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Warum können manche Menschen ihre amputierten Gliedmaßen noch fühlen?

Amputationen wurden schon im alten Ägypten vor über 3000 Jahren durchgeführt. Ein infiziertes oder schwer verletztes Körperteil abzunehmen, war damals wie heute manchmal die einzige Möglichkeit, ein Menschenleben zu retten. Die betroffene Extremität verursacht dem Patienten vor der Amputation meistens erhebliche Schmerzen. Sind die Wunden nach der Amputation verheilt, sollten auch die Schmerzen aufhören. Denn wo nichts ist, kann auch nichts wehtun - sollte man meinen.

Einem Mann mit amputierten Beinen werden von einem Arzt Prothesen angepasst. (Rechte: dpa)

Prothesen sollen die fehlenden Gliedmaßen ersetzen

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Studien haben jedoch ergeben, dass mehr als 50 Prozent aller Amputierten früher oder später unter sogenannten Phantomschmerzen leiden. Obwohl ihnen völlig bewusst ist, dass beispielsweise ihr Arm nicht mehr da ist, spüren sie starke Schmerzen dort, wo früher ihre Hand war. Wann die Schmerzen beginnen, kann ganz unterschiedlich sein. Manchmal klingt nach der Operation der Schmerz schlicht nicht ab, in anderen Fällen tauchen die Schmerzen erst Jahre später auf.

Die genaue Ursache der Phantomschmerzen ist noch nicht geklärt. Eine Theorie ist, dass das Gehirn "sich ein Bild" vom eigenen Körper macht. Fehlen jetzt die Signale aus der amputierten Körperregion, passt das nicht mehr zum Selbstbild. Das Gehirn muss sich umstrukturieren und die Schmerzsignale bilden eine Art Ersatz. Einer anderen Theorie zufolge entstehen die Schmerzen durch Veränderungen im zentralen Nervensystem. Eine Studie an Ratten hat wiederum gezeigt, dass wohl eher der betroffene, "durchtrennte" Nerv selbst die Schmerzen verursacht. Weitgehend einig ist man sich nur in dem Punkt, dass die Stärke der Phantomschmerzen mit der Stärke der Schmerzen vor der Amputation zusammenhängt und das Gehirn also eine Art Gedächtnis für den Schmerz entwickelt.

Die fehlenden Körperteile müssen aber nicht zwingend wehtun. Wesentlich häufiger als der Phantomschmerz ist die Phantomempfindung. Je nach Altersgruppe berichten bis zu 90 Prozent aller Amputierten, dass sie ihre fehlenden Arme oder Beine zeitweise noch spüren. Ihr fehlender Fuß wird kalt oder die fehlende Hand juckt. Sogar die Haltung des Körperteils wird empfunden. Und manche Menschen können ihre Arme und Beine sogar noch willentlich bewegen, obwohl sie schon lange nicht mehr bei ihnen sind.
Viele Amputierte bekommen nach einiger Zeit eine Prothese, die den Verlust der eigenen Gliedmaßen ausgleichen soll. Phantomschmerzen machen jedoch oft schon das Anpassen einer Prothese unmöglich, weil jede Berührung des Stumpfes oder des Phantoms die Schmerzen noch verstärkt. Nicht-schmerzhafte Phantomempfindungen können beim Tragen einer Prothese allerdings sehr praktisch sein, wenn es dem Patienten mit etwas Übung gelingt, Phantom und Prothese verschmelzen zu lassen. Der eigentliche Fremdkörper kann dann beispielsweise wieder als das eigene Bein empfunden werden.

Julia von Sengbusch, Stand vom 01.06.2009

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Collage aus Bildmotiven des Themas Sinne (Rechte: WDR)

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