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Europas Zukunft im Weltraum

Europa wird in den nächsten Jahren zehn Milliarden in die Raumfahrt investieren - ungeachtet der wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Das hat die Ministerratskonferenz der Europäischen Weltraumorganisation ESA am 25. November 2008 in Den Haag beschlossen. Ganz oben auf der Liste steht die Weiterentwicklung der Trägerrakete "Ariane 5". Das kommerzielle Satellitengeschäft ist hart umkämpft und hier wollen die Europäer konkurrenzfähig bleiben. Außerdem ist ein Satellitensystem zur Klimabeobachtung geplant. Die hochfliegenden Mars-Pläne werden erst einmal heruntergeschraubt - hier muss abgespeckt werden. Der größte Posten fließt in die Internationale Raumstation ISS.

Der ESA-Astronaut Hans Schlegel bei Außenarbeiten an dem angedockten Forschungslabor 'Columbus'. (Rechte: ESA/NASA)

Außenarbeiten am Forschungsmodul "Columbus"

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ISS - Milliardengrab oder Investition in die Zukunft?

2008 feiert die Internationale Raumstation ISS zehnjähriges Jubiläum. Doch der größte Außenposten der Menschheit im All ist noch immer eine Baustelle, und das wird er wohl bis 2010 auch noch bleiben. 120 Milliarden Dollar kostet das Projekt und 2015 droht bereits das Ende - wenn die internationalen Verträge nicht verlängert werden. Für die Europäer wäre das fatal. Nachdem - was schon keiner mehr für möglich gehalten hatte - das europäische Forschungslabor "Columbus" im Februar 2008 an die ISS angeschlossen wurde, gilt es jetzt, das hochmoderne Equipment zu nutzen. Optimisten schwärmen, dass man nun endlich die Forschungsmöglichkeiten auf der ISS richtig "ausbeuten" könne. Bisher allerdings waren im Schnitt nur zwei bis drei Astronauten als Dauerbesatzung auf der ISS anwesend. Zu wenig für effektives wissenschaftliches Arbeiten. Das soll sich in Zukunft ändern. Doch der nächste Engpass droht, wenn die Amerikaner 2010 ihre Shuttle-Flüge einstellen und den Raumgleiter ins Museum schicken. Dann bleiben nur noch die russischen Sojus-Kapseln. Dabei sind Weltraumexperimente durchaus nützlich, zum Beispiel bei der Erforschung des menschlichen Immunsystems oder der genauen Ursachen von Osteoporose. Auch neue Materialien können dort entwickelt werden. Außerdem geht es auch darum, Erfahrungen für bemannte Langzeitmissionen zum Mond und vielleicht später zum Mars zu sammeln.

Grafische Darstellung: das Automated Transfer Vehicle (ATV) Jules Verne der ESA bei seinem ersten Flug zur ISS. (Rechte: ESA/D. Ducros 2007)

"Jules Verne" kurz vor dem Andocken an die ISS

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Taxi ins All

Bisher müssen sich europäische Astronauten immer bei den Amerikanern oder Russen anstellen, wenn sie ins All wollen. Es ist nachvollziehbar, dass Europa einen eigenen Zugang zum Weltraum will und ein erster Schritt dazu ist bereits getan. Mit dem ATV (Automated Transfer Vehicle) hat die ESA bewiesen, dass sie den Transport ins All beherrscht - 7,5 Tonnen Nutzlast bringt "Jules Verne" im April 2008 zur ISS. Den Weg dorthin findet das ATV mit einem vollautomatischen Navigationssystem. Technisch ist der Weltraumfrachter das Beste, was es im Moment gibt. Allerdings kann das ATV bis jetzt nicht zur Erde zurückkehren. 350 Millionen Euro verglühen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Die ESA plant daher eine Weiterentwicklung in zwei Stufen: Zunächst soll der Raumtransporter rückkehrfähig gemacht werden. Das würde zum Beispiel die Möglichkeit eröffnen, Experimente an Bord der ISS automatisiert ablaufen zu lassen und sie am Boden auszuwerten. Das spart Personal und Geld. In einem weiteren Schritt will man das Raumschiff zu einer bemannten Version ausbauen. Das würden auch die Amerikaner gerne sehen - schon aus Sicherheitsgründen. Bis der Nachfolger des Shuttle-Programms einsatzfähig ist, wird eine Lücke entstehen, in der nur die russischen Sojus-Kapseln als Rückkehrmöglichkeit zur Verfügung stehen. In einem Notfall wäre man damit auf der ISS schlecht dran.

