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Harald Brünner - Diplom-Biologe & Mausforscher

Wenn man Harald Brünner fragt, was er an Mäusen so faszinierend findet, hat man unweigerlich das Gefühl, dass die kleinen Nager große Helden für ihn sind. Den Ekelfaktor mancher Leute kann er nur bedingt nachvollziehen. Wirklich schädlich, so sagt er, ist nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Mäuse. Viele Arten sind gar vom Aussterben bedroht, und oft wird vergessen, dass einige auch ganz nützlich sind. Deshalb bricht er gerne eine Lanze für die kleinen Säugetiere.

Porträtaufnahme von Harald Brünner im Studio bei Planet Wissen. (Rechte: SWR/Brigitte Karwath)

Harald Brünner

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Vom Molch zum Nager

Schon als Kind hat er sich zwischen Tierarzt und Forscher für Letzteres entschieden. Berufsziel: Zoologe. "Es gibt zwei Möglichkeiten Biologe zu werden", sagt Harald Brünner - entweder über die Vögel oder über die "Tümpel". "In meiner Jugend durfte man noch Molche fangen, weil die damals noch nicht geschützt waren. Ich bin mit meinem Vater losgezogen, um das Leben im Wasser zu erforschen und die Tiere zu beobachten. So bin ich zur Biologie gekommen." Das Schlüsselerlebnis, sich für kleine Säugetiere zu begeistern, hat er in einem Winter während des Studiums: In einer Praktikums-Pause entdecken er und sein Kommilitonen eine Spitzmaus im Schnee, die schon ziemlich mitgenommen aussieht. Schnell organisieren die Studenten ein paar Grillen, packen sie in einen Eimer und setzen die Maus dazu. Innerhalb von wenigen Sekunden erlegt die zuvor total geschwächte Spitzmaus alle Grillen. Eine kleine Maus wird zum Raubtier, wenn es an die Existenz geht - ein faszinierender Moment. Folgerichtig schreibt er auch seine Diplomarbeit über Spitzmäuse. Das war der Anfang von Harald Brünners "Mausforscher-Karriere".

Eine junge Haselmaus (lat.: Muscardinus avellanarius) in einem Haselnuss-Strauch beim Fressen. (Rechte: dpa)

Europaweit geschützt: die Haselmaus

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Freischaffender Biologe

Nach dem Studium in Karlsruhe und Freiburg entschließt er sich, als freischaffender Biologe zu arbeiten. Es folgt zunächst ein einjähriger Forschungsaufenthalt in Australien. Danach geht Harald Brünner zu weiteren Studien in die Schweiz, um Populationsgenetik an Spitzmäusen zu studieren und sich evolutionsbiologischen Fragestellungen zu widmen. Schließlich macht er ein Büro als Gutachter im Naturschutz auf. "Freischaffende Biologen", so witzelt er, sind "arme Schweine" und setzt augenzwinkernd, doch nicht ohne Ernst hinzu: "Aber die Welt wird uns noch zur Rettung brauchen." Als Biologe hat man in Deutschland die Wahl zwischen Pharmaindustrie und universitärer Forschung. Für das Erste ist man als Naturkundler nicht geschaffen und um eine Professur zu bekommen, muss man hohe Hürden überwinden und über ein internationales Renommee verfügen.

Harald Brünner arbeitet als freischaffender Biologe im Natur- und Artenschutz. Seit es europaweite Naturschutzgesetze gibt, ein lohnendes Arbeitsfeld. Brüssel hat sehr strenge Richtlinien für geschützte Tiere und Pflanzen festgesetzt. Dazu gehören zum Beispiel die Fleder-, aber auch die Haselmaus. Das Wohl dieser Tiere und Pflanzen muss besonders berücksichtigt werden, wenn zum Beispiel irgendwo gebaut werden soll. Harald Brünner prüft dann im Auftrag von Gemeinden, ob der Eingriff in die Natur vertretbar ist oder nicht und schreibt dazu ein Gutachten.

Ein Dominikanischer Schlitzrüßler (Solenodon paradoxus) steht hinter einer Pflanze im Wald. (Rechte: picture-alliance / OKAPIA KG)

Fast schon ein lebendes Fossil: Schlitzrüssler

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NABU und die Nussjagd

Auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) gehört zu Harald Brünners Auftraggebern. Als Spezialist für Kleinsäugetiere hat er für den Verein eine "Nussjagd" initiiert. Dabei geht es um das Aufspüren der seltenen Haselmaus mithilfe von angefressenen Nüssen. Am "Bissmuster" erkennt der Fachmann, ob die Haselmaus zugange war, und weiß dann, wo er sie suchen muss. Insbesondere Kinder sind aufgerufen, bei der Nussjagd mitzuhelfen. Der Mäusespezialist hat ein Lernprogramm für Lehrer entwickelt, das ihnen dabei hilft, die Kinder anzuleiten und das nötige Wissen zu vermitteln. Bisher ist die Aktion sehr erfolgreich und die Kids sind mit großer Neugier und Ausdauer bei der Sache.

Für die Zukunft hat Harald Brünner weitere Ideen. Er träumt von einem Projekt in den Tropen, auf Kuba und der Insel Hispaniola. Dort gibt es sogenannte "Schlitzrüssler", die auch zu den bedrohten Arten gehören. Äußerlich erinnern sie an große Spitzmäuse, sind aber etwa so groß wie ein Kaninchen. Das sind Tiere, deren Stammbaum rund 50 Millionen Jahre zurückreicht, sozusagen lebende Fossilien. "Ein Forschungsprojekt, das untersucht, wo die Art überhaupt noch vorkommt", schwärmt Harald Brünner, "und wie man ihr vielleicht auch mit genetischen Methoden helfen kann - das wär's!"

Harald Brenner, Stand vom 18.06.2010
Sendung: Wundersames Mäuseleben - Von Wohngemeinschaften, Singles und Futterdieben, 30.04.2010

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