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Feuerschiffe - Schwimmende Leuchttürme

Im Jahr 1728 hatten zwei englische Geschäftsleute eine zündende Idee: Da die Errichtung eines Leuchtturms auf den instabilen Nore-Sandbänken in der Themsemündung unmöglich war, wollten sie dort ein Feuerschiff als schwimmenden Leuchtturm verankern, um so andere Schiffe vor den Untiefen zu bewahren. Kein ganz uneigennütziger Plan, denn schließlich sollten die im sicheren Hafen Londons angelangten Seefahrer für den lotsenden Wachposten Gebühren zahlen.

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Feuerschiffe (2'19'')
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Obwohl bereits die Küstenwache der alten Römer ein schwimmendes Feuer besaß - befreundete Schiffe wurden durch einen am Schiffsmast angebrachten Feuerkorb in den Hafen gelotst - galt das englische Feuerschiff als das erste seiner Art. Seitdem hat sich die Erfindung des auf bestimmter Position vor Anker liegenden Schifffahrtszeichens weltweit verbreitet. Die ersten deutschen Feuerschiffe gab es ab 1774 in der Elbmündung, sie dienten meist auch als Lotsenstation.

Die schwimmenden Seezeichen, die Untiefen, Riffe und Sandbänke markierten, wurden überall dort eingesetzt, wo der Bau eines Leuchtturms entweder aufgrund der Bodenbeschaffenheit unmöglich, zu gefährlich oder einfach zu teuer war. Anfangs verwendete man alte ausrangierte Schiffe. Nicht selten waren sie nicht mehr manövrierfähig und mussten für einen Standortwechsel geschleppt werden. Oft wurden sogar Holzschiffe eingesetzt, die aber wegen Wurmbefalls nicht lange hielten. Die größte Schwierigkeit für die damalige Besatzung der Feuerschiffe bestand darin, das Schiff auch bei Sturm und hohem Wellengang genau an der vorgesehenen Position zu halten. Außerdem galt es, das Signallicht, bestehend aus zwei Kerzenlaternen, die beidseitig des Mastes an einem Querbalken hingen, auch bei Wind und Regen in Betrieb zu halten. Erst mit der Installation moderner Leuchtsysteme wurde die Wartung einfacher.

Ein Schiff liegt vor Anker. Auf seiner Bordwand steht 'Elbe 1'. In der Mitte an Bord ragt ein Turm empor. (Rechte: Mauritius)

Feuerschiff "Elbe 1"

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Bemannte und unbemannte Feuerschiffe

Für die Mannschaft war das Leben auf dem Feuerschiff stets mit erheblichen Gefahren und großen Entbehrungen verbunden. Wochenlang musste sie in Einsamkeit auf hoher See ausharren, nicht selten bei heftigem Unwetter, und dabei durfte die Position nicht verlassen werden. Passierende Schiffe waren vor allem bei Sturm eine große Gefahr für die vor Anker liegenden bemannten Seezeichen. Die Crew eines Feuerschiffs lebte ständig in der Gefahr zu kentern. So ereigneten sich massenhaft Unglücke: Schiffskollisionen, die viele Menschenleben forderten, und oft genug waren es die Feuerschiffe selbst, eigentlich zur Rettung und Warnung anderer Schiffe im Einsatz, die sanken. Einige wurden durch Eisgang an ihrem Standort zerquetscht, andere fielen U-Boot-Angriffen während des Krieges zum Opfer.

Seit den 30er Jahren verbesserte sich die Lebensqualität an Bord: Die Leuchtfeuertechnik entwickelte sich zum vollautomatischen Betrieb und die Schiffe wurden seetüchtiger und stabiler. Viele Feuerschiffe dienten gleichzeitig als Wetter-, Funk- und Lotsenstation. Heute ist die Ära der "schwimmenden Leuchttürme" fast vorbei. In Deutschland wurde das Feuerschiff "Borkumriff" Ende der 80er Jahre durch ein unbemanntes ausgetauscht. Das letzte bemannte Feuerschiff der Welt wurde 1994 in Belgien eingezogen. Seitdem gibt es nur noch automatisch betriebene Feuerschiffe ohne Besatzung. Die meisten Schiffe hat man ohnehin durch Bojen, Leuchttonnen oder Leuchttürme ersetzt. Viele der ausrangierten Feuerschiffe dienen inzwischen als schwimmende Museen, als Nationalparkschiff oder sogar als Bar. Sie wurden zur Filmkulisse und inspirierten Autoren - etwa Siegfried Lenz zu seiner berühmten Erzählung "Feuerschiff", die mehrmals verfilmt wurde.

Susanne Wagner, Stand vom 10.11.2009

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