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Bernstein

Bernstein zählt zu den ältesten und bis heute beliebten Schmuck- und Heilsteinen der Welt. Er fasziniert durch die unterschiedliche Farbgebung, eine hohe Lichtbrechung und den goldgelben Glanz nach dem Polieren. Bernstein fühlt sich sinnlich und warm an, und er ist überraschend leicht. Man will ihn berühren, auf der Haut tragen, als Handschmeichler betasten. Noch heute sammeln die Menschen an der Ostseeküste Bernstein, dem auch eine heilende, schmerzstillende und beruhigende Wirkung nachgesagt wird.

Zwei Hände halten einen riesigen Bernstein, durch den in der Mitte ein dunkler Streifen verläuft. (Rechte: Naturkundemuseum Stuttgart)

Ein echter Riesenbrocken: 4,8 Kilogramm Bernstein

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Die Entstehung

Genau gesagt handelt es sich bei Bernstein (auch Amber oder mineralogisch Succinit genannt) um Baumharz, das vor Jahrmillionen aus den Wunden von Bernsteinkiefern und anderen Nadelhölzern ausgetreten und an der Luft sehr schnell ausgehärtet ist. Gewaltige Mengen sanken durch Wasser, Eis und Brandung in tiefe Sedimentschichten ab, wo sie von Sand, Staub und neu gebildeten Gesteinsschichten zugeschüttet wurden und über Millionen von Jahren unter Luftabschluss und Druck zu Bernstein wurden.

Baum mit starkem Harzausfluss. (Rechte: ORB)

Harz von verwundeten Bäumen ist der Ausgangsstoff für Bernstein

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Das Alter

Fossile Harze haben sich im Laufe verschiedener Epochen der Urzeit ausgebildet. Die ältesten sind über 300 Millionen Jahre alt. Die meisten Bernsteine entstammen dem Tertiär, dem Zeitalter der Säugetierentwicklung vor etwa 55 Millionen Jahren, dazu gehört auch der Baltische Bernstein. Dagegen ist das Alter der Bernsteinvorkommen in der Dominikanischen Republik zum Beispiel wesentlich niedriger einzuschätzen: etwa 35 Millionen Jahre.
Noch nicht völlig zu Bernstein ausgebildete Harze werden als Kopal bezeichnet, sie werden häufig in tropischen Flüssen zusammengeschwemmt und sind maximal einige Jahrtausende alt. Der Begriff Bernstein gilt heute für alle fossilen Harze, die älter sind als eine Million Jahre.

Mehrere Bernsteinstücke liegen neben einer zerbrochenen Muschelschale und Treibholz in feinem Sand. (Rechte: ORB)

An der baltischen Ostseeküste kann man nach wie vor fündig werden

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Die Verbreitung

Bernstein kann grundsätzlich überall außerhalb der Polregionen, vornehmlich in den nördlichen und gemäßigten Breiten der Erdhalbkugel gefunden werden. Wo vor Jahrmillionen die Bernsteinwälder standen, spülen die Meere heute immer wieder große Mengen des fossilen Harzes an die Küsten. Besonders in der südlichen Ostsee scheint es reiche Vorkommen zu geben. Der dort gewonnene Bernstein wird auch Baltischer Bernstein genannt. Daneben wird das fossile Harz noch in vielen anderen Ländern gefunden und gewonnen: in England, Portugal, Spanien, Italien, Kanada, Mexiko, im Libanon, in Madagaskar, Japan, der Dominikanischen Republik und auf Borneo.

