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Wasserversorgung in Deutschland

Deutschland hat neben Dänemark den geringsten Wasserverbrauch der Industrieländer. Der Grund: Die Versorgung ist vorbildlich. Wir haben eine hohe Wasserqualität, dichte Leitungen und einen vergleichsweise sparsamen Umgang damit. Aber wie kam es dazu, dass bei uns das Wasser so bequem aus dem Hahn fließt?

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Verunreinigtes Trinkwasser

Bis ins 19. Jahrhundert versorgten sich die Menschen mit dem Wasser, das sie täglich brauchten, aus dem nächst gelegenen Brunnen oder aus Flüssen, Bächen und Seen. Das änderte sich in Deutschland mit der Erkenntnis, dass verunreinigtes Wasser schlimme Krankheiten verursachen kann. Der Mediziner und Mikrobiologe Robert Koch konnte 1883 beweisen, dass der von ihm entdeckte Cholera-Erreger über das Trinkwasser transportiert wird. Das war bis dahin in der Wissenschaft bezweifelt worden.

Aufnahme der historischen Schieberhäuschen in Hamburg (Rechte: Imago)

Historische Schieberhäuschen in Hamburg

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Hamburg: Vorreiter in der städtischen Trinkwasserversorgung

In Hamburg wütete 1842 ein Brand, der die Stadt in großen Teilen zerstörte. Beim Wiederaufbau wurde der englische Ingenieur William Lindley damit beauftragt, eine leistungsfähige Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung für Hamburg zu planen. Diese Anlage, die den Namen "Stadtwasserkunst/Hamburger Wasserwerke" bekam, ist mit ihrem dazugehörenden Rohrnetz die älteste zentrale Wasserversorgung Europas. Auf gesundheitliche Aspekte, das heißt die Filtration oder Desinfektion des Wassers, verzichtete man damals allerdings aus Kostengründen, obwohl die Pläne dafür bereit lagen.

Entdeckungen der Wissenschaft

Nicht nur die Entdeckung, dass sich der Mensch mit dem Cholera-Erreger über das Trinkwasser infizieren kann, sondern auch andere neue mikrobiologische und chemische Kenntnisse am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts machten deutlich, dass eine kontrollierte hygienische Trinkwasser-Versorgung notwendig sei. Die Hamburger Wasserwerke entnahmen zu Beginn ohne Aufbereitung das Wasser aus der Elbe. Im benachbarten Altona hatte man schon mit der Filtration des Wassers begonnen. Das Ergebnis war, dass bei der schlimmen Cholera-Epidemie 1892 in Hamburg viele Menschen starben und im benachbarten Altona kaum jemand. Nach diesem Ereignis war die Wasseraufbereitung in Hamburg und in anderen Städten, die nach und nach eine zentrale, städtische Wasserversorgung aufbauten, nicht mehr aufzuhalten. Es wurden eine Vielzahl an physikalischen, chemischen und biologischen Verfahren zur Reinigung des Wassers entwickelt. 1859 hatte die Altonaer Wassergesellschaft nach dem Londoner Vorbild mit der Langsamsandfilterung zur organischen und bakteriellen Reinigung des Wassers begonnen.

Wasserversorgung für die Bessergestellten

In einigen Städten gab es schon seit dem 18. Jahrhundert Wasser für betuchte Bürger. In Karlsruhe etwa wurde 1764 ein Wasserwerk in Betrieb genommen. Eine hölzerne Maschinerie pumpte das Grundwasser aus einem Brunnen in einen darüber erbauten Turm. Von dort fiel es zunächst in eine hölzerne, ab 1776 in eine eiserne Leitung. Dieses frühe Wasserwerk versorgte die Hofbeamten in Karlsruhe mit fließendem Wasser. Auch andere Städte versorgten die Haushalte der besser gestellten Gesellschaft schon früh mit Wasser. Von einer umfassenden Wasserversorgung spricht man aber erst, seit die Mehrheit der Bürger an die Verteilung angeschlossen ist, also seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Pumpen der Aufbereitungsanlage Sipplinger Berg (Rechte: ddp)

Moderne Aufbereitungsanlage

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Kein sauberes Wasser ohne Abwasserklärung

Das Abwasser wurde zu Beginn der Wasserversorgung noch etwas stiefmütterlich behandelt. In Kanälen wurde es zwar von den eng besiedelten Gebieten abgeleitet, floss aber zunächst ungeklärt in die Flüsse, Seen oder in extra für das Abwasser gebaute Gruben. Ende des 19. Jahrhunderts begann man mit ersten Versuchen von Klärverfahren. Sie bestanden meist aus Ansetzanlagen und Bodenfiltern. Die erste Kläranlage wurde 1882 in Frankfurt am Main in Betrieb genommen, doch die Flüsse wurden weiter massiv verschmutzt. Erst in den 1970er Jahren wurden Verfahren etnwickelt, die eine deutlich verbesserte Klärung des Wassers ermöglichten.

Moderne Kläranlagen sind heute dreistufig. Sie nutzen mechanische, biologische und chemische Verfahren zur Abwasserreinigung. Die Verbesserung der Reinigung in den Kläranlagen hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Flüsse und Seen vor dem "Umkippen" bewahrt.

Wer trägt die Verantwortung für unser Wasser?

Die Zuständigkeit für die öffentliche Trinkwasserversorgung und Abwasserversorgung liegt bei den Gemeinden und steht unter Aufsicht der Bundesländer. Die Richtlinien zum Wasser werden zum großen Teil von der Europäischen Union erlassen. Mehr als 99 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen. Der Rest versorgt sich selbst mit Brunnen.

Blaue Wasserleitungen die im Niederrrheinischen Moers verlegt werden (Rechte: dpa/picture-alliance)

Mit der Fernwasserversorgung wurde eine flächendeckende Versorgung möglich

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Wassermangel bis in die 60er Jahre

Trotz der flächendeckenden Versorgung gab es bis in die 1960er Jahre in Deutschland in manchen Gebieten Wassermangel, besonders im Südwesten. Baden-Württemberg hatte in vielen Sommern chronische Wasserprobleme, vor allem im Gebiet der Schwäbischen Alb, wo das Niederschlagswasser im Kalkboden einfach versickerte. Das änderte sich mit dem Ausbau der größten Fernwasserversorgung Deutschlands. Der Bau des Bodenseewasserwerks begann 1954 und die Wasserversorgung wurde kontinuierlich verbessert. Heute werden etwa vier Millionen Menschen in rund 320 Städten und Gemeinden mit Trinkwasser aus dem Bodensee versorgt.

Frau beim Duschen (Rechte: dpa)

Sparsamer Wasserverbrauch?

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Wasserverbrauch und Wasserpreise im europäischen Vergleich

Rund 130 Liter Wasser verbraucht jeder Bundesbürger täglich. Damit liegen wir im europäischen Vergleich an zweitletzter Stelle. Nur in Belgien wird noch weniger Wasser verbraucht. Zu verdanken ist das einem sehr effizienten Wasserkreislauf, der nur sehr wenig Leitungsverluste hat. Außerdem weist Deutschland mit Dänemark im Vergleich mit anderen Industrieländern die höchsten Wasserpreise auf, was dazu führt, dass in diesen Ländern stärker auf eine sparsamere Verwendung des Wassers geachtet wird.

Ana Rios, Stand vom 25.07.2012
Sendung: Weltweite Wassernot - Sitzen wir bald auf dem Trockenen?, 17.10.2011

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