Reportage: Barfußwege - Wandern "unten ohne"
Schuhe unerwünscht!
Wenn die Sonne scheint und es angenehm warm ist, wird im grünen Schuhregal am Parkplatz vom Stift Tilbeck bei Havixbeck im Münsterland schon mal der Platz knapp. Hier beginnt ein Barfußwanderweg und Schuhe haben dabei nichts zu suchen. Etwas seltsam finde ich es schon, mich mit schutzlosen Füßen auf einen Weg zu machen, der immerhin 2,5 Kilometer lang ist. Kurz überlege ich, ob ich meine Schuhe nicht doch sicherheitshalber mitnehmen soll. Was einem unterwegs begegnet, weiß man ja nicht. Aber Barfußlaufen soll ja gesund sein, die Haut straffen, die Muskulatur stärken und die Durchblutung fördern. Als Erstes stelle ich jedoch fest, dass Kieswege ziemlich fies sein können - zumindest für schuhgewöhnte Füße.
Natur pur
Der Rundweg führt den Barfußwanderer über Asphalt, Waldwege und an Feldern entlang. Nach einer Weile haben sich meine Füße an die ungewohnte Freiheit gewöhnt und ich zucke nicht mehr bei jedem Steinchen zusammen. Auf einmal beginne ich, den Untergrund, auf dem ich laufe, wirklich wahrzunehmen. Im Wald liegt federnder Mulch auf dem Boden, das Gras am Feldrand ist kühl. Und wenn man dann über einen sonnenwarmen Sandstreifen läuft, fühlt man sich fast wie am Strand.
Abwechslung für die Füße
Unterwegs gibt es immer wieder Stationen, die die Füße besonders fordern. Auf sogenannten Fußfühlpfaden wechselt der Bodenbelag alle paar Schritte. Das sorgt für Abwechslung und stimuliert die verschiedenen Akkupressurpunkte der Füße. In der traditionellen chinesischen Heilkunde glaubt man, dass jedes Organ und jeder Körperteil mit der Fußsohle verbunden ist. Wenn man die entsprechenden Stellen am Fuß massiert, soll sich das auch positiv auf den ganzen Körper auswirken. Barfußwandern ist also Wellness für den ganzen Körper.
Wer sich mal wie ein Fakir fühlen möchte, sollte seinen Mut zusammennehmen und durch die Kästen mit bunten Glasscherben schreiten. Und hinter überrascht feststellen, dass Korken unter den Füßen mehr wehtun.
Keine Angst vor schwarzen Füßen
Niemand wird gezwungen, bei allen Stationen mitzumachen. An jedem Hindernis führt ein Weg vorbei. Wer sich lieber keine nassen Füße holen möchte, lässt die Wasserbecken einfach aus. Zu zimperlich sollte man aber nicht sein: Dreckig werden die Füße auf jeden Fall und gerade die Schlammgrube macht richtig Spaß. Dafür, dass kein Wanderer vom rechten Weg abkommt, sorgen die kleinen blauen Markierungsschildchen am Wegesrand.
Gute Geister
Beim Betreten des Geisterwaldes haben sich meine Füße schon richtig ans Barfußlaufen gewöhnt. Dafür wartet hier auch schon die nächste Herausforderung in Form eines Blindgangs. Mit geschlossenen Augen soll man sich ganz auf das Gefühl in den Füßen verlassen. Also, Augen zu, mit einer Hand am Seil festhalten und loslaufen! Es ist wirklich erstaunlich, was die Füße alles ertasten können, wenn man sich konzentriert. Und genauso, wie weh es tut, wenn man sich den Zeh an einer Wurzel stößt.
Die einzelnen Stationen am Barfußweg, und natürlich auch der Geisterwald, werden übrigens von den Bewohnern des Stifts sowie Kindergruppen und Schulklassen aus der Umgebung gestaltet und betreut. Kinder und Erwachsene sollen hier gemeinsam ihren Spieltrieb ausleben.
Spaß für alle Sinne
Nicht nur der Fühlsinn wird auf dem Barfußweg stimuliert. Hohlspiegel, ein Röhrentelefon und Schwebebalken sind nur einige der vielen Möglichkeiten, seine Sinne zu entfalten. Sogar ein echtes Klavier steht am Wegesrand und verführt jeden Passanten dazu, eine kleine Melodie zu klimpern. Im Sommer lädt außerdem ein eigens angelegtes Blumenfeld zum Blumenpflücken ein.
Der alte Wasserturm des Stifts markiert Start und Ziel des Barfußwegs. Hier steht auch ein Brunnen zum Füßewaschen. Fast ein bisschen wehmütig ziehe ich mir wieder Schuhe und Socken an. Barfußlaufen ist auf jeden Fall nicht nur gesund für die Muskulatur und den Kreislauf, sondern macht auch noch richtig Spaß.
Julia von Sengbusch, Stand vom 01.06.2007










