Die Mizwot: Gesetze und Rituale
Heiligung des Sabbats
Die Heiligung des Sabbats ist der Höhepunkt der Woche. Der Sabbat ist der siebte Wochentag, und die Juden feiern das Ruhen Gottes am siebten Tag der Schöpfung sowie den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Der Sabbat beginnt am Freitagabend mit dem Sonnenuntergang und endet am Samstagabend. Die orthodoxen Juden achten darauf, am Sabbat zu ruhen und nicht zu arbeiten. Sämtliche Haushaltsarbeiten werden also vorher erledigt. Am Sabbat darf, egal durch welche Handlung, keine neue Situation geschaffen werden. Strenggläubige Juden fahren deshalb auch kein Auto und betätigen keinen Lichtschalter oder Herd.
Das Gebet
Das bekannteste jüdische Gebet ist das "Schma Jisrael" (hebräisch für "Höre Israel"). Es ist zugleich das eindringliche Glaubensbekenntnis der Juden an den Einen Gott. Es setzt sich aus den Thora- oder auch Bibel-Stellen, Deuteronomium 6,4, einem Vers aus dem Talmud (mJoma 6,2) sowie den Abschnitten Deuteronomium 6,5-9, 11,13-21 und Numeri 15,37-41 zusammen.
Dreimal täglich beten fromme Juden, dabei tragen die Männer Kippa (Käppchen), Tallith (Gebetsumhang) und werktags Tefillin. Tefillin sind Gebetsriemen aus Leder. Der männliche Jude wickelt sie siebenmal um den Arm und dann dreimal um die Hand und den Mittelfinger. Zu den Tefillin gehören auch Gebetskapseln, die in der Nähe des Herzens und auf der Stirn getragen werden. In den Kapseln befinden sich Texte aus der Thora.
Diese Mizwot, die während des Gebets befolgt werden, finden sich in Teilen im Gebetstext selbst wieder. Denn das "Schma Jisrael" ist eine Verbindung aus Glaubensbekenntnis und Handlungsaufforderung an den frommen Juden:
"Höre Israel: ER,
unser Gott, er ist einer!
So liebe denn
Ihn einen Gott
Mit all deinem Herzen, mit all deiner Seele, mit all deiner Macht.
So seien diese Reden, die ich heute dir gebiete, auf deinem Herzen,
einschärfe sie deinen Söhnen,
rede davon,
wann du sitzest in deinem Haus und wann du gehst auf den Weg,
wann du dich legst und wann du dich erhebst,
knote sie zu einem Zeichen an deine Hand,
sie seien zu Gebind zwischen deinen Augen,
schreibe sie an die Pfosten deines Hauses und in deine Tore!"
Auch der Brauch der Mesusa (hebr. für "Türpfosten") wird im "Schma Jisrael" erwähnt: Gemeint ist ein kleiner Behälter, der Thora-Abschnitte auf Pergament enthält und aus rituellen Zwecken am rechten äußeren Türpfosten eines jüdischen Wohneingangs befestigt wird.
Die Beschneidung
Männliche jüdische Babys werden in der Regel an ihrem achten Lebenstag beschnitten. Die Beschneidung (hebr. Brit mila) soll an den Bund erinnern, den Abraham einst mit Gott geschlossen hat. Durch die Zeremonie wird das Neugeborene ebenfalls in diesen Bund aufgenommen. Beschneidungen dürfen - obwohl sie mit Arbeit verbunden sind - sogar an einem Sabbat durchgeführt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass das Kind auch an einem Schabbat geboren wurde. Während Babys früher meist in der Synagoge beschnitten wurden, findet das Ritual heutzutage in einem Festsaal, zu Hause oder in einem Krankenhaus statt. Vorgenommen wird die Beschneidung entweder von einem Kultusbeamten, dem so genannten Mohel, oder einem jüdischen Arzt.
Koschere Speisen
Ein besonderes Kapitel der Mizwot sind die jüdischen Speisevorschriften (Kaschrut). Der fromme Jude folgt den Gesetzen des koscheren Essens. Koscher meint "tauglich" und schreibt dem frommen Juden genau vor, was er essen darf und welche Speisen er vermeiden muss. Viele dieser Speisegebote finden sich in der Thora, weitere stehen im Talmud, der über die Jahrhunderte gewachsenen Auslegung der Schrift durch große Rabbiner. Koschere Speisen sind etwa Fleischprodukte von Paarhufern und Wiederkäuern, also Schaf, Rind, Ziegen und Reh. Auch Geflügel darf gegessen werden, solange es sich vegetarisch ernährt. Auch Fische mit Schuppen und Flossen gehören zu den koscheren Lebensmitteln. Dagegen sind Schweinefleisch, Schalen- und Krustentiere kein koscheres Essen. Zu den Speisevorschriften gehört außerdem, Fleisch- und Milchprodukte strikt voneinander zu trennen. Orthodoxe jüdische Haushalte verfügen daher über zwei Kochgeschirre, ein Milchbesteck und ein Fleischbesteck.
Gregor Delvaux de Fenffe, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Jüdischer Alltag in Deutschland - Alles normal?, 28.05.2008








