Literatur & Co.
Bücher
Stauffenberg und der 20. Juli 1944
Wer war Claus Schenk Graf von Stauffenberg, woher stammt dieser Mann, was sind seine familiären und politischen Hintergründe? Warum geht der erst 36-jährige, hochdekorierte Offizier in die offene Rebellion und wagt das Unmögliche, den Diktator Hitler zu töten?
Anschaulich und in wenige, übersichtliche Kapitel gegliedert erläutert Peter Hoffmann die Motive Stauffenbergs, die in das Attentat des 20. Juli 1944 münden. Das gelungene Bändchen aus der Beck’schen Reihe ist eine Einführung in die näheren Umstände des bedeutendsten Attentats auf Hitler.
Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli
Joachim Fest, ehemaliger Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Hitler-Biograph, hat eine brillante Anlayse des 20. Juli publiziert. Fest schildert die mal schleichende mal offene Gleichschaltung der Wehrmacht, die schließlich unter dem Oberbefehl Hitlers die Welt mit einem Krieg der Vernichtung überzieht. Doch mit Figuren wie Beck, Witzleben, Schlabbrendorf, Trescow, Olbricht, Mertz und Stauffenberg erwächst eine kleine Gruppe von Opponenten, die mit den durch die Nazis pervertierten Traditionen wie Loyalität, Gehorsam und Treue aus Gewissensgründen bricht. Hitler muss beseitigt werden, auch wenn dies nichts weiter als eine symbolische Geste gegen die Urgewalt der Naziverbrechen darstellt, so Fest: „Zuletzt kam es nicht einmal mehr auf Erfolg oder Misserfolg an. Vielmehr ging es nur noch darum, ein Zeichen zu setzen und durch eine große verneinende Geste Widerspruch einzulegen gegen Hitler und alles, was er und seine Herrschaft bedeuteten. … Insoweit war der 20. Juli vor allem eine symbolische Tat.“ Freilich verkürzt der Autor dadurch den Staatsstreich auf die bloße Formel eines von vornherein vergeblichen, zum Scheitern verurteilten Widerstands. Doch das Buch ist eine der besten Darstellungen der Ereignisse des 20. Juli.
Claus Graf Schenk von Stauffenberg und seine Brüder
Peter Hoffmann, Professor für deutsche Geschichte in Kanada, gilt als einer der weltweit besten Kenner der Geschichte des 20. Juli 1944. „Claus Graf Schenk von Stauffenberg und seine Brüder“ ist die bedeutendste Arbeit über die Person Stauffenbergs. Hoffmann nähert sich dem Attentat des 20. Juli durch die biographische Analyse des Hitler-Attentäters. Hoffmann beschreibt Stauffenberg als ganz außergewöhnliche Erscheinung seiner Zeit, in seiner ethischen Haltung weit hinausgehoben „über die Masse der Mitläufer in allen gesellschaftlichen Schichten“, ein „Licht in der Finsternis der zwölf Jahre des Nationalsozialismus“. Eindringlich geht Hoffmann der Brüchigkeit der Person Stauffenbergs in einer Zeit nach, in der dieser sich vor die Wahl gestellt sieht, bedingungslos mitzumachen oder gegen das System zu handeln. Das Buch stellt den differenzierten Versuch dar, das Attentat des 20. Juli 1944 durch die Gestalt und die Hintergründe des Attentäters zu durchleuchten.
Stauffenberg. Der 20. Juli 1944
Der Historiker Gerd R. Ueberschär ist Autor des Buchs zum ARD-Film „Stauffenberg“. Ueberschär gibt einen gut verständlichen Überblick über die Geschehnisse des 20. Juli 1944 und beschreibt die Beweggründe und Hoffnungen der am Staatsstreich beteiligten Offiziere. Neben dem historischen Abriß über den militärischen Widerstand und die Hintergründe des Attentats geht Ueberschär auch auf die Wirkungsgeschichte des 20. Juli von 1945 bis heute ein. Eine Chronik der Ereignisse, Biographien der Hitlerattentäter und farbige Szenenfotos zum Film „Stauffenberg“ runden den Band ab.
Widerstand im Widerstreit. Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in der Erinnerung der Deutschen
Erinnerung und Gedenken an Stauffenberg und die Frauen und Männer des 20. Juli haben im Laufe der Zeit einen großen Bedeutungswandel erfahren. Als Verräter am Nationalsozialismus hingerichtet, wurden sie in der Bundesrepublik bald zu Helden. Stauffenberg ist heute zum Symbol geworden für den Widerstand im Dritten Reich. Mit Stauffenberg und dem 20. Juli müssen sich daher bis heute auch Widerstandsgruppen der Nazizeit messen, an deren Blutvergießen nicht mit offiziellen Kranzniederlegungen und Gedenkfeiern erinnert wird. Peter Steinbach, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, trägt mit seinen eindringlichen und umfassenden Arbeiten dazu bei, den Deutschen Widerstand in seiner ganzen Breite und Vielfalt auszuloten. Steinbach gelingt es, den 20. Juli 1944 als einen der bedeutungsvollsten Momente der Opposition gegen Hitler zu beschreiben und in Zusammenhang mit weiteren zentralen Formen des Widerstands zu setzen. Das Bild der Attentäter vom 20. Juli 1944 wird so in seiner ganzen Vielschichtigkeit, aber auch Widersprüchlichkeit und Verstrickung aufgezeigt.
'Um der Ehre willen' Erinnerungen an die Freunde vom 20. Juli
Marion Gräfin Dönhoff, die Grande Dame des deutschen Journalismus und ehemalige ZEIT-Herausgeberin, hat in ihrem vielbeachteten Bändchen Portraits führender Widerstandsbeteiligter niedergelegt. Dönhoff war geborene Ostpreußin und mit einer Vielzahl der Mitglieder des militärischen Widerstands und des Kreisauer Kreises gut bekannt oder auch befreundet. Auf sehr persönliche Weise schildert Dönhoff diese Begegnungen und Freundschaften mit einigen der herausragendsten Repräsentanten des konservativen Widerstands wie Axel Freiherr von dem Bussche, Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, Adam von Trott zu Solz, Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg. Dönhoff ist es gelungen, eindringliche Portraits über Männer und Frauen des militärischen und zivilen Widerstands zu zeichnen.
Gregor Delvaux de Fenffe, Stand vom 28.02.2008




