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Störche

Besondere Kennzeichen: lange Beine und schreitender Gang. Gemessenen Schrittes stolzieren die insgesamt 19 Storch-Arten auf fast allen Erdteilen umher, ihre eigentliche Heimat sind die Tropen und Subtropen. Der in Europa lebende Weißstorch hat sich vor allem als Klapperstorch einen Namen gemacht: Er ist es, der die Kinder bringt – so heißt es bis heute mancherorts. Für seinen eigenen Nachwuchs allerdings sieht es schlecht aus.

Storch füttert Jungtiere (Rechte: dpa)

Stolzer Vogel - der Weißstorch

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Von roten Beinen und Froschschenkeln

Die europäischen Weißstörche (Ciconia ciconia) lieben es, nasse Füße zu bekommen. Sie bevorzugen feuchte Lebensräume, wo sie ihre Nahrung finden. Mit ihren roten Stelzbeinen staksen die Schreitvögel suchend durch Sümpfe, Auen und Wiesen. Blitzschnell packen sie ihre Opfer mit dem spitzen, ebenfalls roten Schnabel. Sehr wählerisch ist der knapp ein Meter große Vogel dabei nicht. Es muss nicht immer Froschschenkel sein. Auch Insekten, Eidechsen, Mäuse und Fische verschmäht er nicht. Schließlich wollen die Storchenjungen im Nest täglich mit über einem Kilogramm fleischlicher Kost gefüttert werden.

Ein Storch im Schilf. (Rechte: WDR/Robert B. Fishman)

Auf der Suche nach Nahrung

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Ihre imposanten Horste errichten Weißstörche auf den Dächern von Häusern und Kirchtürmen, Fabrikschornsteinen und Hochspannungsmasten. Störche sind Kulturfolger: Erst die Rodung der Wälder durch den Menschen machte den Baumbrüter zum Mitbewohner des Menschen. Zuweilen sieht man Störche auch auf den Feldern, wie sie Egge und Pflug folgen. Sie ernten, was von den landwirtschaftlichen Maschinen aufgescheucht wird. Im Herbst, wenn die Tage kürzer und kälter werden, finden die Störche nicht mehr genug zu fressen. Dann machen sie sich auf die weite Reise nach Afrika: Weißstörche sind Zugvögel. Bis weit ins Mittelalter dachte man, sie verschlafen den Winter im Wasser. Heute sind ihre Flugrouten ziemlich genau erforscht und bekannt.

Ein Storch im Flug. (Rechte: dpa/Wulf Pfeiffer)

Optimale Tragfläche

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Segler im Aufwind

Störche haben lange und breite Flügel, die sie zu exzellenten Segelfliegern machen. Von einer Flügelspitze bis zur anderen messen Weißstörche knapp zwei Meter. Besonders raffiniert gebaut sind ihre langen Schwungfedern: eine optimale Tragfläche, fest und elastisch zugleich. Das Flugbild des Storchs ist gut am ausgestreckten Hals, den weit ausgebreiteten Flügeln und den langen Beinen zu erkennen. Meister des ausdauernden Flügelschlags sind sie allerdings nicht. Um weitere Strecken zurückzulegen. sind sie stark von den entsprechenden Luftströmungen abhängig. Sie nutzen die Thermik, warme Aufwinde, mit der sie nach oben steigen und dann in die gewünschte Richtung segeln. Diese Flugweise ist sehr energiesparend. Die maximale bisher beobachtete Höhe liegt bei 4500 Metern. Störche fliegen bis zu 500 Kilometern täglich, bei einem Durchschnittstempo von 50 Kilometern in der Stunde. Sie können durchaus Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometer in der Stunde erreichen.

Im Segelflug nach Afrika

Bei der Reise zu ihrem Winterdomizil nehmen die europäischen Weißstörche zwei verschiedene Wege. Um auf den afrikanischen Kontinent zu gelangen, nutzen sie die Meerengen Bosporus im Osten und Gibraltar im Westen. So umgehen sie das offene Mittelmeer. Als Segelflieger meiden sie große Wasserfläche ohne Aufwinde, deren Überquerung einen strapaziösen Ruderflug erfordern würde.

