Die Berliner Mauer
Deutsch-deutsche Grenze
Seit 1952 hatte die Führung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) die sowjetische Besatzungszone zum Westen hin abgeriegelt. Die Grenzlinie hatte eine fünf Kilometer tiefe Sperrzone und reichte mit fast 1400 Kilometern von Bayern bis an die Ostsee. Die innerdeutsche Grenze teilte Siedlungen und Landschaften, zerschnitt Straßen und Eisenbahnlinien, sie prägte das Leben von Millionen Menschen. Für den Verkehr zwischen der Bundesrepublik und der DDR und Berlin waren nur noch sechs Eisenbahnübergänge und fünf Straßen- beziehungsweise Autobahnübergänge offen. In und um Berlin wurden 200 Straßen gesperrt, 77 blieben übrig, die Telefonverbindungen in den Westteil der Stadt wurden gekappt. Aus der unmittelbaren Nähe der Grenze wurden die Bewohner zwangsumgesiedelt. Trotzdem war Berlin immer noch Schlupfloch für waghalsige Flüchtlinge. Mit dem Bau der Mauer wurde es gestopft.
13. August 1961: Der Mauerbau beginnt
Noch im Juni 1961 erklärte Walter Ulbricht öffentlich: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!" Dabei dachte der Chef der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) längst daran, Ost-Berlin gegenüber dem Westen der Stadt abzuschotten. Die Zustimmung aus Moskau kam allerdings erst Anfang August. In der Nacht vom 12. zum 13. August versperrten Volkspolizei, Betriebskampfgruppen und Nationale Volksarmee (NVA) die durch Berlin verlaufende Sektorengrenze mit Stacheldrahtverhauen und Steinwällen. In den folgenden Tagen und Monaten entstanden zwischen Ost- und West-Berlin eine 46 Kilometer lange Mauer und schließlich um ganz West-Berlin befestigte Grenzanlagen auf einer Strecke von insgesamt gut 155 Kilometern. Die Bevölkerung konnte nun nicht mehr aus einem Teil der Stadt in den anderen.
Zögern im Westen, Jubel im Osten
Die Berliner waren fassungslos; die internationalen Reaktionen eher verhalten. Die Westmächte protestierten kaum, ihr freier Zugang nach West-Berlin war nicht gefährdet. Nur General Clay, als amerikanischer Sonderbotschafter in der Stadt, ließ Panzer auffahren. Er wollte wissen, ob man es nur noch mit dem Ulbrichtregime oder nach wie vor mit Moskau zu tun hat. Als auf der anderen Seite sowjetische Panzer heran rollten, war die Sache klar.
Die politische Führung der DDR feierte den Bau der Mauer - in der Sprache der SED-Propaganda "antifaschistischer Schutzwall" - als "Sieg des sozialistischen Lagers" über den westlichen Imperialismus. Im Wesentlichen ging es der DDR-Führung darum, den Flüchtlingsstrom zu stoppen, denn bis zum Mauerbau hatte die DDR jedes Jahr Hunderttausende ihrer Bürger an den Westen verloren.
Fluchtversuche und Todesschüsse
Die Betonmauern, Gräben, Laufanlagen für abgerichtete Wachhunde, Wachtürme und Schützenstellungen machten die "Staatsgrenze" fast unüberwindlich. Mindestens 235 Menschen kamen bei dem Versuch, in den Westen zu gelangen, ums Leben. Viele versuchten dennoch ihr Glück, nicht selten in spektakulären Mauerfluchten.
9. November 1989: Öffnung der Mauer
Die erhoffte politische und wirtschaftliche Stabilität, die die DDR-Führung unter anderem mit der Abriegelung der Grenzen erreichen wollte, brach Ende der 80er Jahre zusammen. In Moskau war Michail Gorbatschow an die Macht gekommen und versuchte, Staat und Regierungsapparat zu modernisieren. Unter den Schlagworten "Glasnost" (zu deutsch "Offenheit", "Transparenz") und "Perestroika" (zu deutsch "Umbau", "Umgestaltung") reformierte er die Sowjetunion und damit den gesamten Warschauer Pakt. Die DDR-Führung verlor den Rückhalt der Sowjetunion. In allen großen Städten protestierten die Menschen für ihre Freiheit. Eine Fluchtwelle über Ungarn und die Tschecheslowakei spitzte die Lage zu. Am 18. Oktober 1989 setzte das SED-Zentralkomitee den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker ab. Dennoch kam die Grenzöffnung am Abend des 9. November 1989 für alle überraschend. Die Mauer fiel. Die "Wende" war nicht mehr aufzuhalten. An jenem Abend stürmten Tausende die Grenzübergänge und feierten das "Wunder von Berlin".
Heute sind die Spuren der Mauer aus der Landschaft und dem Berliner Stadtbild weithin verschwunden. Pflastersteine am Brandenburger Tor erinnern an ihren Verlauf. An manchen Stellen wurden Denkmäler errichtet und man kann verschiedene Gedenkstätten besuchen.
Natalie Muntermann, Stand vom 09.11.2009
Sendung: Das neue Berlin - Spurensuche in der Hauptstadt, 09.11.2009