Verschiedene Bernsteinstücke, die von einem milchigen Hellbraun bis zu einem sehr dunklen Braun variieren. (Rechte: SWR)

Bernstein kann sich farblich erheblich unterscheiden

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Die Farbe

Auch wenn "bernsteinfarben" als eigener Farbton in die deutsche Sprache eingegangen ist, weist Bernstein eine große Palette von Farbnuancen auf: Gelb bis Braun sind am charakteristischsten, poliert kann er durchsichtig honigfarben schimmern. Manchmal hat Bernstein während seiner Entstehung viele mikroskopisch kleine Luftbläschen eingeschlossen, die ihn dann in einem milchigen Gelbton erscheinen lassen. Darüber hinaus nimmt Bernstein durch Oxidation und Verwitterung eine rote Farbe an, während fein verteilter Pyrit (auch Katzengold oder Schwefelkies genannt) dem Bernstein eine grünliche Nuance verleiht. Durch mineralische Einschlüsse bedingt ist mancher Bernstein auch elfenbeinfarben. Die beim dominikanischen Bernstein typische Blaufärbung beruht dagegen auf fluoreszierenden Eigenschaften des fossilen Harzes.

Eine Hand hält einen Bernstein von gut 20 Zentimetern Länge. (Rechte: ORB)

Ein aufgrund seiner Größe äußerst seltener Bernstein

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Das Gewicht und die Größe

Bernstein ist sehr leicht. Ein Kubikzentimeter wiegt wenig mehr als ein Gramm. Bernstein ist also nur unwesentlich schwerer als Wasser, das heißt, er sinkt in Süßwasser und schwimmt in stark salzhaltigem Wasser. Bernstein ist von sehr unterschiedlichem Umfang, die meisten Stückchen, die sich bei der Strandlese finden, sind von größeren Bernsteinen abgesplittert und so klein wie Kieselsteine. Selten finden sich Bernsteinstücke von der Größe einer Kinderfaust. Noch größere Bernsteinfunde sind äußerst rar.

Das Bild ist mit kleinen bis mittelgroßen Bernsteinen aufgefüllt, die in Form und Farbe sehr heterogen wirken. (Rechte: SWR)

Bernstein besteht aus einem uneinheitlichem Gemisch

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Bernstein - organisches Plastik

Bernstein ist uraltes organisches Material. Anders als bei Versteinerungen fand beim Bernstein keine Umwandlung in kristallines Material statt. Der Bernstein, den wir heute in der Hand halten, ist die gleiche Substanz, die als Harz vor Jahrmillionen aus dem Spenderbaum ausblutete und dann erhärtete.
Bernstein ist nur wenig dichter als Wasser, eine Eigenschaft, die großen Einfluss auf sein Transportverhalten und die Lagerstättenbildung ausübt. So bedingt der Salzgehalt des Wassers, dass Bernstein an der Oberfläche schwimmt und nach Stürmen an die Küsten angeschwemmt wird. Seine Härte liegt nur wenig oberhalb der von Gips. Chemisch gesehen liegt Bernstein ein uneinheitliches Stoffgemisch zugrunde. Ähnlich den heutigen Kunstharzen bildet Bernstein ein Polyester und zählt zur Gruppe der Terpene. Er zeigt UV-Lumineszens und ist außerdem brennbar.

Ein brennender Bernstein vor dunklem Hintergrund. (Rechte: NDR)

Das fossile Harz brennt sehr gut

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Bernstein: Brennender Stein

Die Griechen gaben dem Bernstein den Namen elektron, was eine weitere Eigenschaft beschreibt: Glatter, trockener Bernstein lässt sich durch Reibungshitze elektrostatisch aufladen. Reibt man ihn etwa mit einem Wolltuch, zieht er Papierschnipsel an wie ein Magnet. Die Römer nannten den Bernstein succinum (Saft), während die Germanen von glasaz oder glaes(um) (Glas) sprachen.
Das Wort Bernstein geht auf das mittelniederdeutsche "bernen" (brennen) zurück und bedeutet ursprünglich Brennstein. Schon mit einem Streichholz lässt sich Bernstein entzünden. Beim Verbrennungsprozess entwickelt das Harz einen stark aromatischen Geruch, weshalb es zuweilen auch als Weihrauch-Ersatz benutzt wurde.

Gregor Delvaux de Fenffe, Stand vom 11.01.2010
Sendung: Entdeckungsreise durchs Baltikum, 11.01.2010

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Bildcollage zum Thema Schmucksteine (Rechte: clicktivities/SWR)

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