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Die Bremer Hansekogge

Der 8. Oktober 1962 ist ein herausragendes Datum in den Annalen der Hansestadt Bremen. Bei Baggerarbeiten anlässlich der Erweiterung eines Hafenbeckens stieß an diesem Tag das Baggerschiff Arlesienne auf ein hölzernes Schiffswrack. Die Sachverständigen des Bremer Focke-Museums ahnten rasch, dass es sich hier um einen bedeutenden Schiffsfund handeln musste.

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Ein sensationeller Fund

Doch erst bei Niedrigwasser wurde deutlich, dass die Bremer Archäologen einen sensationellen Fund vermelden konnten. Vor ihnen lag eine auf die Seite gekippte und halb im Weserschlick versunkene Hansekogge. Die Zuordnung war für die Fachleute relativ einfach. Da war zum einen das typische Heck des Schiffes mit seinem geraden, schräggestellten Achtersteven, der den Koggen das charakteristische Erscheinungsbild gab. Dann die in Klinkerbauweise genagelten und auffallend breiten Plankengänge sowie die Querbalken, die durch die Bordwand des Schiffes ragen. Typisch auch das Achterkastell mit seinem gerüstartigen Unterbau, das den Rumpf des Schiffes überragt. All das war in einem erstaunlich guten Zustand, obwohl es sich um einen 500 bis 600 Jahre alten Schiffsfund handeln musste.

Schwarzweißfotografie: Die nach dem Fund zusammengesetzte Bremer Hansekogge. (Bremerhaven, Deutsches Schiffahrtsmuseum) (Rechte: akg-images)

Ein Puzzle aus über 2000 Einzelteile

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Die Bergung der Kogge

Die Kogge konnte nicht als Ganzes gehoben werden. Eisennägel und Holzdübel hielten die Bauteile der Kogge nicht mehr zusammen. Folglich musste Stück für Stück aus dem Hafenschlick freigelegt und einzeln geborgen werden. Am Ende hatte man ein riesiges Puzzle aus über 2000 Einzelteilen vorliegen. Doch der Aufwand sollte sich lohnen. Bis dahin kannten die Archäologen die Hansekogge nur von überlieferten Darstellungen, zum Beispiel von verschiedenen Münzsiegeln. Nun war es erstmals möglich, ein Original zu rekonstruieren und exakte Angaben über die Konstruktion zu machen. Das Schiff war 23,23 Meter lang, 7,78 Meter breit und einschließlich Achterkastell 7,04 Meter hoch. In einem ersten Schritt wurden nur die bei Niedrigwasser sichtbaren Teile geborgen. Ein Jahr später, 1963, wurden die vom Weserschlick bedeckten Teile freigelegt. Erst mithilfe einer Spezialtaucherglocke, die die Fundstelle wasserfrei hielt, konnten schließen sämtliche Teile geborgen und die Arbeiten 1965 abgeschlossen werden.

Der Nachbau einer Hansekogge dümpelt auf ruhigem blauen Wasser im Abendlicht. (Rechte: Imago)

So sahen sie aus: Nachbau einer Hansekogge

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Altersbestimmung

Lange war eine Altersbestimmung des Schiffes nicht möglich. Die Experten gingen davon aus, dass es sich um einen Schiffstyp handeln musste, der zwischen 1240 und 1400 im Einsatz war. Untersuchungen am Institut für Holzbiologie der Hamburger Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft ergaben dann jedoch eine äußerst präzise zeitliche Datierung. Mithilfe der sogenannten Dendrochronologie konnte das Alter des verwendeten Eichenholzes exakt bestimmt werden. Demnach hatte der Bau der Hansekogge 1380 begonnen. Die Untersuchungen ergaben, dass das verwendete Eichenholz nicht aus Norddeutschland, sondern aus Hessen - genauer gesagt aus dem Raum Kassel - stammen musste und dass die Eiche 1378 gefällt worden war. Solche präzisen Angaben sind möglich, weil die Wissenschaftler über das Zählen der Jahresringe nicht nur das Alter des Holzes rekonstruieren können, sondern anhand der typischen Ausprägungen der Jahresringe auch exakte Aussagen über die besonderen Wachstumsbedingungen im Baumbestand einer speziellen Region machen können. Diese Erkenntnisse lassen sich über Jahrhunderte zurückverfolgen und werden in Standardkurven festgehalten, die dann zur Altersbestimmung von Hölzern herangezogen werden.

Die Hansekogge aus dem Jahr 1380, fotografiert im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven. (Rechte: ddp)

Museumsprunkstück: das restaurierte Wrack

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Der Wiederaufbau der Bremer Hansekogge

Was da allerdings aus dem Weserschlick geborgen wurde, hatte mit Eichenholz nur noch wenig gemeinsam. Das Material war porös und ohne feste Struktur. Die Zellkerne des Holzes hatten sich längst aufgelöst und waren wassergefüllt. Hätte man das Holz an der Luft trocknen lassen, so wäre es geschrumpft und zerbröselt. Um das zu verhindern, wurden die einzelnen Fundstücke in einem eigens errichteten Nassholzlabor in großen Wannen in einer Speziallösung rund um die Uhr gewässert, um das Austrocknen und einen Pilzbefall zu verhindern.

Am 1. November 1972 begann der Bootsbauer Werner Lahn mit dem Wiederaufbau der Bremer Kogge. Die Arbeitsbedingungen waren extrem, denn um das nach wie vor brüchige Material vor dem Austrocknen zu schützen, musste es ständig besprüht werden, so dass in der Halle jahrelang eine relative Luftfeuchtigkeit von 97 Prozent herrschte. Sechs Jahre dauerte der Zusammenbau der über 2000 Einzelteile. Erst danach begann die eigentliche Konservierung. Dazu verschwand die Kogge noch einmal 19 Jahre lang in einer riesigen Badewanne, die man mit 800.000 Litern Polyethylenglykol befüllte. Dabei handelt es sich um ein lösliches Kunstwachs, das im Laufe der Zeit das Wasser aus dem Holz verdrängt und am Ende der Prozedur beim langsamen Austrocknen und Aushärten dem fragilen Gebilde eine höhere Festigkeit verleihen soll. Pünktlich zur Jahrtausendwende wurde die Restaurierung abgeschlossen. Heute gehört die Bremer Hansekogge zu den Prunkstücken in der Sammlung des Deutschen Schiffahrtsmuseums in Bremerhaven.

Ulrich Neumann, Stand vom 24.01.2011
Sendung: Die Hanse - Globale Geschäfte im Mittelalter, 24.01.2011

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