Je nach Route werden die Störche in Ost- und Westzieher unterschieden. Die Westzieher fliegen über Frankreich, Spanien via Gibraltar nach Nordafrika und von dort weiter nach Westafrika, in die Savannen zwischen Senegal und Kamerun. Die Ostzieher ziehen über den Bosporus nach Kleinasien und von dort erst der Mittelmeerküste folgend, später den Lauf des Nils entlang, ins östliche und südöstliche Afrika. Die Mehrzahl aller Weißstörche gehört zu den Ostziehern. Da sich die für den Segelflug wichtigen Thermiken nur in der Hitze des Tages ausbilden, rasten die Vögel nachts.

Storchenforschung

Erst in Schriften aus dem 16. Jahrhundert wird der Storch erstmals als ein "Wandergeselle" bezeichnet, der in fernen Ländern den Winter verbringt. Um sie im Frühling nach ihrer Rückkehr wieder zu erkennen, kennzeichnete man die Störche bereits im 17. Jahrhundert mit farbigen Bändern und Glöckchen. Heute gibt es kaum eine Vogelart, deren Zugverhalten so gut untersucht ist wie das der Weißstörche. Vor allem die Beringung der Vögel lieferte wertvolle Informationen, etwa über Wanderwege, Paartreue oder Todesursachen.

Heute nutzen Wissenschaftler die Satelliten-Telemetrie. Kleine Sender, nicht mehr als 50 Gramm schwer, werden auf dem Rücken der Störche angebracht. Während der Wanderung nach Afrika zeigen sie den Forschern kontinuierlich an, wo sich das besenderte Tier gerade befindet.

Drei kleine Storchenküken werden von ihrer Mutter gefüttert. (Rechte: dpa/Patrick Pleul)

Genug Nachwuchs bei Familie Storch?

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Schwarze Zukunft für den weißen Storch?

Früher war "Gevatter Storch" nicht nur als Kinder- und Glücksbote beliebt, sondern auch als natürlicher schädlingsbekämpfender Kammerjäger gern gesehen. Es wurden sogar Nisthilfen in Form von Wagenrädern oder Körben auf den Dächern angebracht. Dem Storch brachte die Nähe zum Menschen allerdings weniger Glück. Die Trockenlegung und Zerstörung von Feuchtgebieten und Flussauen hat seine Nahrungsquellen stark dezimiert. Die Verdrahtung der Landschaft mit Stromleitungen und Weidezäunen wird häufig zur Todesfalle für den großen Vogel. Und die Belastung der Umwelt mit Chemikalien - durch Biozideinsatz und Überdüngung - macht ihm das Überleben zusätzlich schwer. Aber auch auf der Reise in den Süden lauern viele Gefahren: Neben der Bejagung durch Einheimische sind vor allem Pestizide, Dürreperioden und die Zerstörung von Lebensräumen eine große Gefahr.

Durch verstärkte Schutzmaßnahmen haben sich die Bestandszahlen der Weißstörche in Deutschland in den letzten Jahren leicht erholt. Viele Störche stammen heute allerdings aus sogenannten Wiederansiedlungsstationen, wo die großen Vögel gezüchtet und später ausgesetzt werden – eine Strategie, die nicht von allen Naturschützern gut geheißen wird. Ökologen bezweifeln, ob sich an der Lage des Storches auf lange Sicht etwas verbessern lässt, solange weiterhin intensive Landwirtschaft betrieben wird und solange keine Lebensräume existieren, in denen Störche selbständig – ohne Hilfestellung des Menschen – überleben können.

Susanne Wagner, Stand vom 31.08.2009
Sendung: Heimische Vögel in Gefahr, 31.08.2009

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Bildcollage zum Thema Vögel (Rechte: dpa)

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