Kraniche in Deutschland
Der Graukranich: in Europa zu Hause
Die Familie der Kraniche ist mit 15 Arten auf der Erde weit verbreitet. Nur in Südamerika und in der Antarktis gibt es sie nicht. Der einzige in Nord- und Mitteleuropa heimische Kranich ist der Graukranich. Bis zu 1,30 Meter groß kann er werden, misst man ihn in aufrecht stehender Position.
Seine Flügelspannweite kann bis zu 2,45 Meter betragen. Das Federkleid ist in dezentem grau gehalten, Hals und Kopf sind schwarz und weiß gefärbt. Nur am Hinterkopf hat er eine rote federlose Kopfplatte, die bei Erregung deutlich sichtbar wird.
40 Jahre kann ein Graukranich alt werden, dies allerdings meist nur in Gefangenschaft. In freier Natur lauern zu viele Gefahren, um ein solch biblisches Vogelalter zu erreichen. In Gesamteuropa gibt es mehr als 75.000 Kranichpaare, Tendenz steigend. Bei uns in Deutschland sind es mehr als 5000. In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Niedersachsen, Schleswig Holstein, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen sind die deutschen Kranich-Kolonien in der Brutsaison, die von April bis September reicht, zu Hause.
30 Jahre Kranichschutz in Deutschland
Von solchen Zahlen konnte man Anfang der 70er Jahre nur träumen. Damals brüteten in Deutschland weit weniger Kranichpaare. In Ostdeutschland immerhin 800, der Westen brachte es nicht einmal auf 20 Brutpaare. Auch die Anzahl an sogenannten "Durchziehern" war damals weitaus geringer als heute. 40.000 legten zu Beginn der 80er Jahre im Herbst in Deutschland einen Zwischenstopp auf der Durchreise vom europäischen Norden nach Spanien und Nordafrika ein. Inzwischen hat sich der "Durchzügler"-Bestand auf stolze 150.000 Tiere erhöht.
Solche Erfolge in Sachen Kranichschutz sind langjährigen Naturschutzprogrammen zu verdanken. 1991 wurde die Arbeitsgemeinschaft "Kranichschutz Deutschland" gegründet. Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, neben der Öffentlichkeitsarbeit dem Kranich eine sichere Brutheimat sowie störungsfreie Sammel- und Rastplätze in Deutschland zu erhalten. Auch internationale Kooperationen mit ausländischen Behörden sind wichtig. Bei Schutzprogrammen für Zugvögel müssen Überwinterungs- und Brutgebiete, die weit auseinander liegen, gleichermaßen berücksichtigt werden.
Romantische Tänzer und sensible Brüter
Ab Mitte Februar kehren die Graukraniche aus den Winterquartieren in Spanien und Nordafrika an die Brutplätze in Deutschland zurück. Bevor sie Mitte März bis Anfang April zu brüten beginnen wird es zunächst romantisch. Die Zeit der Tänze ist angebrochen, die aus Flattern, Springen, Zick-Zack-Rennen und dem Hochwerfen von Steinchen und Pflanzenbüscheln bestehen. Ein nach diesem etwas skurril anmutendem Naturschauspiel wird gebalzt und sich gepaart. Nach etwas mehr als zwei Wochen schlüpfen die Kleinen und folgen bereits nach einem Tag den Eltern bei der Futtersuche.
Kraniche sind Bodenbrüter und deshalb besonders vielen Gefahren ausgesetzt. Füchse und Wildschweine runden ihren Speiseplan gerne mal mit einem Kranichei oder -küken ab. Um also ihrem Brutgeschäft möglichst entspannt nachgehen zu können, bauen sie ihre Nester vorwiegend in knietiefem Wasser. Das gibt es etwa in Sumpfwäldern oder in verlandenden Seen und Teichen. Dort sollte man die Tiere auf keinen Fall stören: Die Kraniche sind so sensibel, dass sie schon bei der geringsten Beunruhigung ihr Nest aufgeben.
Abenteuer Wildnis hautnah
Das Betreten der Kranichbrutgebiete und das Aufsuchen der Nahrungs- und Sammelplätze ist gesetzlich verboten. Nur so kann man die Vogelbestände dauerhaft erhalten. Wer das Abenteuer Kranich aber live erleben will, der wird trotzdem nicht enttäuscht. Es gibt viele Möglichkeiten, die Kraniche von der Straße oder von Feldwegen aus zu beobachten, ohne die Tiere zu stören. Am besten Sie haben ein gutes Fernglas im Gepäck und informieren sich vorher bei einem der Kranich-Informationszentren, die fast überall in der Nähe der Brutgebiete zu finden sind. Dort erfahren Sie nützliche Verhaltenstipps und die aktuell günstigsten legalen Beobachtungsplätze. Vor allem im Herbst haben Sie gute Chancen sich von den Kranichen verzaubern zu lassen. Zehntausende Tiere legen dann einen mehrwöchigen Zwischenaufenthalt auf ihrem Weg in ihre Überwinterungsgebiete ein.
Susanne Decker, Stand vom 01.06.2009










