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Skandale und Presse

Den Medien kommt bei der Aufdeckung von Skandalen und der damit einhergehenden Kontrolle der demokratischen Institutionen die wichtige Funktion des Sittenwächters zu. Aber in Zeiten, wo Amtsmissbrauch und Korruption für viele Politiker unwiderstehliche Vorteile mit sich bringen, reiben sich die Medien angesichts der Aufdeckung dieser Verfehlungen ihrerseits die Hände. Denn wo es einen Markt für politisch-moralisches Versagen gibt, gibt es auch einen Markt für Enthüllungen.

Bill Clinton umarmt Monica Lewinsky. (Rechte: dpa)

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Vierte Macht im Staat

Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert den Deutschen Meinungs- und Informationsfreiheit sowie die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung. Den Medien kommt auf diese Weise eine wichtige Funktion, aber auch eine hohe Verantwortung zu. Als "Vierte Macht im Staat" haben die Medien in einer Demokratie eine Wächterfunktion. Sie unterstützen die Bürger bei der Meinungsbildung, sie sind ein demokratisches Instrument der Kritik und Kontrolle politischer Macht. Die Medien decken auf, was manche Politiker gerne im Verborgenen lassen würden. Ein politischer Skandal beginnt daher meist mit seiner Bekanntmachung durch die Presse.

Richard Nixon sitzt an einem Tisch, ein Blatt Papier in seinen Händen, neben sich die amerikanische Flagge und blickt ernst in die Kamera. (Rechte: dpa)

Richard Nixon verkündet seinen Rücktritt

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Der Watergate-Skandal, weltweit der wohl berühmteste Politskandal aller Zeiten, ist ein Positivbeispiel für die Medien, die als politisches Korrektiv handeln können. Nur durch die intensive investigative Arbeit der amerikanischen Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein wurden die Machenschaften eines moralisch nicht vertretbaren Präsidenten aufgedeckt. Recherchen, die trotz erheblicher Widerstände enthüllten, mit welchen illegalen Methoden Präsident Richard Nixon den politischen Gegner sabotierte, um selbst an der Macht zu bleiben. Der Watergate-Skandal verursachte in den USA eine Verfassungskrise und bewirkte schließlich am 8. August 1974 den Rücktritt des republikanischen Präsidenten.

Skandale und Skandälchen

Doch die meisten Medien wollen und müssen zugleich Geld verdienen, sind also profitorientierte Unternehmen. Form und Inhalte der Berichterstattung bestimmen immer auch über Wohl und Wehe des Presseorgans selbst. Eine gute Story ist immer zugleich ein Hingucker, der sich wirtschaftlich entscheidend auf ein Medium auswirkt. Gefährlich wird es, wenn politische Skandale nicht mehr der Wahrheitsfindung dienen, sondern lediglich der Auflagensteigerung oder Quote eines bestimmten Blattes oder Senders. Politische Skandale sind also immer auch ein Interpretations- und Spekulationsobjekt der Presse. Dadurch besteht immer wieder die Gefahr einer Skandal-Inflation. Skandälchen und Belanglosigkeiten werden aufgebläht, wodurch der echte Skandal an Wichtigkeit verliert. Wenn politische Vergehen nur kommerziell genutzt werden, anstatt die Öffentlichkeit ernsthaft zu sensibilisieren und aufzuklären, dann werden kleine Fehltritte zu großen Vergehen aufgebauscht.

Kleines Mädchen drückt eine Ausgabe des Nachrichtenmagazin Der Spiegel an sich. (Rechte: dpa)

Die Spiegel-Affäre trieb die Menschen auf die Straße

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Skandale und Demokratie

Neben diesen Skandälchen stehen Skandale, die die öffentliche Meinung nachhaltig geprägt und verändert haben, zum Beispiel die Spiegel-Affäre. Der politische Journalist Thomas Ramge zählt dazu ferner den deutschen Polizei-Skandal um den Studenten Benno Ohnesorg, der am 2. Juni 1967 in Westberlin bei einer Demonstration von einem Polizisten erschossen wurde. Dieser Schuss in den Kopf einer einzelnen Person durch die gegen die Studenten vorgehende Polizei war, so Ramge, "ein Schuss in den Kopf einer ganzen Generation". Der Tod Ohnesorgs trug mit zur 68er-Bewegung bei - viele Studenten gaben an, erst durch diese Schüsse politisiert worden zu sein.

Tatsächlich sind Demokratie und politischer Skandal untrennbar miteinander verbunden. Die Demokratie ist die Bedingung für den politischen Skandal. Nur in der Demokratie löst eine nicht gegängelte, eine echte, frei artikulierbare öffentliche Empörung über ein politisches Vergehen einen Skandal aus. Eine Skandalentwicklung in der Demokratie braucht eine Presse, die den politischen Skandal aufdeckt, eine Opposition, die dem Skandal Schärfe verleiht, eine Öffentlichkeit, die sich über den Skandal empört. Politische Skandale sind also ein sichtbares Ergebnis der demokratischen Kontrolle, die vor allem dann greift, wenn Politiker bewusst und öffentlich gegen das Gesetz verstoßen. Da, wo kein Rechtsstaat herrscht, da gibt es auch keine politischen Skandale - und wenn doch, dann werden sie von der autoritären Regierung bewusst inszeniert, als gelenkte öffentliche Empörung.

Delvaux de Fenffe, Stand vom 01.06.2009

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