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Rassismus - ein Tabu

Kann die Diskriminierung von Menschen mit ausländischer Herkunft oder die Gewalt gegen vermeintliche "Ausländer" heute als rassistisch bezeichnet werden? Die Nennung von Rassismus ist schon fast ein Tabubruch. Das liegt unter anderem auch daran, dass in Deutschland Rassismus natürlich mit der menschenverachtenden Rassepolitik der Nationalsozialisten verknüpft wird. Selbst rechtsextreme Parteien wie die NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) würden ihr Weltbild nicht als rassistisch bezeichnen. Rassismus ist aber eine Ideologie, die lange vor dem Nationalsozialismus entstand und mit dem Ende des Nationalsozialismus auch nicht verschwunden ist.

Junge Türkinnen essen Popcorn auf einem Fest (Rechte: IMAGO)

"Von Natur aus" anders

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Rassismus im Alltag

Die Alltagskultur ist auch nach dem Ende des Nationalsozialismus stark von einem historisch gewachsenen Rassismus geprägt. Zahlreiche Beispiele dafür gab und gibt es in Lehrbüchern, Kinderliedern oder auch in der Alltagssprache. Ein Beispiel: Der Begriff "Mischling" wird auch heute noch in der Alltagssprache für die Kinder schwarzer und weißer Eltern genannt. Der Begriff setzt voraus, dass weiße und schwarze Menschen unterschiedliches Blut haben, das sich bei den Nachkömmlingen "mischt". Das ist eine Annahme aus der Rassentheorie. Die Diskriminierung und Vorbehalte, die Menschen anderer Hautfarbe oder anderer Kulturen im Alltag erfahren, beruhen häufig auf einer auch unbewussten Vorstellung, dass die Menschen anderer Kulturen "von Natur aus" anders sind. Dabei wird in der Regel die eigene Kultur gegenüber der anderen als höherwertig angesehen. Diesen - häufig auch unreflektierten - Alltagsrassismus kann man aber nicht gleichsetzen mit einem rassistischen Weltbild.

Rassismus - Problem einer Definition

Es gibt keine einfache Definition von Rassismus. Ein grundlegendes Problem des Begriffs ist, dass er von dem Wort „Rasse“ abgeleitet ist. Die Unterteilung der Menschheit in Rassen ist aber schon Bestandteil von Rassismus, besonders dann, wenn den vermeintlichen "Rassen" unterschiedliche biologische oder natürliche Eigenschaften zugewiesen werden. Von einer Einteilung der Menschheit in Rassen spricht heute kein ernst zu nehmender Wissenschaftler mehr. Nichtsdestotrotz wird der Begriff "Rasse" in der Alltagssprache verwendet. Rassismus hat seit der Kolonisierung Lateinamerikas und Afrikas das Denken der westlichen Welt geprägt. Es ist als Weltbild ein Erbe unserer geschichtlichen Entwicklung, das die Gesellschaft und die Wissenschaft über Jahrhunderte begleitet hat.

Muslime beten in einer Moschee (Rechte: ddp)

Feinbild Islam

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Vom "Rassenkampf" zum "Kampf der Kulturen" – Rassismus heute

Ein rassistisches Weltbild wird heute nur selten damit begründet, dass es höher- und minderwertige Menschenrassen gibt und niemand würde von sich behaupten, ein Rassist zu sein. Wissenschaftler wie der Historiker Prof. Dr. Christian Geulen sehen innerhalb des historischen Wandels des Rassismus aber die Entstehung neuer Formen, nämlich eines zunehmenden "Kulturrassismus". Das bedeutet, die Menschen werden entsprechend ihrer kulturellen Zugehörigkeit interpretiert und bewertet. Ein solches Weltbild geht davon aus, dass es Kulturen gibt, die unvereinbar miteinander sind und sich in einem gegenseitigen Kampf befinden. Im Nationalsozialismus hat man von einem "Rassenkampf" gesprochen. In der westlichen Welt entwickelt sich zum Beispiel die Religionszugehörigkeit zum Islam immer mehr zum Feindbild. Es wird von einem "Kampf der Kulturen" gesprochen. Dem Rassismus sind aber nicht nur andere oder fremde Kulturen ausgesetzt. Eine rassistische Ideologie kann auch dazu führen, dass andere "unerwünschte" Lebensformen innerhalb derselben Kultur bekämpft werden, wie Homosexuelle, Obdachlose oder Menschen mit Behinderung.

Was will Rassismus?

Rassismus ist nicht nur eine Form der Herabsetzung, Diskriminierung oder Verfolgung bestimmter Gruppen, sondern immer auch eine Form der „Welterklärung“, wie es Prof. Christian Geulen nennt. Ein rassistisches Weltbild strebt eine Gesellschaftsform an, die in der Regel als "homogen" beschrieben wird, das heißt sie soll frei sein von bestimmten Bevölkerungsgruppen. Das können Menschen anderer Länder und Kulturen sein, aber auch Bevölkerungsgruppen mit "unerwünschten" Eigenschaften. Die Maßnahmen, die für das Idealbild einer homogenen Gesellschaft ergriffen werden, reichen von rassistischen Beschimpfungen über organisierten Ausschluss aus wichtigen gesellschaftlichen Bereichen bis hin zum Völkermord.

Ana Rois, Stand vom 15.03.2010
Sendung: Vom Rassenwahn zum "Kampf der Kulturen", 15.03.2010

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