Mars
Im Bann des Roten Planeten
In vielen Mythologien hat der Mars seinen festen Platz. Rötlich am Firmament leuchtend wirkte er vor allem bedrohlich. Rot war das Symbol für Feuer und Blut, für Macht und Aggression - Attribute des griechischen Kriegsgottes "Ares" und des "Mars", des römischen Gottes des Krieges. Jahrhunderte lang hielt sich das Bild vom schrecklichen Roten Planeten. Daran änderten auch die Anfänge der Marsforschung nichts. Sie begann um 1600, als Johannes Kepler intensivere Beobachtungen der Marsbahn anstellte. 1659 beobachtete der Holländer Christiaan Huygens mit einem Teleskop den Mars und zeichnete die erste "detaillierte" Marskarte. Auf ihr ist die Region Syrtis Major zu erkennen. Vermutlich zog Huygens als erster ernsthaft die Existenz von Leben auf dem Mars in Betracht. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts schien der Gedanke nicht abwegig: 1938 versetzte Orson Welles mit seinem Hörspiel "Krieg der Welten" über einen angeblich gerade stattfindenden Angriff von Marsbewohnern auf die Erde Millionen Amerikaner in Panik.
Die ersten Bilder vom Mars
Die Spekulationen fanden erst 1965 ein Ende, als die amerikanische Raumsonde Mariner 4 die ersten Bilder vom Mars zur Erde funkte. Sie zeigten einen trostlosen, kargen Wüstenplaneten - von Wasser und Leben keine Spur. Trotzdem verlor der Mars nichts von seiner Anziehungskraft - weder für die Forschung noch für Hollywood. In "Mission to Mars" konnten Kinobesucher im Jahr 2000 schon mal dramatisch überhöht erleben, wie Menschen ihren Fuß auf unseren Nachbarplaneten setzen. Ein Traum, den Mitte der 1930er Jahre bereits Raumfahrtpionier Wernher von Braun hegte. Doch erst Anfang der 1960er Jahre starteten die ersten Raumsonden in Richtung Mars. 1976 landeten mit Viking 1 und 2 erstmals leistungsfähige Robotersonden sanft auf der Marsoberfläche.
Der steinige Weg zum Mars
Die Erkundung des Mars erwies sich bisher als schwierig. Die erfolgreichsten Missionen der NASA waren die Viking-Sonden (1976-1982), Pathfinder (1997), Mars Odyssey (seit 2001), Mars Global Surveyor (1997-2006), die Marsrover Spirit und Opportunity (seit 2004) und Phoenix (2008). Die Europäische Weltraumagentur ESA verfügt mit Mars Express seit 2003 über einen Satelliten in der Marsumlaufbahn. Diesen Erfolgen stehen aber ähnlich viele Pannen gegenüber. Abgesehen von den Risiken beim Start müssen die Raumfahrzeuge oft weit mehr als 100 Millionen Kilometer durch das All zurücklegen. Viele erreichten den Mars wegen Steuerungsproblemen erst gar nicht, andere verglühten in der Atmosphäre oder zerschellten auf dem zerklüfteten Marsboden. Hunderte Milliarden Dollar verpufften schon - aber Neugier, Hoffnung und Forschergeist haben die Verantwortlichen in den Raumfahrtorganisationen nie verlassen.
Leben auf dem Mars?
