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Niemals allein - Selbsthilfe für Kriegskinder

Gerade im Alter kommen Erinnerungen an die Schrecken des Krieges wieder hoch. Ihre Erlebnisse haben manche der Kriegskinder traumatisiert, geprägt davon wurden alle. Und unbestreitbar hat diese Generation typische Verhaltensweisen entwickelt: Sie mussten funktionieren und vernachlässigten so oft die eigene Fürsorge. Sie ignorierten körperliche Belastung, Krankheiten und persönliches Befinden. Was einst Überlebensstrategie war, erweist sich besonders im Alter als Problem und als psychische Belastung. Der Psychotherapeut und Altersforscher Prof. Hartmut Radebold ist selbst ein Kriegskind und versucht, den Betroffenen zu helfen. Was sie selbst tun können, beschreibt er in seinem Buch "Die dunklen Schatten unserer Vergangenheit" und in der Sendung Planet Wissen:

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Es geht vor allem darum zu begreifen, warum es jemandem im Alter psychisch schlechter geht. Dazu bedarf es laut Radebold einer biografischen Reise in die eigene Vergangenheit: Diese "innere Reise" führt zurück zu bedrückenden, beängstigenden und möglicherweise auch zu schönen Kindheitserinnerungen. Auf dieser inneren Reise können Betroffene lange Zeit abgewehrten Gefühlen begegnen, die mit den eigenen Erinnerungen verknüpft sind. Die innere Reise könnte zu einer realen Reise führen: In die alte Heimat zu den Orten von Kindheit und Jugend, zu Orten, an denen man Schönes und Schreckliches erlebt hat. Ziel könnte auch der Ort sein, an dem der Vater gefallen ist oder wo das Grab vermutet wird.

Frauen und Kinder stehen im Jahr 1945 mit ihrem Gepäck am Straßenrand und warten auf eine Transportmöglichkeit. (Rechte: dpa)

Die Kriegskinder mussten funktionieren

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Durch Nachfragen in der Familie, alte Fotos oder Briefe lassen sich vielleicht weitere Wissenslücken schließen. Wenn sich allmählich die Erinnerungen verknüpfen und Zusammenhänge deutlich werden, können auch dazugehörige Gefühle besser eingeordnet und zugelassen werden: Trauer über Verlorenes, Sehnsucht nach Geborgenheit. Nachdem die persönliche Biografie ausreichend erkundet ist, wird es notwendig, sich mit anderen darüber auszutauschen und Erinnerungen, Erfahrungen und Gefühle in Worte zu fassen.

Eine biografische Reise sollte man auf Rat von Hartmut Radebold niemals alleine unternehmen. Wichtig ist die Begleitung einer verständnisvollen Person, der man sich jederzeit anvertrauen kann. Zudem sollten sich Betroffene in einer stabilen psychischen Verfassung befinden und die Möglichkeit haben, an einen vertrauten Ort zurückzukehren. Und man sollte sich für die biografische Reise genug Zeit lassen. Wenn die psychische Belastung trotz allem zu groß wird, sollte man sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Claudia Heidenfelder, Stand vom 03.08.2011

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