Zwei Staaten, eine Nation
Doppelte Staatsgründung
Im Jahr 1949 wurden die Bundesrepublik Deutschland (BRD) (23.5.) und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) (7.10.) gegründet. Es begann die Zeit des Kalten Krieges, die beiden deutschen Staaten fügten sich zügig in das jeweilige Blocksystem ein: die BRD in die westliche Gemeinschaft und in die NATO (1955), das Militärbündnis der Westmächte. Die DDR orientierte sich in Richtung Sowjetunion und wurde 1955 Mitglied des Militärbündnisses der Ostmächte, des Warschauer Paktes. Der Mauerbau von 1961 zementierte schließlich den Status Quo. Es existierten zwei politisch, weltanschaulich und geografisch von einander getrennte deutsche Staaten. Feindbilder, Vorurteile und Klischees hatten 40 Jahre lang einen fruchtbaren Nährboden.
Entspannung zwischen Ost und West
Anfang der 70er Jahre begann sich das frostige Klima zwischen Ost und West langsam zu entspannen. Den Höhepunkt dieser Entwicklung markierte das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs aus West- und Osteuropa, den USA und Kanada im Sommer 1975 in Helsinki auf der "Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" (KSZE). Obwohl die KSZE-Schlussakte nicht vertraglich verpflichtend war, enthielt das Abkommen doch den Keim des politischen Wandels. Der "Geist von Helsinki" hatte einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Auflösung des Ost-West-Konflikts Ende der 80er Jahre.
Deutsch-deutsche Annäherung
In dem weltpolitischen Klima der Entspannung erschien das Verhältnis zwischen BRD und DDR als besonders antiquiert. Die sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt hatte sich in ihrer Ostpolitik das Ziel gesetzt, die Konfrontation mit den Ostblock-Staaten und der DDR abzubauen und so zur Entspannung in Europa beizutragen. Im Januar 1970 gab es nach mehr als 20 Jahren frostiger Distanz ein erstes Händeschütteln von Spitzenpolitikern aus beiden deutschen Staaten: DDR-Ministerpräsident Willi Stoph und Bundeskanzler Willy Brandt trafen sich in Erfurt und Kassel zu zwei Gipfeltreffen. Die neue Ostpolitik der Bundesregierung war heftig umstritten, normalisierte aber das Verhältnis zwischen der DDR und der BRD und erreichte Erleichterungen im Reiseverkehr zwischen dem Westen und dem Osten Deutschlands. Für seine Bemühungen den Ost-West-Konflikt zu entspannen, erhielt Willy Brandt 1971 den Friedensnobelpreis.
Die Wende in der DDR
Der Ost-West-Konflikt löste sich weiter auf: Umwälzungen in einigen osteuropäischen Staaten zeichneten sich zu Beginn der 80er Jahre ab. Die umfassenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Reformen in der Sowjetunion bildeten die Basis. In Polen und Ungarn fanden Reformen statt, der "Eiserne Vorhang" wurde Stück für Stück durchlässiger, Bürger aus der DDR konnten schließlich über Ungarn in den Westen Reisen. Als Günter Schabowski, Mitglied des Politbüros der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), am 9. November 1989 auf einer Pressekonferenz in Ost-Berlin verkündete, Bürger aus der DDR könnten mit sofortiger Wirkung unbürokratisch in den Westen reisen, war die Überraschung allerdings groß. Er brachte eine Lawine ins Rollen, die den Zusammenbruch der politisch und wirtschaftlich angeschlagenen DDR beschleunigte und schließlich in dem Beitritt der DDR zur BRD am 3. Oktober 1990 mündete.
Einheit Deutschlands
Die staatliche Vereinigung war schnell vollzogen: Am 9. November 1989 war die Mauer gefallen, bald gab es freie Wahlen in der DDR und nach Verhandlungen mit den vier ehemaligen Besatzungsmächten wurde der Beitrittstermin für den 3. Oktober 1990 festgesetzt. Knapp ein Jahr nach dem Fall der Mauer und kurz vor dem 41. Jahrestag der Gründung der DDR war aus den beiden deutschen Staaten einer geworden. Seit dem 3. Oktober 1990 hat die Bundesrepublik Deutschland eine neue Position in der Welt. Mit wachsendem Abstand wird die Teilung als vorübergehende Episode erscheinen.
Natalie Muntermann, Stand vom 01.06.2009






