Wald der Zukunft
Industriebäume dank Gen-Technik
Die Gen-Technik kann Bäume durchaus mit Eigenschaften ausstatten, die sie von Natur aus nie hätten. So dient zum Beispiel die Pappel als beliebts Versuchsobjekt, da ihr genetischer Code verhältnismäßig einfach ist. Mithilfe von Viren, die als Überträger der Gen-Sequenzen benutzt werden, schleusen Wissenschaftler Erbgut in die Zellen, das etwa das Wachstum der Bäume beschleunigen soll. Das bedeutet mehr Holz in kürzerer Zeit und damit mehr Profit für den Waldbesitzer.
Erdölfirmen investieren in Versuche, die die Effektivität, mit der Bäume Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Luft aufnehmen, noch steigern sollen. Die Logik dahinter: Wenn Bäume mehr CO2 aus der Luft absorbieren, können wir weiterhin guten Gewissens fossile Brennstoffe verfeuern, ohne dass der Treibhauseffekt zunimmt.
Die Papierindustrie ist ebenfalls an den Möglichkeiten der Gen-Technik interessiert. Sie will den Bäumen an die Zellulose. Störend dabei ist das Lignin, das die Stämme hart und "holzig" macht. Lignin muss mit großem Aufwand entfernt werden und auch darunter leidet die Umwelt, denn giftige Chemikalien werden hierfür eingesetzt. Also wäre scheinbar allen gedient, wenn wir die Bäume nur ein bisschen umbauen. Die Industrie gewinnt und gleichzeitig wird unsere Umwelt sauberer.
Industrieplantage Wald
So positiv klingt das Ganze aber höchstens in der Broschüre eines Biotechnologie-Konzerns. Anderswo wird diese Entwicklung mit großer Skepsis betrachtet. Würde der Wald der Zukunft tatsächlich aus solchen Bäumen bestehen, wäre er vielleicht eine industriefreundliche Plantage, aber der Wald als vielseitiger Lebensraum würde verloren gehen. Nur ein Beispiel: Wären plötzlich tatsächlich alle Bäume resistent gegen Schädlinge, die sich in ihre Rinde bohren, dann würde auch den Spechten die Lebensgrundlage entzogen. Schließlich ernähren sie sich von Borkenkäfern und anderen Schädlingen.
Das gesamte natürliche Nahrungsnetz ist noch viel komplexer und sehr viele Tier- und Pflanzenarten sind voneinander abhängig. Ein Glied dieser Kette zu stören, kann sehr weitreichende, ungeahnte Folgen haben. Auch ein Gen-Transfer von modifizierten Bäumen auf andere Arten wäre denkbar. Was, wenn ein Baumpilz ein Gen aufnimmt, das nun auch ihn vor Insektenfraß schützt, und die Pilzart sich dadurch völlig ungehindert ausbreiten kann?
Die Bedenken gegenüber genmanipulierten Bäumen sind umso größer, da Bäume sehr lange leben und sich auch über große Entfernungen fortpflanzen können. Deshalb gibt es auch Bestrebungen, die Pflanzen steril zu züchten, um eine unkontrollierte Verbreitung zu verhindern. Dennoch werden in den USA und in China bereits Gen-Bäume angepflanzt. In Europa dürfte es aber noch einige Jahre daueren, bis die Forschung so weit ist.
Dirk Neumann, Stand vom 09.09.2011







