Der Weg in die Katastrophe
Das Sudetenland
Hitler setzte darauf, seine territoriale Basis langsam zu erweitern und die Politik vom "Lebensraum“ sukzessive umsetzen. 1938 wurde der "Anschluss" von Österreich ohne Widerstand vollzogen. Nur wenige Monate später hatte Hitler ein Gebiet in der Tschechoslowakei in den Blick genommen: das sogenannte Sudetenland. Konrad Henlein, der Vorsitzende der Sudetendeutschen Partei, war ein willfähriger Erfüllungsgehilfe von Hitlers Plänen, die ehemaligen Provinzen der Donaumonarchie einzuverleiben. Mittels volkstümelnder Argumente und Schlagworte wie "Reichsdeutsche“ und "Heim ins Reich“ rechtfertigte Hitler seine Absichten. Die Tschechoslowakei protestierte offiziell gegen Hitlers Bestrebungen, durch einen militärischen Angriff das Sudetenland zu annektieren. Um über die Zukunft des Sudetenlandes zu entscheiden, trafen sich 1938 in München Vertreter Frankreichs, Englands und Italiens mit Hitler.
Das Münchner Abkommen - die Haltung der Westmächte
Das Münchner Abkommen enttäuschte die tschechoslowakischen Hoffnungen bitter. Die sudetendeutschen Gebiete wurden an das Deutsche Reich abgetreten. Knapp drei Millionen Deutsche, die in den annektierten Gebieten wohnten, begrüßten größtenteils die Annektierung. Der englische Premierminister Richard Chamberlain glaubte durch die Zugeständnisse an Hitler den Frieden dauerhaft gesichert zu haben. Für die verantwortungsvollen Politiker der Westmächte, die im Interesse ihrer Völker dachten, war der Krieg der absolute Alptraum, den es unbedingt zu vermeiden galt. Schließlich lag der Erste Weltkrieg, der besonders Frankreich stark getroffen und zerstört hatte, erst 20 Jahre zurück. Hitler dagegen setzte auf volles Risiko. Er wollte den Krieg unter allen Umständen und kalkulierte selbst eine Niederlage mit ein. Entgegen dem Münchner Abkommen besetzte Hitler am 15. März 1939 noch die "Rest-Tschechei“ mit Prag und deklarierte die Gebiete zu den "Reichsprotektoraten Böhmen und Mähren“. Nur fünfeinhalb Monate später überfiel die deutsche Wehrmacht Polen. Europa wurde mit einem Krieg überzogen, der sich zum Weltkrieg ausweiten sollte. Am Ende stand die absolute Katastrophe: Der Krieg hatte zirka 60 Millionen Menschen das Leben gekostet, darunter sechs Millionen Juden, Sinti und Roma sowie andere von den Nazis geächtete Personen, die in den Vernichtungslagern ermordet wurden.
Sabine Kaufmann, Stand vom 09.09.2009
Sendung: Von der Weimarer Republik zum Zweiten Weltkrieg, 09.09.2009






