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Interview: Wüstenforscher

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Interview: "Die Wüste verzeiht keine Fehler"

Wüstenforscher sind seltsame Menschen. Eigentlich könnten sie gemütlich in der Eifel oder im Teutoburger Wald forschen. Sie aber zieht es immer wieder in die unwirtlichsten Gegenden unseres Planeten. Monatelang bereiten sie sich akribisch auf ihre Forschungsfahrten vor. Und doch lauert jeden Tag Unvorhersehbares auf sie. Jede einzelne Expedition kann von einem Moment auf den anderen lebensgefährlich werden.

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
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Die Sahara (3'18'')
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Dr. Stefan Kröpelin ist Geoarchäologe, und er war schon in allen Wüsten dieser Erde. Seit über 30 Jahren fährt er in die Sahara und untersucht dort die Klimageschichte unseres Planeten. Im Laufe der Jahre hat er auf seinen Expeditionen auch viele richtig gefährliche Momente erlebt und gemeistert. In einem lebendigen und spannenden Gespräch erzählt er bei Planet Wissen davon.

Planet Wissen (PW): Herr Kröpelin, Sie bereiten sich monatelang auf jede einzelne Expedition vor. Können Sie sich dabei auch auf alle möglichen Gefahren vorbereiten?

Dr. Stefan Kröpelin (S.K.): Nein, natürlich nicht! Jede Expedition ist selbst nach langer Vorbereitungszeit immer ein Wagnis. Eigentlich ungefährliche Erkrankungen oder simple Verletzungen können fernab jeder Zivilisation schnell lebensgefährlich werden. Normalerweise ist in der Wüste schon ein entzündeter Blinddarm eine Katastrophe, weil man mindestens eine Woche braucht, um in eine halbwegs vertretbare Klinik zu kommen. Oder der Biss einer Schlange oder der Stich eines Skorpions können unbehandelt zum Tod führen. Selbst eine harmlose Autopanne kann verheerende Auswirkungen haben und nicht nur das Ende der Expedition bedeuten.

Kopf einer Hornviper. (Rechte: Imago)

"Man darf nicht leichtsinnig werden."

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PW: Aber das klingt ja, als könnte alle naselang etwas Lebensgefährliches passieren. Und Sie machen es trotzdem jedes Jahr wieder. Spielen Sie denn absichtlich mit Ihrem Leben? Wären Sie sogar bereit, für eine spektakuläre Entdeckung zu sterben?

S.K.: Nein, um Gottes Willen, natürlich nicht! Ich bin definitiv kein Draufgänger. Ich würde zum Beispiel nie einen Bungee-Sprung machen. Aber es kann immer etwas Unkalkulierbares passieren. Ein Restrisiko besteht dort nun mal eben. Aber dieses bestehende Risiko ist noch viel, viel geringer, als wenn man jeden Tag von Köln nach Frankfurt mit 160 auf der Autobahn fährt.

Mit einer gründlichen und guten Vorbereitung kann man viele Risiken minimieren. Und wenn man in der Wüste aufpasst, dann kann man den Gefahren dort aus dem Weg gehen. Man darf nur nicht leichtsinnig werden. Man muss sich immer klar sein: Die Wüste verzeiht keine Fehler. Aber bisher hatten wir auch Glück, dass nie etwas Ernsthaftes passiert ist.

Zerstörter Panzer in der Wüste. (Rechte: Mauritius)

In vielen Regionen der Sahara gibt es bewaffnete Konflikte

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PW: Anscheinend war es aber auch schon das ein oder andere Mal ganz schön knapp?

S.K.: Ja, das kann man wohl sagen. Ich erinnere mich an eine Situation, die echt ins Auge hätte gehen können. Wir fahren mit unseren Autos durch die Sahara, irgendwo im Grenzgebiet zwischen dem Sudan und dem Tschad. Auf einmal sehen wir in der Ferne schwer bewaffnete Männer in Zivil. Wir konnten also nicht wissen, auf welcher Seite die standen. Wenn das Rebellentruppen aus dem Tschad gewesen wären - na, gute Nacht.

Das Problem war: Wir konnten nicht mehr umdrehen, denn die Männer hatten uns ja auch schon längst gesehen. Und wenn wir dann die Flucht ergriffen hätten, dann hätten die uns vielleicht für Spione der Gegenseite gehalten und einfach losgeschossen. Also sind wir ganz langsam auf sie zugefahren. Irgendwann habe ich dann angehalten und bin die letzten hundert Meter zu Fuß gegangen. Ohne zu wissen, was passieren wird. Wir hatten zufällig ein Kamerateam dabei und hinterher auf den Aufnahmen hört man, wie jemand im Auto sagt: "Was macht der denn? Warum geht der da hin? Ich habe Schiss, Mann!" Und das war auch wirklich alles andere als ungefährlich.