Vermutlich waren die Lebensbedingungen auf dem Mars nicht immer so hart wie heute. Man vermutet, dass Erde und Mars zeitweise eine ähnliche Entwicklungsgeschichte durchlaufen haben: geprägt von einem flüssigen inneren Planetenkern, einem Magnetfeld, häufigen Vulkanausbrüchen, einer wärmeren, feuchten Phase, Jahreszeiten und viel Wasser, möglicherweise sogar Meeren - Bedingungen, unter denen sich auch auf dem Mars ehemals einfachstes, mikrobisches Leben entwickelt haben könnte. Indizien für eine von Wasser beeinflusste Umwelt haben Forscher mit Hilfe der Marsrover Spirit und Opportunity gefunden. Die Landesonde Phoenix fand in der Marsarktis wenige Zentimeter unter der staubigen Oberfläche Wassereis. Nicht ausgeschlossen, dass an anderer Stelle noch Spuren von Frühformen des Lebens im Gestein des Mars zu finden sind. Obwohl die Analysemöglichkeiten der Roboterfahrzeuge beachtlich sind, bezweifeln manche Forscher, dass mit ihnen die Suche nach Leben auf dem Mars erfolgreich bestritten werden kann. Sie meinen, der Mensch müsse schon selbst seinen Fuß auf den Roten Planeten setzen, um Gewissheit zu erlangen.
Bemannte Missionen zum Mars?
Wenn man bedenkt, dass von mehr als 30 Marsmissionen bisher nur gut ein Drittel erfolgreich endeten, scheint der Gedanke an eine bemannte Raumfahrt zum Mars noch etwas vermessen zu sein. Das Risiko wäre zurzeit sicher sehr groß. Aber es gibt zumindest schon Planspiele - sowohl bei der NASA als auch der ESA. Ein Start von der Erde aus ist fraglich, denn eine Marsrakete mit umfangreicher Fracht müsste eine enorme Schubkraft entwickeln. Einfacher wäre es, Marsraumschiff, Landemodul, Marsstation, Rückkehrmodul, Treibstoff, Sauerstoffversorgung und wissenschaftliche Ausrüstung mit mehreren Flügen zunächst zur Internationalen Raumstation zu transportieren und dann von dort zu starten. Mit neuen Antriebssystemen ließe sich vielleicht die Flugzeit von derzeit mindestens sechs bis acht Monate verkürzen. Denn für die Astronauten kämen noch die Aufenthaltszeit auf dem Mars sowie die Rückflugzeit dazu. Das ist an sich nicht unmöglich - ISS-Astronauten verbringen ja heute schon Monate in der allerdings größeren und komfortableren Raumstation. Auch die Psyche und gesundheitliche Belastungen (Muskel- und Knochenschwund, hormonelle Störungen) lassen sich sicher in den Griff bekommen. Notwendig wäre ein besserer Schutz gegen die harte Sonnen- bzw. kosmische Strahlung.
Die Bedingungen für eine menschliche Marserkundung sind extrem: Staubstürme, hohe Minusgrade, ungefilterte UV-Strahlung, dazu das Problem der Wasser- und Energieversorgung. Brennstoffzellenkonzepte liegen bereits in der Schublade, die gefundenen Wasservorkommen auf dem Mars sind für eine erfolgreiche Mission immens wichtig.
Für eine Kurzzeit-Mission mit nur wenigen Tagen Aufenthalt bei zudem sehr hohem Energieverbrauch veranschlagt man bei der NASA 505 Tage. 370 Millionen Kilometer (das 1000-fache der Mondentfernung) müssten von den geplanten sechs Astronauten überwunden werden. Und auch die zu transportierende Nutzlast ist nicht unerheblich: Im Vergleich zu den 100 bis 200 Kilogramm Gewicht der Lander bei den aktuellen Missionen rechnet man bei einer bemannten Marsmission mit bis 200 Tonnen Nutzlast.
Mitglieder der Mars Society versuchen in einer Marsstation, die in der Wüste Utahs und im kanadischen Eismeer erprobt wird, schon auf der Erde nachzuempfinden, wie die bemannte Marsmission vor sich gehen könnte. Mehrere Wochen lang sammeln Freiwillige Erfahrungen mit dem Leben auf engstem Raum, sie forschen unter eingeschränkten Bedingungen und absolvieren Ausflüge in nachgebauten Raumanzügen. Bei der NASA beobachtet man die Versuche mit Interesse.
Jochen Zielke, Stand vom 01.06.2009








