Entenvögel
Familienkunde
Schon im Oligozän, also vor etwa 23 bis 33 Millionen Jahren, hat es Entenvögel gegeben. Das belegen die wenigen Fossilien, die es aus dieser Zeit gibt. Der entscheidende Evolutionsschub aber muss eine Erdepoche später im Miozän erfolgt sein. Diese Phase dauerte bis vor etwa fünf Millionen Jahren und sie brachte fast alle heute bekannten Unterfamilien der Entenvögel hervor: Enten, Gänse, Affenenten, Ruderenten, Halbgänse, und Pfeifgänse.
Schwäne gehören zur Unterfamilie der Gänse. Halbgänse können aufgrund ihrer Gestalt und der genetischen Abstammung weder eindeutig den Enten noch den Gänsen zugeordnet werden und bilden deshalb eine eigene Unterfamilie. Ähnliches gilt für Affenenten, Ruderenten und Pfeifgänse - sie weisen charakteristische Merkmale auf, die vom Schema der Gänse und Enten deutlich abweichen. So gilt zum Beispiel die Ruderente als am besten an das Leben im Wasser angepasst. Sie ist eine Tauchspezialistin und ihre Beine sitzen sehr weit hinten. Das nützt zwar dem Vortrieb im Wasser, wirkt aber beim Landgang ziemlich unbeholfen. Auch ihr breiter und hoher Schnabel unterscheidet sich von dem anderer Enten.
Körpermerkmale
Der lange, breite Körper ist allen Entenvögeln gemeinsam und zeigt die Anpassung an das nasse Element, weil diese Form beim Schwimmen Auftrieb erzeugt. Auch die Schwimmhäute an den relativ kurzen Füßen gehören zur Grundausstattung und dienen der Fortbewegung im Wasser. Vor allem Gänse und Schwäne besitzen einen langen Hals, aber auch manche Enten. Alle Entenvögel können tauchen, aber sie machen es aus unterschiedlichen Gründen: manche nur im Notfall, andere, wie die Ruderente, tauchen ständig um Nahrung zu suchen. Entenvögel wie die Zwergente sind "nur" 30 Zentimeter groß. Dagegen bringt es der Trompeterschwan auf stattliche 1,80 Meter Körperlänge und über zwei Meter Spannweite. Entenvögel bringen zwischen 230 Gramm und 23 Kilogramm auf die Waage. Sie haben einen breiten Schnabel, der am Rand mit Lamellen versehen ist. Damit filtern die Tiere Kleinstlebewesen aus dem Wasser und die Lamellen erleichtern das Festhalten von Beute, zum Beispiel kleinen Fischen. Das Gefieder ist dicht und muss "in Schuss" gehalten werden. Wichtig ist das ständige Einölen mittels eines Sekrets aus der Bürzeldrüse, damit die Federn sich nicht mit Wasser vollsaugen. Entenvögel können sehr bunt sein wie zum Beispiel die Stockenten, aber auch vorwiegend unifarben wie die Gänse, die hauptsächlich weiß, braun oder grau daherkommen.
Auffällig ist das farblich zum Teil sehr unterschiedliche Aussehen der Geschlechter, bei dem die Männchen farbenprächtig glänzen, während die Weibchen eher schlicht aussehen. Entenvögel haben im Verhältnis zum Gewicht relativ kurze Flügel. Im Gegensatz zu anderen Vögeln kommen sie daher in der Luft kaum ins Gleiten und müssen ständig ihre Flügel schlagen. Da sie aber sehr kräftig sind, können sie trotzdem lange Strecken zurücklegen. Die Streifengans steigt dazu in eine Höhe bis zu 8000 Metern. Sprichwörtlich ist das "Geschnatter" der Gänse und das Quaken der Enten - Entenvögel sind eben sehr "gesprächig". Dabei macht der Trompeterschwan seinem Namen alle Ehre: Mithilfe eines Resonanzkörpers kann er unglaublich laute Töne von sich geben.
Ernährung
Hier ergibt sich kein einheitliches Bild - zu unterschiedlich sind die Ernährungstypen. Während ausgewachsene Gänse und Schwäne hauptsächlich Pflanzenfresser sind, suchen ihre Jungen nach Insekten und kleinen Krebstieren. Schwimmenten gründeln: Im flachen Wasser suchen sie den Bodenschlamm nach Essbarem ab. Bevorzugt werden kleine Krebstiere, Wasserinsekten, aber auch Wasserpflanzen. Die Löffelente hat sogar so feine Lamellen, dass sie damit Plankton aus dem Wasser filtern kann. Säger mögen es etwas größer: Sie jagen Fische. Der Appetit der Entenvögel ist enorm: Eine Tagesration beträgt etwa zehn Prozent des Eigengewichts. Manchmal betätigen sie sich auch als Räuber, indem sie versuchen, Artgenossen die erbeutete Nahrung zu klauen. Pfeifenten sind bekannt dafür, dass sie Tauchenten mit dieser Absicht angreifen. In der Regel werden Entenvögel nicht von der eigenen Familie sondern von anderen Vögeln beklaut, zum Beispiel von Möwen.
Fortpflanzung
Gänse und Schwäne gehen meistens mit ihrem Partner einen Bund fürs ganze Leben ein. Zwar leben auch die anderen Entenvögel monogam, allerdings nur zeitweise. Sie suchen sich für jede Brutsaison einen neuen Partner. Der Nestbau ist meist Frauensache, bei den Schwänen hilft aber auch das Männchen mit, bei den Hühnergänsen macht Mann das sogar alleine. Die meisten Nester sind kleine Kuhlen im Boden, die mit Pflanzen ausgelegt und mit Brustfedern des Weibchens gepolstert werden, die es sich eigens dafür ausreißt. Architektonisch anspruchsvoller sind Schwanennester, die aus Gräsern, Zweigen und Wasserpflanzen richtig kunstvoll zusammengebaut werden.
Schwimm- und Tauchenten legen bis zu 13 Eier, Gänse und Schwäne nur vier bis fünf. Die Brutzeit beträgt zwischen 22 und 40 Tage, am längsten dauert es bei den Schwänen. Die Gänse der Arktis sind am schnellsten. Aufgrund der extremen Lebensbedingungen können sie keine lange Brutzeit gebrauchen. Als besonders pfiffig erweist sich die Kuckucksente, die gar kein eigenes Nest baut, sondern ihre Eier in die Nester anderer Enten legt.
Die Jungen können schon kurz nach dem Schlüpfen laufen und schwimmen, machen das aber die ersten Wochen unter der Aufsicht der Eltern. Die sind vollauf damit beschäftigt, den Nachwuchs zu bewachen und ihm geeignete Nahrungsquellen zu zeigen. Bei Paaren, die sich jedes Jahr neu finden, ist das Weibchen für die "Ausbildung" zuständig, bei den anderen übernehmen beide Elternteile diese Aufgabe. Die Elternbindung dauert einige Wochen, kann aber zum Beispiel bei Graugänsen wesentlich länger andauern. Graugänse haben überhaupt einen ausgeprägten Familiensinn.
Die Lebenserwartung von Entenvögeln ist erstaunlich gering: Rund 50 Prozent sterben vor dem Erreichen der Geschlechtsreife, werden also nicht einmal ein Jahr alt. Im Durchschnitt erreichen Enten ein Lebensalter von zwei bis drei Jahren, Gänse bringen es auf fünf, Schwäne können im Durchschnitt immerhin 20 Jahre alt werden.
Harald Brenner, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Gänse und Enten - Geschichten vom geselligen Federvieh, 14.01.2009