Zum Glück hat sich dann herausgestellt, dass es Soldaten aus dem Sudan waren. Keiner weiß, was passiert wäre, wenn ich vorher mit dem Auto umgedreht wäre oder die Männer Rebellen aus dem Tschad gewesen wären. Aber wahrscheinlich würde ich dann jetzt nicht hier sitzen. Insgesamt wird es von Jahr zu Jahr schwieriger. Es gibt leider immer  mehr Überfälle, bewaffnete Konflikte, Landminen und Entführungen. Wir müssen wohl einsehen, dass es nur noch ganz wenig Ecken gibt, in denen nichts passieren kann.

Ein Skorpion in Angriffstellung. (Rechte: Mauritius)

Der Stich eines Skorpions kann tödlich sein

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PW: Sie haben vorhin schon einmal kurz erwähnt, wie gefährlich Skorpione und Schlangen sein können. Ist es nicht eher unwahrscheinlich, ein solches Tier in den Weiten der Wüste irgendwo aufzustöbern?

S.K.: Die Regel ist ganz einfach: Pass immer auf und sei immer so vorsichtig, wie es nur geht. Es gibt selbst in den Weiten der Wüsten, wie Sie so schön sagen, die absurdesten Situationen. Vor ein paar Jahren haben wir mal einen alten ausgetrockneten Brunnen gefunden. Für einen Geoarchäologen wie mich ist das natürlich ein Traum. Ich habe mich dann da von meinen Kollegen abseilen lassen. Und auf einmal, ich weiß bis heute nicht woher, kam da ein Skorpion in dem Brunnen angeschossen. Aber der hat sich wahrscheinlich genauso erschrocken wie ich. Ich jedenfalls fand die Situation so absurd, dass ich nur lachen konnte. Obwohl es auch hier ganz schön knapp war.

Mehrere Männer versuchen, ein Auto aus dem Sand zu befreien. (Rechte: Mauritius)

Das kleinste Missgeschick kann verheerende Folgen haben

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PW: Sie erzählen uns hier so lächelnd von giftigen Tieren und schwer bewaffneten Soldaten. Und doch haben Sie am Anfang behauptet, eine Fahrt von Frankfurt nach Köln mit dem Auto sei gefährlicher. Hinkt der Vergleich nicht ein bisschen?

S.K.: Nein, überhaupt nicht. Die Geschichten, die ich gerade erzählt habe, sind natürlich besonders heikel. Aber die größte Gefahr auf einer solchen Expedition droht immer durch einen Autounfall. Man kann immer mal mit dem Jeep eine Düne runterfallen. Wenn man dann Pech hat, überschlägt sich das Auto und ist kaputt. Deswegen muss man eben immer aufmerksam und vorsichtig sein. Da draußen kann einem keiner helfen.

Manchmal ist es auch einfach nur Bruder Leichtsinn. Ich sage zum Beispiel immer, meine Kollegen sollen keine Sandalen anziehen. Manche machen das aber trotzdem. Und dann geht es schon mal ganz fix: Das Auto fährt sich fest. Alle Mann raus. Wir buddeln dann spezielle Bleche unter die Reifen, damit sie wieder Halt haben. Wenn dann so ein messerscharfes Blech mal auf einen fast nackten Fuß geschleudert wird… Der Verlust von viel Blut ist gerade in der Wüste besonders tragisch.

PW: Sind Ihre Expeditionen denn durch Erfindungen wie das Global Positioning System (GPS) oder das Satellitentelefon sicherer geworden?

S.K.: Nur unwesentlich. Du bist ja trotzdem noch ewig weit weg von irgendeiner Siedlung, aus der vielleicht Hilfe kommen könnte. Dank GPS kann man sich heute eigentlich fast nicht mehr verfahren. Das macht es natürlich viel leichter, nimmt aber auch etwas an Spannung, Romantik und Abenteuer. Und trotz der modernen Technik - retten könnte uns wahrscheinlich trotzdem niemand. Im günstigsten Fall könnten wir noch die Koordinaten unseres Todes übermitteln.

Silvio Wenzel, Stand vom 24.11.2009
Sendung: Wüstenforscher - Abenteurer im Dienste der Wissenschaft, 25.11.2009

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