Wissensfrage
Stimmt es, dass der "Spiegel" Landesverrat begangen hat?
Diesen Vorwurf erhob Konrad Adenauer öffentlich im Bundestag. Es ging darum, ob der "Spiegel" in dem Artikel "Bedingt abwehrbereit" militärische Geheimnisse verraten hatte. Tatsächlich leitete die Bundesanwaltschaft eine Untersuchung wegen Verdachts auf Landesverrat ein. Ein Gutachten aus dem Bundesverteidigungsministerium bestätigte diesen Verdacht. Erst 1965 sah es der Bundesgerichtshof als erwiesen an, dass der Inhalt des "Spiegel"-Artikels nicht der Geheimhaltung unterlag. Das Verfahren gegen Rudolf Augstein und Conrad Ahlers, den verantwortlichen Redakteuren, wurde eingestellt.
Stimmt es, dass Franz Josef Strauß der Drahtzieher hinter den Aktionen gegen den "Spiegel" war?
Verteidigungsminister Strauß hatte öffentlich im Bundestag erklärt, er habe "mit der Ingangsetzung des Verfahrens nichts zu tun gehabt". Doch Strauß verstrickte sich im Lauf der Untersuchungen zunehmend in Widersprüche. Um selbst im Hintergrund zu bleiben, hatte er zwar seinen Staatssekretär bei der Bundesanwaltschaft um Amtshilfe gegen den Spiegel ersuchen lassen. Aber Innenminister Hermann Höcherl entlarvte als Zeuge dieses Vorgangs Strauß und machte vor dem Bundestag glaubhaft, dass Strauß schon vor dem 26. Oktober über die geplanten Haft- und Durchsuchungsbefehle unterrichtet worden war.
Stimmt es, dass die Spiegel-Affäre das Ende der Ära Adenauer eingeläutet hat?
Adenauer diskreditierte sich durch seine Mitwisserschaft um die Vorgänge gegen den "Spiegel". Er hatte angeordnet, Justizminister Stammberger zu umgehen und unterstützte den persönlichen Rachefeldzug von Strauß gegen Rudolf Augstein. Er billigte dabei polizeistaatliche Methoden, hatte aber nicht mit dem breiten Protest in Parlament und Öffentlichkeit gerechnet. Als der Rücktritt des FDP-Ministers eine Neubildung des Kabinetts notwendig machte, war die Regierung in eine tiefe Krise geschlittert, von der sie sich nicht mehr erholte. Adenauer gab am 7. Dezember 1962 bekannt, im Herbst des folgenden Jahres als Bundeskanzler zurückzutreten.
Kurt Schneider, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Politische Skandale - Meineid, Ehrenwort und Schwarzgeld, 29.05.2006







