Steckbrief Biber
Ganz schön groß...
...ist so ein Biber. Nur das südamerikanische Wasserschwein ist in der Nagerfamilie noch größer. So belegt der Biber im Größenwettbewerb immerhin Platz zwei der Weltrangliste. Europaweit ist er die Nummer eins! Biber können eine Körpergröße bis über 130 Zentimetern erreichen und bringen bis zu 30 Kilogramm auf die Waage. Also in etwa vergleichbar mit einem Reh.
Wasser ist sein Element
An Land wirkt der Biber eher plump. Dagegen ist er hervorragend an das Leben im Wasser angepasst: torpedoförmige Körperform, Schwimmhäute an den Hinterfüßen, extrem dichtes und Wasser abweisendes Fell, das mit einer speziellen "Putzkralle" immer gut durchgekämmt wird. Wie beim Nilpferd liegen Nase, Augen und Ohren hoch oben am Kopf auf einer Linie, sodass beim Schwimmen nur wenige Prozent vom Biber aus dem Wasser ragen. Der beschuppte, abgeplattete Schwanz, der auch als Fettspeicher und zur Wärmeregulation dient, wird zum Steuern verwendet. Bisweilen auch - kräftig aufs Wasser geklatscht - als Warnsirene für Artgenossen. Im Extremfall hält es der Biber bis zu 20 Minuten unter Wasser aus!
Helles Köpfchen
Biber sind schlau - gestalten ihren Lebensraum aktiv, bauen Burgen und Dämme, mit denen sie den Wasserstand regulieren, damit der Eingang zur Behausung immer unter Wasser bleibt. Für solche wasserbaulichen Ingenieursleistungen (Biberdämme und -burgen überdauern bisweilen mehrere Jahre), muss man vorausschauend denken können, sozusagen "einen Plan haben". Beispielsweise merkt der Biber sofort, wenn mit dem Wasserstand etwas nicht mehr stimmt. Er ortet dann die schadhafte Stelle im Damm und dichtet sie wieder mit Schlamm und Pflanzenteilen ab. Für den Winter konstruiert er aus Ästen und Zweigen "Nahrungsflöße", die auch bei geschlossener Eisdecke unter Wasser vom Wohnbau aus erreicht werden können. Weil der Biber so schlau ist, hat man seine liebe Not damit, ihn auszutricksen. Man muss sich schon etwas einfallen lassen, wenn man sich auf ein “geistiges Wettrüsten“ mit ihm einlässt...
Biberzähne - ein echtes Werkzeug (0'53'')
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Starker Biss
Baumstämme bis zum Umfallen benagen - eine typische Biberspezialität. Ein dünnes Stämmchen von bis zu zehn Zentimetern Durchmesser schafft der Biber in nur einer Nacht. Dickere Stämme bewältigt er in mehreren Etappen. Möglich ist diese Höchstleistung durch eine ausgeprägte Kiefermuskulatur und die charakteristischen, tief im Kiefer verankerten wurzellosen Schneidezähne, die ständig nachwachsen. Die orangefarbene Vorderseite der Zähne besteht aus einer dünnen, extrem harten Schmelzschicht, dahinter liegt eine breitere und weichere Schicht. Beim Nagen nutzen sich diese Schichten unterschiedlich schnell ab. Die Zähne schleifen sich dabei von selbst messerscharf.
Heilkräftiges Bibergeil
Bibermännchen und übrigens auch die Weibchen markieren ihr Revier mit einem markanten Drüsensekret - dem Bibergeil. Es enthält Salicylsäure, eine Substanz, die schon seit Jahrhunderten für ihre fiebersenkende und schmerzstillende Wirkung bekannt und auch heute noch - allerdings synthetisch hergestellt - in diversen Kopfschmerzpräparaten enthalten ist. Das heilkräftige Bibergeil, das früher auch als Potenz steigerndes Mittel angepriesen wurde, war mit ein Grund, weshalb der Biber gnadenlos bejagt und beinahe vollständig ausgerottet wurde. In seiner natürlichen Form findet es heute noch Anwendung in der Homöopathie und in der Parfümherstellung.
Susanne Decker, Stand vom 25.04.2012
Sendung: Bären, Wölfe und Biber - Misstrauisch beäugte Rückkehrer, 26.04.2012
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