Biberkonflikte lösen - die Tricks der Bibermanager
Biberschäden in der Landwirtschaft
Für Landwirte können sich Biberschäden sogar zum existenziellen Problem auswachsen. Da ist aufkeimender Zorn verständlich. Aber Vorsicht! Bei jeglichem Eingriff in die Bibersphäre gilt: nur den Experten ranlassen! Auch wenn der Ärger groß ist und man sich am liebsten gleich selbst mit der Schippe zu schaffen machen würde: Man macht sich damit strafbar, denn das Tier steht unter strengem Schutz. Glücklicherweise gibt es Bibermanager. Sie sind mit Rat und Tat zur Stelle, wenn es mal wieder heißt: Biberalarm! Wir stellen Ihnen einige ihrer Tricks vor.
Uferrandzonen-Puffer
Vor allem wenn Ackerflächen direkt an einen Flusslauf angrenzen, in dem sich ein Biberrevier befindet, sind Konflikte vorprogrammiert. Das Ärgernis: angenagte Maiskolben oder ausgezupftes Wurzelgemüse. Dabei ist die Lösung so simpel wie wirkungsvoll. Der Biber bewegt sich bei der Suche nach Futter nur selten mehr als 20 Meter über den Uferrand hinaus. Richtet man in diesem Rahmen eine "Pufferzone" ein, so wird der Biber nur dort an Rinden und Kräutern nagen und die Feldfrüchte einfach "links liegen lassen".
Drainagerohr
Hat der Biber sich einen Damm gebaut, und der daraufhin entstandene Stausee flutet zum Beispiel einen angrenzenden Acker, nützt es nichts, den Damm einzureißen oder einfach ein Loch hineinzubohren (auch das dürfte nur der Experte mit Genehmigung machen). Man muss den Biber austricksen. Eine wirkungsvolle Methode ist zum Beispiel das Absenken des Wasserspiegels mit einem Drainagerohr. Dabei darf der Wasserstand nicht unter die "Biber-Schmerzgrenze" (80 Zentimeter Wassertiefe) absinken, sonst würde das Tier energisch weiterstauen. Damit der Biber das Drainagerohr nicht mit dem gesunkenen Wasserstand in Verbindung bringt, muss es lang genug sein. Wichtig ist die regelmäßige Nachkontrolle, denn falls der Biber den Drainagetrick doch durchschaut, wird er den künstlichen Wasserablauf kurzerhand mit Schlamm und Blattwerk stoppen.
Knabberbarrieren
Die Natur hat kein Problem damit, wenn der Biber Bäume fällt. Die Weide - das bevorzugte Knabbergehölz - hat sogar einen entscheidenden Vorteil. Sie treibt - einmal zu Fall gebracht - zum Beispiel extrem schnell wieder aus und profitiert vom Auencharakter eines Biberreviers. Wenn der Biber allerdings - statt in der Natur -beispielsweise in historischen Parkanlagen werkelt, wie unlängst im Englischen Garten, ist Ärger vorprogrammiert! Wertvollen Baumbestand kann man mit Nagebarrieren wie kleinmaschigem Drahtgitter oder sogenannten "Vergrämungsmitteln", denen Quarzsand beigemischt ist, schützen. Beim Nagen knirscht es dem Biber dann unangenehm zwischen den Zähnen...
Elektrozaun
Was Kühe in Grenzen hält, funktioniert auch beim Biber. Auch sein dicker Pelz schützt nicht vor einem unangenehmen Strombitzeln. Mit einem Elektrozaun kann man an Uferzonen angrenzende Ackerflächen oder Privatgrundstücke vor Biberschäden schützen oder auch verhindern, dass sich der Biber an problematischen Stellen ansiedelt.
Ablenken und umleiten
Ist ein Baum im Biberrevier erst einmal gefällt, sollte man ihn mindestens bis zum nächsten Frühjahr liegen lassen. Für den Biber ist der Baum ein Futterreservoir - wird er entfernt, wird am nächsten Baum genagt. Gerne nimmt der Biber auch Äste und Zweige von Gehölzschnitten, die man meist wirkungsvoll zur Ablenkfütterung anbieten kann. Beginnt der Biber damit, sich ein neues Revier an einer brisanten Stelle einzurichten, besteht manchmal auch die Möglichkeit, ihn "umzuleiten", ihm woanders ein attraktives Alternativangebot einzurichten. Der Biber wird sich nach eindringlichem Begutachten möglicherweise überzeugen lassen...
Im Extremfall: Falle
Helfen alle diese Maßnahmen nichts - oder gibt es keine Möglichkeit, sie einzusetzen, muss als Notlösung und letzte Alternative die Biberfalle eingesetzt werden. Wenn der Biber dann Glück hat, wird er an anderer Stelle wieder ausgesetzt. Zum Beispiel im Rahmen eines internationalen Wiederansiedlungsprojektes.
Susanne Decker, Stand vom 25.04.2012
Sendung: Bären, Wölfe und Biber - Misstrauisch beäugte Rückkehrer, 26.04.2012
Verwandte Themen bei Planet Wissen
- Der Biber - geliebt und gejagt
-
Ohne den Biber gäbe es Kanada in seiner heutigen Form vielleicht gar nicht. Das begehrte Fell lockte die Entdecker und Einwanderer aus Europa an. Da wundert es nicht, dass er zum kanadischen Nationaltier erkoren wurde, sein Bild sogar die Fünf-Cent-Münze ziert. Doch seine Beliebtheit wäre ihm fast zum Verhängnis geworden.
- Baumeister mit Kelle
-
Sein wichtigstes Werkzeug hat das drittgrößte Nagetier der Welt immer dabei: Die langen, scharfen Schneidezähne dienen als Holzsäge, mit denen der Biber Baumstämme fällen und in kleinere Stücke zerlegen kann. Das Holz nutzt er nicht nur als Baumaterial für seinen Bau, sondern auch als Nahrungsmittel.










