschiffe
Das Motortankschiff transportiert alles, was flüssig ist: Mineralöl oder Benzin, Säure oder Laugen, aber auch Lebensmittel wie Speiseöl oder Wein. Der Tank besteht aus Kunststoff, Gummi oder Edelstahl und wird bei Bedarf beheizt. Motortankschiffe sind zwischen 50 und über 130 Meter lang und sechs bis 17 Meter breit. Ihre Tragfähigkeit beträgt bis zu 6000 Tonnen.
Motorgüterschiffe sind in der Regel etwas kleiner als Motortankschiffe. Mitunter bringen sie es aber ebenfalls auf eine Länge von über 130 Metern. Mit ihnen lassen sich bis zu mehr als 200 Container transportieren - eine Menge, für die auf der Straße eine drei Kilometer lange Lastwagenkolonne nötig wäre. Neben Containern transportieren Motorgüterschiffe vor allem Massengüter wie Kohle und Erz.
Christiane Kopka, Stand vom 15.12.2006
Sendung: Binnenschifffahrt - Laden, löschen, leben, 07.02.2008









