Wissensfrage
Stimmt es, dass Stauffenberg zu wenig Sprengstoff für das Attentat benutzt hat?
Für das Attentat des 20. Juli 1944 standen Stauffenberg zwei Sprengstoffpakete zur Verfügung. Die Zündung beider Pakete hätte zum sicheren Tod des Diktators geführt. Doch Stauffenberg setzte nur eine der beiden Ladungen ein. Warum verwendete Stauffenberg nicht die gesamte, vorgesehene Menge Sprengstoff?
Keine Zeit für Vorbereitungen
Unmittelbar bevor Stauffenberg das Attentat auf Hitler verüben konnte, musste er den Sprengstoff mit einem chemischen Zeitzünder präparieren. Als der schwerbehinderte Offizier mit Hilfe seines Adjutanten Werner von Haeften die Sprengladung scharf machen wollte, wurde er gestört. Kaum hatten beide in einem Aufenthaltsraum begonnen die Säurezünder in die Sprengladung einzusetzen, rief General Fellgiebel, einer der Mitverschwörer in der Baracke an, um Stauffenberg zu sprechen. Daraufhin trat Oberfeldwebel Werner Vogel in den Aufenthaltsraum ein, um Stauffenberg zur Eile zu drängen. Vogel gab später zu Protokoll, dass er sah, wie die beiden Offiziere einen Gegenstand in ihren Taschen verstauten. In großer Hast gelang es daher Stauffenberg nur eines der beiden englischen Sprengstoffpakete scharf zu machen, das er zur Durchführung des Attentats nutzte.
Baracke statt Bunker
Zu der geringen Sprengstoffmenge kam die für das Attentat ungünstige Beschaffenheit des Besprechungsraumes. Denn der 20. Juli war ein heißer Tag, so dass die Lagebesprechung in einer Holzbaracke statt im Bunker geführt wurde. Hätte diese Baracke über eine Verdämmung wie in einem massiven Bunker verfügt, wäre das Attentat womöglich gelungen. Doch die leichte Baracke besaß fünf Fenster, die bei warmem Wetter geöffnet waren. Darüber hinaus befand sich unter dem Bretterboden ein Hohlraum. Insgesamt konnte daher der Druck der Explosion ins Freie entweichen, so dass Hitler den Anschlag schließlich überlebte.
Drängende Fragen:
Warum fügte Stauffenberg das zweite Sprengstoffpaket ohne Zünder dem ersten mit scharfgemachter Zeitzündung nicht hinzu?
Durch die Explosion der einen Ladung hätte auch die andere gezündet.
Schienen ihm zwei Sprengstoffpakete zu unhandlich und zu schwer?
Stauffenberg nutzte Plastiksprengstoff, ein sehr leichtes Material, beide Pakete hätten gut in die gleiche Aktentasche gepasst.
Besaß Stauffenberg zu geringe Kenntnisse über die Beschaffenheit des Sprengstoffs, so dass er die Wirkung nur einer Ladung überschätzte?
Heute lassen sich diese Fragen nicht mehr eindeutig beantworten. Es bleibt die Tatsache, dass es ein gravierender Fehler war, nur eines der beiden Sprengstoffpakete zu benutzen. Bei aller näheren Betrachtung muss jedoch immer der unvorstellbare Druck des durchzuführenden Attentats miteinbezogen werden, unter dem Stauffenberg am 20. Juli in der Wolfsschanze stand.
Gregor Delvaux de Fenffe, Stand vom 01.06.2009





