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Der Nacktmull

Der Nacktmull ist ein mausähnliches Nagetier, das in den Halbwüsten Ostafrikas heimisch ist - vorzugsweise in riesigen unterirdischen Bauten. Der Name ist aber nur scheinbar Programm. Ganz nackt sind Nacktmulle nicht, sondern sie haben ganz feine Härchen, die man kaum sieht. Ein Novum innerhalb der Säugetiere ist ihr Leben in großen, bienenstockartigen Kolonien, die von einer "Mauskönigin" angeführt werden.

Ein Nacktmull-Weibchen (Heterocephalus glaber ) sitzt in Osnabrueck im neuen unterirdischen Zoo in seinem Bau auf Holzspänen. (Rechte: ddp)

Außergewöhnliches Nagetier: der Nacktmull

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Steckbrief

Nacktmulle können fünf bis 15 Zentimeter lang werden und wiegen 30 bis 50 Gramm. Ihre spärliche bis nicht vorhandene Behaarung ist vermutlich eine Folge der Anpassung an ihre unterirdischen Behausungen. Im Gesicht, vor allem an den Augenlidern und um den Mund, aber auch an den Beinen haben sie Tasthaare. Die Augen sind klein und ihre optische Wahrnehmung ist gering, was wohl ebenfalls auf das Höhlenleben zurückzuführen ist. Bemerkenswert sind die auffallend großen Nagezähne, die wie große Schaufeln arbeiten können. Dafür besitzen Nacktmulle eine starke Kaumuskulatur, die rund 25 Prozent der gesamten Muskelmasse ausmacht. Gebraucht wird dieses "Setup", um sich durch den harten Wüstenboden zu graben. Die Tiere können die Nagezähne sogar einzeln bewegen. Mit 18 verschiedenen Lauten verständigen sie sich. Die Nacktmull-Unterhaltung erinnert etwas an Vogelzwitschern.

Ein Nacktmull auf körnigem Boden. (Rechte: dpa)

Nacktmulle können erstaunlich alt werden

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Lebensfunktionen

Den geringen Sauerstoffgehalt in den Höhlen kompensieren Nacktmulle vor allem mit ihrem Hämoglobin, das besonders effektiv Sauerstoff ins Blut aufnehmen kann. Außerdem haben sie eine sehr niedrige Atemfrequenz. Den stark schwankenden Temperaturen in ihren Behausungen entsprechend, können sie ihre Körpertemperatur zwischen zwölf und 32 Grad Celsius variieren.

Nacktmulle trinken nicht. Flüssigkeit nehmen sie nur über die Nahrung auf, die hauptsächlich aus fasrigen Pflanzenknollen besteht. Ihre Lebenserwartung ist enorm: weit über 15 Jahre, sogar Tiere mit mehr als 28 Jahren sind schon nachgewiesen worden. Damit übertreffen Nacktmulle andere Nagetiere, insbesondere Maus, Ratte und Co. bei Weitem. Und noch ein Kuriosum unter Säugetieren: Nacktmulle empfinden keine Schmerzen. Forscher haben herausgefunden, dass in ihrer Haut ein bestimmtes Molekül fehlt, das auf noch nicht ganz geklärte Weise am Schmerzempfinden beteiligt ist.

Lebensraum und Lebensweise

Nacktmulle leben in weiten Teilen Somalias, in Zentral-Äthiopien sowie im Norden und Osten Kenias. Bevorzugte Habitate sind die trockenen Halbwüsten dieser Länder. Die unterirdischen Kolonien können bis zu 300 Tiere zählen. Die Organisation gleicht dem eines Insektenstaates - das ist ebenfalls einzigartig in der Säugetierwelt. Wie bei den Insekten gibt es auch bei den Nacktmullen eine hoch spezialisierte Arbeitsteilung. Es gibt "Arbeiter", die Gänge graben, und "Soldaten", die an den Höhlenausgängen Wache schieben.

Jede Kolonie wird von einer Königin geführt, die deutlich größer ist als die übrigen Weibchen. Die "Arbeiterinnen" sind unfruchtbar. Außerdem werden sie von der Königin durch Pheromone und aggressives Verhalten unterdrückt. Über die Gründe der Unfruchtbarkeit ist bislang wenig bekannt. Eine Theorie besagt jedoch, dass der Terror der Königin bei ihren "Töchtern" so viel Stress verursacht, dass sie nicht fruchtbar werden. Die Königin paart sich mit ein bis drei Männchen und wirft mehrmals im Jahr, insgesamt rund 60 Junge. Forscher haben beobachtet, dass die Männchen nach der Paarung erstaunlich schnell altern. Stirbt die Königin, können sich die anderen Weibchen plötzlich entfalten. Gleich mehrere Arbeiterinnen werden fruchtbar und diejenige, die zuerst wirft, hat den Kampf um den Nacktmull-Thron gewonnen.

Warum Nacktmulle sich in dieser Sozialstruktur organisieren, ist nicht völlig geklärt. Es könnte eine Anpassung an den Lebensraum der Tiere sein. Neuere Theorien gehen aber davon aus, dass ein einzelnes Weibchen es nicht schaffen würde, sich für die relativ lange Trage- und Stillzeit von etwa 70 Tagen genügend Fettreserven anzufressen. Um die Art zu erhalten, müssen also viele mithelfen, und die Staatenbildung scheint das richtige Mittel dafür zu sein.

Harald Brenner, Stand vom 27.12.2010
Sendung: Wundersames Mäuseleben - Von Wohngemeinschaften, Singles und Futterdieben, 30.04.2010

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