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Erlebniszoos

Glaswände anstatt Gitterstangen, weitläufige Gehege anstelle enger Käfige - das sind zwei Merkmale der neuen Erlebniszoos in Deutschland. Drei an der Zahl sind es mittlerweile. Der Zoo Hannover wurde bereits in den 90er Jahren umgebaut, es folgten Leipzig und die "Zoom Erlebniswelt" in Gelsenkirchen. Die modernisierten Zoos setzen konsequent auf den "Erlebnis-Charakter". Eine Trendwende, der sich auch die konventionell geführten Zoos nicht ganz entziehen können.

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
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Auf Tuchfühlung mit wilden Tieren (2'45'')
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Themen- und Erlebniswelten

Im Gegensatz zu den alteingesessenen Zoos und Tiergärten in Deutschland setzen die neueren Erlebniszoos verstärkt auf aufwendig gestaltete Themen- und Erlebniswelten. Die haben so exotische Namen wie Kiwara-Savanne, Gondwanaland, Mullewapp oder Alaska. Das traditionelle Konzept der Zoos, möglichst viele verschiedene Tierarten zu präsentieren, gilt bei den Marketingstrategen moderner Zoos als überholt.

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Bootsfahrt auf der "African Queen" (3'10'')
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Ein Beispiel für die Neugestaltung sind die Afrika-Erlebniswelten. Hier werden die Tiere in weitläufigen Gehegen präsentiert, die ihren natürlichen Lebensräumen entsprechen. Und das nicht nur streng nach Arten getrennt: Das Nashorn galoppiert einträchtig mit Antilope und Zebra um die Wette - fast wie in freier Wildbahn. Der Themengedanke spiegelt sich auch in der Architektur wider. Nichts ist dem Zufall überlassen - von der Lodge bis zur Speisekarte - hier ist (fast) alles afrikanisch. Auf den Besucher wirkt das wie eine perfekte Illusion: Afrika im Ruhrgebiet oder in Sachsen - da muss man gar nicht mehr in ferne Kontinente reisen. Eine Bootsfahrt auf dem künstlich angelegten Fluss dicht vorbei an prustenden Flusspferden und rosaroten Flamingos bietet den Besuchern "Safari-Feeling" pur.

Einige Menschen strecken einem Elefanten die Hände entgegen. Fast berühren sich Hände und Rüssel. (Rechte: Christoph Teves)

Begegnung zwischen Mensch und Tier im Zoo Hannover

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Neue Perspektiven

Zum "Erleben" gehört auch, dass die Blicke der Besucher weder durch Zäune noch durch Gitter getrübt werden. Traurige Tiere hinter Käfigstangen sind passé, neue Blickwinkel sind gefragt wie beispielsweise in der Flusspferdanlage im Zoo Hannover. Um das Unterwasserballett der bis zu drei Tonnen schweren Flusspferde zu erleben, müssen sich die Besucher in einer Höhle sammeln, wo Glasfenster den Blick auf das Treiben unter Wasser freigeben. Was Seelöwe und Eisbär so unter Wasser alles können, kann man auch in einem Unterwassertunnel in der Erlebniswelt "Alaska" in Gelsenkirchen bewundern. Oder im Pongoland in Leipzig: Unsichtbare Gräben und spektakuläre Aussichtspunkte eröffnen vielfältige Perspektiven auf Affe und Co.

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Varis – Vom Aussterben bedroht (3'21'')
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Erlebniszoo und Artenschutz?

Manche Zoo-Gegner kritisieren, dass die Tiere in den neuen Erlebniszoos zur Nebensache werden. In einem Zoo nach "Disney-Art", in dem es in erster Linie um das menschliche Vergnügen gehe, könne nicht ernsthaft Artenschutz betrieben werden - so der Tenor der Skeptiker. Der Artenschutz gehört neben Bildung, Erholung und Forschung zu den vier klassischen Aufgaben eines Zoos. Tatsache ist aber, dass die Erlebniszoos - genau wie die anderen Tierparks in Deutschland - Artenschutz betreiben und Erhaltungszuchtprogramme der weltweiten Zoo-Vereinigung (WAZA - World Association of Zoos and Aquariums) unterstützen. Die Zuchtprogramme regeln die Fortpflanzung besonders bedrohter Tierarten. In der "Zoom-Erlebniswelt" in Gelsenkirchen werden zum Beispiel die seltenen Roten Varis gezüchtet, eine Halbaffenart aus Madagaskar. In ihrer Heimat sind die Tiere fast ausgerottet, da ihre natürlichen Lebensräume, die tropischen Regenwälder, immer mehr abgeholzt werden. Der zoologische Leiter in Gelsenkirchen führt daher das Zuchtbuch über alle in europäischen Zoos lebenden Varis. So behält er den Überblick über die genetische Vielfalt der Tiere.

