Literatur & Co.
Bücher
Grenzland
Ein Insider-Roman über die Verhältnisse bei den Grenztruppen der DDR Ende der 80er Jahre. Zugrunde liegt ein Grenzzwischenfall, der sich ausgerechnet während des ersten Honecker-Besuches bei Helmut Kohl im September 1987 ereignete. Zu dieser Zeit durfte nicht geschossen werden. Die DDR-Grenzsoldaten, offiziell auf den "Angriff des imperialistischen Klassenfeindes" aus dem Westen eingestellt, in Wahrheit natürlich gegen Flüchtlinge, erleben den unwahrscheinlichen Fall eines "Grenzdurchbruches" von Westen: Ein Betrunkener erklimmt nach einer Wette den Zaun und tappt unversehrt und unentdeckt durch die Sperranlagen. Das Buch ist witzig geschrieben, bitterböser Sarkasmus macht das Lesen zum spannenden, kurzweiligen Genuss.
Die Grenze durch Deutschland. Eine Chronik von 1945 bis 1990
Der Autor erzählt die Geschichte der deutsch-deutschen Grenze anhand eines einzigen Ortes: Probstzella in Thüringen. Ein paar hundert Meter hinter dem Ort verlief über 40 Jahre die Grenze zu Bayern. In dem vielfach gelobten Buch kommen viele Zeitzeugen zu Wort, darunter auch Wachsoldaten, Anwohner und Flüchtlinge. Ein spannendes Stück deutsche Zeitgeschichte.
Deutsche Gerechtigkeit
Einige Befehlsgeber aus den Grenztruppen der DDR mussten sich vor Gericht verantworten, auch einige Todesschützen. Letztere erhielten überwiegend Bewährungsstrafen, egal ob sie sich reumütig zeigten, auf den Befehlsnotstand verwiesen oder nur die Schultern zuckten. Ihre Vorgesetzten gaben sich meist selbstbewusst und überzeugt, nur das Recht eines Staates auf Unversehrtheit seiner Grenzen verteidigt zu haben. Grafe stellt ihnen das Schicksal der ums Leben gekommenen Flüchtlinge und ihrer Angehörigen gegenüber. Ein ehemaliger Politoffizier der Nationalen Volksarmee (NVA), der in den 90er Jahren beim Bundesgrenzschutz Karriere machte, versuchte, das Buch verbieten zu lassen. In zweiter Instanz scheiterte er.
Weit ist der Weg nach Zicherie
Über mehrere Jahre hat Heinrich Thies intensiv recherchiert. Entstanden ist ein journalistischer Bericht über Menschenschicksale in der 40-jährigen Geschichte zweier Nachbardörfer auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze, die nur einige hundert Meter voneinander entfernt lagen. Böckwitz in Sachsen-Anhalt und Zicherie in Niedersachsen erlebten als "geteiltes Dorf" die Erschütterungen und Tragödien der Teilung sowie die Öffnung der Grenze.
Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk
Ein von Jürgen Ritter reich bebilderter und von Peter Joachim Lapp sachkundig kommentierter Überblick über die Geschichte und Geografie der innerdeutschen Grenze. Ritter hat im Laufe von drei Jahrzehnten eine enorme Sammlung von Fotos erstellt; besonders die Gegenüberstellungen von Grenzanlagen in den 80er Jahren mit Bildern aus neuerer Zeit sind überraschend. Sie wecken die Lust, sich auf den inzwischen gut erschlossenen touristischen Routen von der Ostsee über die Elbe und den Harz bis in die Rhön selbst zu überzeugen, wie sich Stadt und Land verändert haben.
Todesautomatik
Das DDR-Regime wollte es um keinen Preis zugeben: Seit Anfang der 70er Jahre wurden an Sperrzäunen der innerdeutschen Grenze tödliche Sprengminen installiert, die Flüchtlinge mit Metallsplittern buchstäblich durchsiebten. Dies zu einer Zeit, als die DDR außenpolitisch besonders auf ihr Ansehen bedacht war. Michael Gartenschläger, ehemaliger politischer Häftling in DDR-Zuchthäusern und nach seiner Freilassung in die Bundesrepublik seit 1971 als Fluchthelfer erfolgreich, demontierte mehrmals Sprengminen und bewies die verheerende Wirkung dieser Todesautomaten. 1976 wurde er von einem Sonderkommando der Stasi erschossen. Lothar Lienicke war ein Weggefährte Gartenschlägers. Zusammen mit Franz Bludau erzählt er nicht nur Gartenschlägers Geschichte, sondern erläutert auch die politischen Zusammenhänge. Der gleichnamige ZDF-Fernsehfilm aus dem Jahr 2007 war für die "Goldene Kamera" nominiert.
DVDs
Es gab kein Niemandsland - Ein Dorf im Sperrgebiet
Großburschla, ein Dorf in Thüringen, war von 21 Kilometern Grenzzaun umschlossen und nur über eine schmale Straße erreichbar. Der Film von Hans Sparschuh lässt die Geschehnisse jener Zeit noch einmal lebendig werden: in Gesprächen mit einem Flüchtling, der die Werra durchschwamm; mit einem alten Ehepaar, das noch 1987 zwangsweise ausgesiedelt wurde; mit dem Pfarrer und mit den Nachbarn im nahen und doch so unerreichbaren Hessen. Die Bilder des romantischen Dorfidylls von heute stehen dazu in spannungsvollem Gegensatz. Mancher Schrecken von einst wird Anekdote, am Stammtisch in gemütlicher Runde erzählt. Aber der Film macht die beklemmende Situation der Jahre hinter Stacheldraht und Minenfeld spürbar.
Immo Sennewald, Stand vom 11.08.2011





