Zurück zum Mond?
Aufbruchstimmung
Plötzlich ist sie wieder da, die Aufbruchstimmung der 60er Jahre. Damals hatte US-Präsident John F. Kennedy das Weltraum-Wettrennen eröffnet. Am 25. Mai 1961 erklärte er in seiner berühmten Rede vor dem amerikanischen Kongress: "Ich glaube, diese Nation sollte sich dem Ziel verschreiben, vor Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn sicher zur Erde zurückzubringen." In einem beispiellosen Kraftakt erreichten die Amerikaner ihr Ziel - der Erzrivale Sowjetunion verlor das Rennen.
Jetzt ergreift eine weitere Nation die Initiative: China ist seit dem ersten bemannten Flug einer "Shenzhou"-Raumkapsel im Oktober 2003 das dritte Mitglied im exklusiven Klub der Nationen, welche die Technik der bemannten Raumfahrt beherrschen. Und im Reich der Mitte weiß man offenbar ganz genau, was man in Zukunft noch erreichen will: Auch China zieht es zum Mond. Dazu hat das asiatische Riesenreich ein dreistufiges Programm entwickelt, das im Oktober 2007 mit der erfolgreichen Entsendung der Sonde "Chang'e 1" in einen Mondorbit seinen Anfang nahm. Der Auftrag der Sonde: Daten zur Topografie, zur Verteilung chemischer Elemente und zu den Strahlungsverhältnissen zu sammeln. Die weiteren Schritte des Mondprogramms sehen die Landung eines Rovers vor, und für 2011 bis 2020 ist eine Mission angedacht, bei der Bodenproben gesammelt und zur Erde transportiert werden sollen. Die Ziele dieses Programms: Die Energie- und Mineralressourcen des Mondes und deren Nutzungspotenzial besser zu verstehen sowie mögliche Nutzungen der einzigartigen Umweltbedingungen (zum Beispiel das hohe Vakuum, das fehlende Magnetfeld, die stabile geologische Struktur) zu erkunden und Standorte für eine Mondbasis ausfindig zu machen.
Nutzungsmöglichkeiten des Mondes
Von einer Nutzung des Mondes würde auch die Astronomie profitieren. So schlägt Paul Lowman vom Goddard Space Flight Center der Nasa vor, am Südpol ein unbemanntes Observatorium zu errichten. Ein geeigneter Standort für die Teleskope sei das Gelände nördlich des Shackleton-Kraters, das fast permanent im Schatten liegt. Die Temperaturen entsprechen ungefähr denen von flüssigem Stickstoff (minus 196 Grad Celsius), so dass die ansonsten erforderliche aufwändige Kühlung der Teleskope entfallen könnte.
Internationale Kooperation braucht es für einen Vorschlag der Russen, nämlich dem Bau einer Station zur Identifikation und Abwehr gefährlicher Asteroiden. Diese Station soll mit Solarenergie betrieben werden und aus einem Teleskop und einem starken Laser bestehen. Wenn ein Asteroid beobachtet wird, der sich auf Kollisionskurs mit der Erde befindet, könnte er, so Viacheslav Ivashkin vom Moskauer Institute of Applied Mathematics, mithilfe des Lasers von seiner Bahn abgelenkt oder zerstört werden.
Leben auf dem Mond?
Jack Green, Geologe an der California State University, Long Beach, glaubt sogar, dass auf dem Mond Vorstufen des Lebens entstanden und in geringen Mengen noch nachweisbar sein könnten. Das hänge vom Ausmaß der vulkanischen Aktivität in der Vergangenheit auf dem Mond ab, über die bislang noch wenig bekannt ist. Die Suche nach solchen Lebensspuren sei in den permanent schattigen Regionen an den Polen besonders aussichtsreich. Richtig lebendig wird es auf dem Mond aber erst werden, wenn wieder Menschen dorthin fliegen.
Bei aller Euphorie der Wissenschaftler - die Wiederentdeckung des Mondes entspringt wohl hauptsächlich der Einsicht führender Raumfahrtagenturen, aus der Not sinkender Finanzen eine Tugend machen zu müssen. Bei Mondmissionen lassen sich relativ kostengünstig neue Techniken erproben, die später zu längeren Reisen ins All genutzt werden könnten. So wäre die Wiederentdeckung des Mondes eher ein Sprungbrett für spätere Missionen zum Mars oder Merkur.
Harald Brenner, Stand vom 01.06.2009







