Literatur & Co.
Bücher
Der Attentäter. Die Hintergründe der Pogromnacht 1938 – die Geschichte von Herschel Grynszpan
Wer war der Jugendliche Herschel Grynszpan, der den Diplomaten Ernst vom Rath erschoss – das Attentat, das als Vorwand für die Reichspogromnacht genutzt wurde? Wie ist er aufgewachsen? Was waren die Motive seiner Tat? Der Jugend- und Sachbuchautor Lutz van Dijk hat sich mit der Lebensgeschichte des Jungen befasst – und daraus einen spannenden Roman gemacht. Der Autor schreibt aus der Sicht des Herschel Grynszpan, was eine besondere Nähe erzeugt. Die Daten und Fakten stimmen; Gefühle, Gedanken, die gesamte Rahmenhandlung sind dagegen fiktiv. Am Ende gewinnt man den Eindruck: Ja, so könnte es durchaus gewesen sein.
Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Verfolgung 1933-1939
Wie sah der Weg ins Dritte Reich aus? Was heißt "Erlösungsantisemitismus" und welche grauenvolle Maschinerie setzte sich am 9. November 1938, der Reichspogromnacht, in Gang? "Eine unkontrollierbare Lust an der Vernichtung und Demütigung der Opfer trieb die Kommandos, die durch die Städte streiften", beschreibt Saul Friedländer. Er hat ein sehr persönliches Buch über die Verfolgung der Juden geschrieben, das den Leser immer wieder in Fassungslosigkeit versetzt. Persönlich deshalb, weil dies selbst ein Teil seiner Geschichte ist. Saul Friedländer wurde 1932 als Sohn deutschsprachiger jüdischer Eltern in Prag geboren. Er überlebte den Krieg in Frankreich; die Eltern kamen in Auschwitz um. 2007 erhielt der Holocaust-Forscher den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945: Deutsches Reich 1933-1937
Wissenschaftliches Werk, das sich anhand von Originalquellen mit der Verfolgung von Juden durch die Nationalsozialisten in ganz Europa auseinandersetzt. Dieses Buch ist der erste Teil einer Reihe, die insgesamt 16 Bände umfassen soll.
"Davon haben wir nichts gewusst!": Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933-1945
Der Titelsatz war nach Ende des Zweien Weltkriegs eine Standardantwort der Deutschen auf die Verbrechen der Nationalsozialisten an den Juden. Der Londoner Historiker Peter Longerich widerlegt in diesem Buch ausführlich, dass das nicht stimmen konnte. Zweifel waren schon seit langem angebracht, doch bisher gab es noch kein Werk, das sich so faktenreich mit diesem Thema der deutschen Vergangenheit auseinandersetzte.
Geschichte des Dritten Reiches
Sehr anschaulich, komprimiert und sinnvoll strukturiert erläutert der Antisemitismus-Forscher Wolfgang Benz die Geschichte des Dritten Reiches. Das Buch enthält 150 Abbildungen und ist verständlich geschrieben. Daher richtet es sich eher an ein breites interessiertes Publikum als an die wissenschaftliche Fachwelt. Enthalten ist auch ein Kapitel über die Reichspogromnacht.
Chronologie des Dritten Reiches. Ereignisse, Personen, Begriffe
In chronologischer Folge hat Klaus W. Tofahrn die Zeit des Nationalsozialismus zusammengefasst. Er beginnt im Jahr 1930 mit dem Scheitern der Weimarer Republik und dem Aufstieg der NSDAP und endet mit dem 9. September 1945, dem Tag der Kapitulation Japans, ein Verbündeter Deutschlands. Das Buch ist wie ein Nachschlagewerk zu nutzen, das die entscheidenden Ereignisse jedes Jahres auflistet und kurz erläutert. Außerdem gibt es eine Auswahlbibliografie mit Literatur zum Nationalsozialismus und Kurzbiografien zu den wichtigsten Personen. Farbig unterlegte Kästen erklären bestimmte Begriffe oder geben Hintergrund-Informationen, zum Beispiel zu den Nürnberger Gesetzen oder zu Menschenversuchen. Das Buch ist sehr übersichtlich und hilfreich bei der Recherche zum Dritten Reich im Allgemeinen und der Reichspogromnacht im Speziellen.
DVDs
Der Neunte November
Man hört das Lodern von Flammen, das Marschieren schwerer Stiefel, sieht brennende Synagogen, überall Zerstörung: In dokumentarischen Bildern beleuchtet der Film von Hermann Beddig den 9. November 1938. "Wie konnte es soweit kommen?", fragt der Sprecher zu Beginn. Beddig zeigt die Euphorie bei Hitlers Machtantritt, zeigt die Originaldokumente der Verbote, denen die Juden ausgesetzt waren. Die brennenden Synagogen sind nur der Anfang: Am Ende sieht der Zuschauer die geschundenen toten Menschen in den Konzentrationslagern. Beddigs kurze Dokumentation setzt nicht auf eine Fülle von Informationen und Details; ihm geht es um den moralischen Appell: "Die nationale Begeisterung übertönte die Stimmen des Gewissens", merkt er kritisch an. Zu bedenken ist, dass der Film von 1960 ist und damit auf dem Forschungsstand dieser Zeit beruht.
Kathrin Schamoni, Stand vom 28.01.2008




