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Duftgeflüster – Tierische Kommunikation mit Hilfe chemischer Signale

Kommunikation ist überlebenswichtig, auch im Reich der Tiere. Daher haben sich alle Arten ein ausgefeiltes Repertoire an Signalen zugelegt, mit denen sie sich verständigen. Eine sehr raffinierte und weit verbreitete Form des Informationsaustausches sind chemische Signale.

Europäischer Hummer im Atlantik bei Norwegen (Rechte: INTERFOTO)

Hat spezielle Fühler für bestimmte Botschaften

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Alle Tiere sprechen „Chemisch“

Kommunikation über chemische Signale findet man so gut wie im ganzen Tierreich. Vermutlich ist sie sogar die primäre Kommunikationsform der meisten Lebewesen. Kein Wunder, denn in vielen Fällen sind individuelle Körpergerüche direkt von den Genen gesteuert und bieten sich daher als verlässliche Übermittler von Informationen an, etwa über Individualität oder Verwandtschaftsgrad.

Pheromone vs. Allelochemikalien

Bei der Kommunikation mit Hilfe chemischer Signale werden unsichtbare und – für den Menschen – geruchlose Botenstoffe ausgeschieden. Allgemein nennt man diese informativen Verbindungen „Infochemikalien", allerdings unterscheidet man noch mal zwischen Verbindungen, die innerhalb einer Art zum Einsatz kommen (Pheromone) und solchen, die Informationen zwischen Individuen verschiedener Arten vermitteln (Allelochemikalien).

Kleidermotte (Rechte: IMAGO)

Kleidermotten - bekannte Duftliebhaberin

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Pheromone = „Lockstoffe“

Pheromone werden umgangssprachlich oft auch als „Lockstoffe“ bezeichnet. Ob Insekten oder Säugetiere, fast alle Tiere verwenden sie, und das auf vielfältige Weise. Man unterscheidet zum Beispiel Sexual-, Aggregations-, Spur- und Alarmpheromone, mit deren Hilfe Partner gesucht, Versammlungen einberufen, Wege beschrieben und Artgenossen vor Gefahr gewarnt werden.

Sexualpheromone

Sexualpheromone können nach Katzenminze riechen, wie bei der Blattlaus oder nach Erdbeere, wie bei bestimmten Schmetterlingen, immer dienen sie jedoch dazu, Männchen und Weibchen zusammenzuführen. Vielfach sind sie daher über weite Strecken wahrzunehmen. Meist werden Sexualpheromone von Weibchen produziert, um die Bereitschaft zur Paarung zu signalisieren. Zusätzlich können Sexualpheromone wichtige Informationen über die Herkunft der Tiere enthalten, so dass die Verwandte rechtzeitig erkennen und Inzucht vermieden werden kann.

Schädlicher Borkenkäfer mit Larve in einem Wald (Rechte: IMAGO)

Gefährlicher Schädling im Wald

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Aggregationspheromone

Ein Beispiel für den Einsatz von Aggregationspheromonen sind die Botenstoffe, die Borkenkäfer aussenden, wenn sie einen Baum befallen. Ein so genannter Pionierkäfer fliegt voraus, wählt einen Baum und bohrt sich hinein. Dabei gibt er mit dem aus dem Bohrloch herausfallenden Kot auch Aggregationspheromone ab, die weitere Artgenossen anlocken, denn wenn sich viele Borkenkäfern gemeinsam in einen Baum einbohren, können die Widerstandskräfte des Baumes wie z.B. verstärkter Harzfluss besser überwunden werden.

Spurpheromone

Spurpheromone werden besonders von Ameisen eingesetzt. Diese geben sie in kleinsten Mengen über spezielle Drüsen oder aber anal ab. So wird eine Spur direkt auf den Boden oder auf eine Pflanze abgegeben. Die Arbeiterinnen folgen dieser Spur, und werden etwa zu Nahrungsquellen oder einem neuen Nest geleitet. Je nach Art halten die gelegten Duftspuren unterschiedlich lang und müssen daher regelmäßig erneuert werden. Einige Spurpheromone sind art- oder sogar nestspezifisch. So stellen die Tiere sicher, dass sich die Arbeiterin aus Nest A nicht ins Nest B verläuft.

Alarmpheromone

Mit Hilfe von Alarmpheromonen können Insekten lautlos „Gefahrenalarm“ schlagen. Sie kommen vor allem bei in Verbänden lebenden Tieren zum Einsatz, wie zum Beispiel Blattläusen. Alarmpheromone können erhöhte Alarmbereitschaft, Flucht oder Angriff auslösen.

Bombadierkäfer (Rechte: picture-alliance)

Bombadierkäfer haben eine deutliche Sprache

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Allelochemikalien

Neben Pheromonen, gibt es noch so genannte Allelochemikalien. Diese können zum Beispiel pflanzenfressende Insekten - quasi unfreiwillig - mit ihrem Kot oder über spezielle Drüsen abgegeben und damit ihre Gegenwart bekannt geben. Im schlimmsten Fall locken sie dadurch Fressfeinde an. Umgekehrt können Allelochemikalien von Insekten aber auch zur Abwehr eingesetzt werden. Ein berühmtes Beispiel ist hier der so genannte Bombardierkäfer. Um sich zu verteidigen, sprüht er seine Abwehrstoffe aus speziellen Drüsen am Hinterleibende direkt auf den Angreifer.

Sender und Empfänger nötig

Damit Tiere sich mit Hilfe von chemischen Signalen verständigen können, müssen sie über bestimmte körperliche Eigenschaften verfügen. Zum einen brauchen sie spezielle Körperdrüsen, mit deren Hilfe sie in der Lage sind, Botenstoffe zu produzieren und an die Umwelt abzugeben. Neben einem „Sender“ brauchen sie zusätzlich einen „Empfänger, denn noch so viele Signale nützen nichts, wenn sie nicht wahrgenommen werden können. Viele Insekten besitzen daher besonders empfindliche und mit speziellen Sinneshaaren ausgestattete Antennen (Fühler), die die Botenstoffe aufnehmen und verarbeiten können. Auch bei Hummern hat man solche empfindlichen Sensoren nachgewiesen.

Der Pflazenschädling Maiswurzelbohrer kleben am Freitag (25.07.2008) in einem Maisfeld bei Mahlberg im badischen Ortenaukreis an einer Pheromonfalle. (Rechte: picture-alliance/ dpa)

Maiswurzelbohrer kleben auf der Falle

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Pheromone als Falle

Sein Wissen über die tierische Kommunikation mit Hilfe von Botenstoffen macht sich der Mensch zunutze und setzt es zum Beispiel in der Schädlingsbekämpfung ein. Besonders Sexualpheromone sind sehr wirksam. Eine vergleichsweise harmlose und dennoch effektive Methode ist die so genannte Verwirrtechnik. Hierbei werden künstlich hergestellte weibliche Sexualpheromone in hohen Konzentrationen ausgebracht, so dass die Männchen derart verwirrt werden, dass sie in den hoch konzentrierten synthetischen Pheromonwolken die Weibchen mit ihren natürlichen Pheromonen nicht mehr orten können. Da die Geschlechtspartner nicht zusammenfinden können, findet auch keine Fortpflanzung statt, und die Zahl der Schädlinge sinkt.

Lena Ganschow, Stand vom 05.11.2009

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Bildcollage zum Thema Tierisches (Rechte: dpa)

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