Grafik des Rovers der 'ExoMars', welcher sich auf dem Mars mit seinem Bohrer in den Untergrund arbeitet. Der Untergrund ist dabei angeschnitten, so dass ein Blick auf den Bohrer im Gestein möglich ist. (Rechte: ESA/AOES Medialab)

Der Bohrer soll bis zu zwei Meter in den Untergrund vordringen

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Mars macht mobil

2016 will die ESA wieder Kurs auf den roten Planeten nehmen. Nachdem die Sonde "Mars Express" schon seit 2003 erfolgreich den Mars kartografiert, seine Oberfläche und Atmosphäre erforscht, möchte man mit der "ExoMars"-Mission auf dem Marsboden "Fuß fassen". Das hatte man zwar auch schon bei "Mars-Express" vor, doch das Landegerät "Beagle 2" wurde beim Auftreffen auf die Marsoberfläche vermutlich so stark beschädigt, dass kein Kontakt mehr zustande gekommen ist. Bei "ExoMars" soll ein Fahrzeug mit eingebautem Labor Marsgestein untersuchen und nach Spuren von Leben suchen. Dafür ist das Vehikel mit einem Bohrgerät ausgestattet, mit dem man bis zu zwei Meter tief bohren kann. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Lebensformen nicht an der Oberfläche, sondern darunter zu finden sind - falls es welche gibt. Ein interessantes Vorhaben, doch die Finanzierung steht noch nicht ganz. Für das eine Milliarde Euro teuere Projekt will ESA-Chef Jean-Jacques Dordain deshalb mit den USA und Russland über eine Beteiligung verhandeln.

Grafische Darstellung der 'SMART-1'-Mission, welche September 2003 startete und den Mond am 15.11.2004 erreichte. Die Sonde umkreiste den Mond und testete dabei zahlreiche neu entwickelte Instrumente. Die erfolgreiche Mission endete mit dem Absturz der Sonde auf dem Mond am 3.09.2006. (Rechte: ESA/AOES Medialab)

Die Mondmission SMART-1 der ESA

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Mondsüchtig

Seit den Apollo-Missionen hat sich niemand mehr so richtig für den Erdtrabanten interessiert - er war schlicht "out". Doch seit einigen Jahren erlebt Luna eine unglaubliche Renaissance. Amerikaner, Russen, Japaner, Inder und Chinesen - alle wollen zum Mond, und es scheint, als habe wieder ein Wettlauf dorthin begonnen, wie es ihn in den 60er Jahren zwischen den USA und der Sowjetunion schon einmal gegeben hat. Sogar eine Mondstation ist im Gespräch. Man will nach Rohstoffen und Wasser suchen und Teleskope für die Astronomie bauen. Eine bemannte Mission zum Mond bis 2020 scheint sehr viel realistischer als eine Reise zum Mars in wenigen Jahrzehnten. Aber der Mond könnte eine Zwischenstation auf dem Weg dorthin sein. Die Europäer wollen bei der "Mond-Rallye" dabei sein, nur ist noch nicht so ganz klar, wie. Zunächst soll eine Studie über eine Mondlandung angefertigt werden, bei der ein Roboter zum Einsatz kommt. Es könnte aber genauso gut sein, dass sich die ESA an einem Projekt der Amerikaner oder Russen beteiligt. Auf jeden Fall wollen die Europäer zeigen, dass sie technologisch zur Spitze der Raumfahrtnationen gehören und in dieser "Liga" mitspielen können.

Harald Brenner, Stand vom 01.06.2009

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Collage aus Bildmotiven zum Thema Mond (Rechte: dpa)

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