Auch Flusspferde werden in der "Zoom-Erlebniswelt" gezüchtet. Doch die Flusspferddame "Rosel" ist mittlerweile zu alt - deshalb bekommt sie die Pille oder wird zeitweise von ihrem Bullen "Ernie" getrennt. Ob Pferdeantilopen, Tiger oder Stumpfkrokodile - auch Hannover und Leipzig sind beim Artenschutz mit von der Partie. Eine besondere Attraktion ist das "Pongoland" in Leipzig - die größte Menschenaffenanlage weltweit. In Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut studieren Forscher im Leipziger Zoo das Verhalten von Schimpansen und Gorillas in der Gefangenschaft.

Abgeguckt: Vorbilder aus dem Ausland

Hannover gilt als Trendsetter der drei deutschen Erlebniszoos. 1993 stand der Zoo kurz vor dem Aus. Es gab damals nur zwei Alternativen: Entweder schließen oder einen kompletten Neuanfang wagen. Hannover ging das Wagnis ein, mit dem entsprechenden finanziellen Risiko. Heute ist der Zoo eine GmbH der Region Hannover und auf Erfolgskurs. Der bekannte Freizeitforscher Professor Heinz Rico Scherrieb konzipierte die aufwendig gestalteten Themen- und Erlebniswelten. Anregungen holte sich der Fachmann aus aller Welt. Dabei sind die Vorbilder nicht nur in den amerikanischen Großaquarien wie "Seaworld" zu suchen, sondern auch im nahe gelegenen "Burgers‘ Zoo" im niederländischen Arnheim. Hier wurde die Idee, den Zoo als Freizeitunternehmen attraktiv zu gestalten, schon viel früher umgesetzt.

Ein Elefant spritzt mit seinem Rüssel Wasser in eine Besuchermenge. (Rechte: Rechte: Christoph Teves)

Show gehört in vielen Zoos dazu

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Der Erlebniszoo als modernes Freizeitunternehmen

Die Wirtschaftlichkeit ist das eigentliche Ziel der Erlebniszoos. Davon hängt alles ab - der Artenschutz, die Bildung und das Freizeitangebot der Zoos. Die Planung und der Bau der aufwendig gestalteten Themenwelten haben enorme Summen verschlungen. Diese Ausgaben müssen erst wieder erwirtschaftet werden, ganz zu schweigen von den laufenden Kosten. Deshalb rühren die Zoomanager kräftig die Werbetrommel. Das große Medieninteresse kommt ihnen da gerade recht. Und so ist es wohl auch kein Zufall, dass die erste Zoodoku "Elefant, Tiger und Co." im Leipziger Zoo gedreht wurde. Niedliche Tierkinder wie der Berliner Eisbär Knut sind aber nicht nur in den Erlebniszoos ein Renner, sondern aus Sicht der Zoos für jeden Tierpark ein Glücksfall. Der größte Unterschied zu den traditionellen Zoos ist, dass der "Zoo der Zukunft" - wie sich die Erlebniszoos selber nennen - nicht mehr kategorisch von einem Zoologen oder Tierarzt geleitet werden müssen. Die Direktorposten in Gelsenkirchen und Hannover haben zumindest heute Manager inne, die ursprünglich aus ganz anderen Fachrichtungen kommen.

Ungewöhnliche Finanzierungsmaßnahmen

Eintrittsgelder und Spenden alleine reichen nicht aus, um die kostspieligen Zoos zu finanzieren. Deshalb setzen die Marketing-Profis auf zusätzliche Angebote und Events wie beispielsweise die Zooschule. Die ist zwar keine Erfindung der Erlebniszoos, sie haben das Konzept aber erweitert. Auf dem Programm stehen Dämmerungssafaris, Schnupperkurse als Tierpfleger und Führungen mit sogenannten Zooscouts. Auch jenseits der konventionellen Fütterungen setzen die Erlebniszoos zunehmend auf Tiershows wie Elefantenparaden (Hannover) oder moderierte Fütterungen (Leipzig). Das Event-Angebot ist ebenfalls umfangreich: So kann man in den neuen Erlebniszoos Feste feiern oder Geschäftstreffen abhalten. Kulinarisches kann man entweder auf der Safari Lodge oder im niedersächsischen Bauernhofambiente genießen und danach gleich zum Einkaufen im benachbarten Zoogeschäft übergehen. Das Konzept scheint aufzugehen. Das belegen zumindest die bisher steigenden Besucherzahlen.

Sandra Kampmann, Stand vom 30.09.2010

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Bildcollage zum Thema Tier und Mensch (Rechte: SWR)

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