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Jüdische Hochzeit

"Seid fruchtbar und mehret Euch und füllet die Erde." Dieser Satz aus dem 1. Buch Mose ist eine wichtige Grundlage der jüdischen Religion und Gesellschaft. Ein eheloser Mensch gilt als unvollkommen. Es ist ein göttliches Gebot, durch Nachkommen für den Fortbestand des Glaubens und für den Fortbestand der Menschheit zu sorgen.

Ein Mann mit Kippa und Gebetsmantel steckt seiner verschleierten Braut einen Ring an. (Rechte: WDR/M. Vendlek)

Die Ehe hat im Judentum eine große Bedeutung

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Waschen und Fasten als Vorbereitung

Jüdische Brautleute dürfen sich vor der Hochzeit nicht sehen: 24 Stunden oder in strengen Gemeinden sogar eine Woche lang müssen sich die beiden voneinander fernhalten. Getrennt gehen sie zur rituellen Reinigung in das jüdische Bad (Mikwe). Zudem müssen sie fasten, zumindest vom Morgen ihres Hochzeitstages an. Am Sabbat und in der Trauerzeit zwischen Pessach und Schawuot darf nicht geheiratet werden.

Gemälde: Jüdisches Hochzeitspaar unter einer Chuppa. (Rechte: AKG)

Die Chuppa gehört zur jüdischen Hochzeit dazu

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Die Trauungszeremonie findet wenn möglich im Freien, ansonsten in einer großen Festhalle statt. Der Bräutigam trifft sich zunächst mit den männlichen Hochzeitsgästen zum Gebet. Dann unterschreibt er in Anwesenheit des Rabbiners und zweier Zeugen den Ehevertrag (Ketubba). Diese Urkunde ist in Aramäisch geschrieben und hat eine lange Tradition, die mindestens bis ins 5. Jahrhundert vor Christus zurückreicht. Der Text ist fast immer der gleiche und beinhaltet vor allem die Fürsorgepflichten des Ehemannes. Nur die Summe für die Mitgift und finanzielle Regelungen im Falle der Scheidung werden jeweils angepasst. Mittlerweile gibt es aber auch Eheverträge in liberalen Gemeinden, in denen nicht so sehr von Geld, sondern vielmehr von der gegenseitigen Übernahme von Verantwortung die Rede ist.

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Die jüdische Hochzeitszeremonie (0'48")
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Eheschließung unter der Chuppa

Dann wird der Bräutigam zur Braut geführt, die unverschleiert auf einer Art Thron sitzt. Begleitet wird er dabei von verheirateten Männern. Nachdem der Bräutigam das Gesicht der Braut verschleiert hat, wird er von seinen Begleitern unter den Baldachin (Chuppa) geführt. Die vier Stangen dieses kunstvoll gefertigten Stoffdaches, welches das künftige Heim der beiden Liebenden symbolisiert, werden von unverheirateten Hochzeitsgästen gehalten. Mutter und Schwiegermutter oder zwei andere Frauen begleiten die Braut zum Baldachin. In der orthodoxen Zeremonie geht die Braut nun siebenmal um ihren Bräutigam herum.

Der Rabbiner tritt hinzu und spricht Segensworte. Dann steckt der Bräutigam seiner Braut einen Ring an und sagt in Hebräisch: "Durch diesen Ring bist du mir angelobt nach dem Gesetz Moses und Israels." Mittlerweile bekommt in liberalen Kreisen auch der Bräutigam von seiner Braut einen Ring überreicht. Mit diesem Akt ist das Paar offiziell vermählt. Ein Becher Wein, der den "Kelch des Lebens" symbolisiert, wird gesegnet und beide trinken daraus. Anschließend zertritt der Bräutigam ein leeres Glas zur Erinnerung an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem und die Zerbrechlichkeit des Glücks. Dazu zitiert er aus der Bibel "Wenn ich dich, Jerusalem, vergessen soll, soll mein rechter Arm vergessen werden."

Die frischgebackenen Eheleute werden - bei Orthodoxen sofort, bei Liberalen später nach der Feier - in einem Zimmer allein gelassen. Das zweite Element der "Heiligung", wie die Hochzeitszeremonie heißt, folgt: der Vollzug der Ehe. Erst nach dem Beischlaf ist die Eheschließung vollendet. Danach mischt sich das Paar wieder unter die feiernden Gäste.

Die Bedeutung der Ehe im Judentum

Schon bei der Beschneidung wird dem Jungen gewünscht, dass man ihn "zur Thora, zur Ehe und zu guten Taten führe". Ehe und Famile sind im Judentum hochgeschätzt und werden gerne damit begründet, dass Gott selbst in der Schöpfungsgeschichte Mann und Frau füreinander geschaffen hat. Ein Rabbiner soll sogar sein Thora-Studium unterbrechen, wenn ein Hochzeitszug an seinem Fenster vorbeizieht und ihn zur Ehre der Braut begleiten. Ein Gebot der Ehelosigkeit, wie es zum Beispiel im Christentum für Priester, Nonnen oder Mönche existiert, widerspricht diesem jüdischen Denken.

Jürgen Dreyer/Sybille Hattwich, Stand vom 26.02.2010

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