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Jürgen Dollase
Restaurantkritiker
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Stimmt es, dass die Gene unseren Geschmack beeinflussen?

Erdbeeren haben ihre eigene Note. Während sich die einen nach den Früchten die Lippen lecken, lassen sie andere völlig kalt. Jeder Mensch hat einen ganz eigenen Geschmack. Warum das so ist, haben Wissenschaftler des "Weizmann-Instituts für Wissenschaften" in Israel herausgefunden: Sie entdeckten gut 50 Gene, die für den Geschmack verantwortlich sind. Da diese Gene offenbar willkürlich aktiviert oder inaktiviert werden, ist die Anzahl möglicher Kombinationen fast unzählig. Die Kombination aktiver Gene, die für die Bildung bestimmter Rezeptoren in der Nase zuständig ist, ist bei jedem Menschen individuell verschieden. Deshalb nimmt jeder Geschmack und Geruch anders wahr.

Eine Frau gibt einem Säugling die Flasche. (Rechte: WDR/MEV)

Ein Säugling hat rund 10.000 Geschmacksknospen

Vergrößern

Deshalb reagieren auch nicht alle Menschen gleich, wenn sie Bitteres essen. Ein Drittel aller Deutschen können zum Beispiel den Bitterstoff 6-n-Propylthiouracil (Prop) nicht schmecken. Diese künstliche Substanz nutzen die Forscher, um die Geschmacksfähigkeit zu testen. Versuchspersonen, die Prop nicht schmecken, erkennen auch einen Teil der natürlichen Bitterstoffe nicht. Sie haben daher auch nur selten Aversionen gegen bittere Lebensmittel wie Grünkohl oder Grapefruit. Die Wissenschaftler vermuten, dass bei den Bitter-unempfindlichen Menschen ein bestimmter Bitter-Rezeptor defekt ist. Möglicherweise gibt es solche Unterschiede nicht nur zwischen einzelnen Menschen, sondern auch zwischen Völkern. Afrikaner und Europäer nehmen Bitteres recht unterschiedlich wahr. In manchen Teilen Afrikas müssen seit jeher die Menschen während der Dürrezeiten auch bittere Pflanzen essen. Ein empfindlicher Sinn für Bittergeschmack würde dabei stören.
In vielen Gegenden Europas aber leben die Menschen seit 5000 Jahren unter relativ günstigen Bedingungen. Deshalb konnten sie es sich eher leisten, ihre empfindlichen Bittersensoren beizubehalten.

Auch unsere Vorliebe für Fette ist in den Genen verankert. Das erklärt auch, warum manche Leute sich für Eisbein, Speck und fette Würste begeistern, wohingegen andere sich mit Grausen davon abwenden. Indizien für diese These fanden Wissenschaftler bei Versuchen mit Mäusen. Diese hatten die Wahl zwischen kohlenhydratreicher Kost wie Hafernocken und purem Fett. Die Mäuse mancher Stämme fraßen nach einiger Zeit nur noch das Fett. Die Forscher vermuten nun, dass es auch beim Menschen eine solche genetisch bedingte Fettvorliebe geben kann. Diese dürfte aber kaum so weit gehen wie bei den Mäusen und rechtfertigt es auch nicht, die Butter künftig ohne das Brot zu essen.

Michael Ringelsiep, Stand vom 01.06.2009

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Collage aus Bildmotiven des Themas Sinne (Rechte: WDR)

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