Wissensfrage
Stimmt es, dass die großen Sportfirmen bedenkenlos Kinderarbeiter in ihren Produktionsbetrieben einsetzen?
Im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 1996 in England wurde bekannt, dass Sportartikelhersteller einen Großteil ihrer Fußbälle in Pakistan fertigen ließen und zahlreiche der dortigen Arbeiter Kinder waren. Es gab große Proteste, und der öffentliche Druck hat dazu geführt, dass viele Sportartikelhersteller ihre Produktionsbetriebe dazu anhalten, ohne Kinderarbeiter zu produzieren. Die meisten großen Sportartikelhersteller haben das Atlanta Agreement von 1996 unterzeichnet, das die Unterzeichnenden verpflichtet, keine Kinderarbeit in ihren Produktionsbetrieben zuzulassen. Die Vereinbarung wurde von UNICEF und der International Labour Organization ins Leben gerufen und hat zumindest bei der Fußballherstellung im Bereich der Markenprodukte zu großen Verbesserungen geführt.
Stimmt es, dass ein Verbot von Kinderarbeit die Lösung des Problems wäre?
Entsprechende Gesetze gibt es bereits in vielen Ländern. Allerdings lassen sich diese nur schwer durchsetzen und kontrollieren. Das Hauptproblem aber ist, dass die Kinder und ihre Familien häufig auf den Verdienst der Kinder angewiesen sind und ein Verbot ihnen die Lebensgrundlage rauben könnte. Daher ist es notwendig, Alternativen anzubieten. Zum Beispiel Übergangslösungen zu finden, in denen die Kinder nur einige Stunden am Tag arbeiten und in der restlichen Zeit zur Schule gehen können, damit sie eine gute Ausbildung bekommen. Zugleich müssten die Eltern bessere Löhne erhalten, damit sie es sich leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken.
Wie viele Kinder arbeiten in Deutschland?
In Deutschland jobben mehr als 700.000 Kinder. Nach einer Schätzung des Deutschen Kinderschutzbundes arbeitet rund die Hälfte aller Acht- bis Zehntklässler neben der Schule. Die Ansprüche und auch der Gruppendruck sind recht hoch. Die Hauptmotivation für deutsche Kinderarbeit ist meist der Wunsch, eigenes Geld zu besitzen und sich Konsumwünsche zu erfüllen. Die Eltern können oder wollen diesen Konsum nicht finanzieren. Die meisten der arbeitenden Kinder beschränken ihre Jobs nicht auf die Ferien, sondern arbeiten auch während der Schulzeit. Laut einer Studie der Universität Münster werden annähernd die Hälfte aller arbeitenden deutschen Kinder verbotenen Tätigkeiten beschäftigt, das heißt, sie verrichten zu lange, zu schwere oder zu gefährliche Arbeiten.
Stimmt es, dass Arbeit noch niemandem geschadet hat?
Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Kinder zu Hause ein wenig mithelfen oder sich anderswo ein kleines Taschengeld verdienen. Arbeit ist auch für Kinder grundsätzlich nichts Schlechtes und kann Kindern durchaus auch viel Spaß machen. Sie lernen neue Fertigkeiten, machen neue Erfahrungen und stärken ihr Selbstvertrauen. Und das erste selbstverdiente Geld ist eine großartige Sache. Viele Kinder lernen sich so auf ganz neue Weise als Teil der Gesellschaft zu verstehen.
Allerdings ist es sehr wichtig zu wissen, wie genau die Arbeit aussieht, die die Kinder leisten sollen. Kinderarbeit ist nach den Kriterien der UNESCO illegal und schädlich für Kinder, wenn sie den Kindern die Kraft und Zeit zum Lernen raubt und ihre körperliche, geistige oder seelische Entwicklung schädigt. Kinder dürfen nicht ausgebeutet oder gefährdet werden und sie dürfen nicht wegen der Arbeit ihre Ausbildung vernachlässigen. Auch brauchen Kinder neben der Schule Zeit zum Spielen und Erholen.
Das deutsche Kinderschutzrecht ist sehr streng und verbietet generell Kinderarbeit. Diese Bestimmungen sind nicht unumstritten. Es gibt auch Stimmen, so zum Beispiel die der "Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz", die die positiven Aspekte von Kinderarbeit betonen und sich gegen ein generelles Verbot von Kinderarbeit in Deutschland aussprechen.
Stimmt es, dass durch die Verbreitung von Kinderpornographie im Internet die Gefahr der sexuellen Ausbeutung für Kinder größer geworden ist?
Den Markt der Kinderpornographie gibt es schon seit vielen Jahren. Früher aber war der Zugang schwieriger und pornographische Bilder und Kontakte wurden nur unter der Hand vertrieben. Aus Angst, dabei erwischt und bestraft zu werden, mussten Käufer und Händler sehr vorsichtig sein. Heute erleichtert das Medium Internet den Tätern den Handel mit Kinderpornographie. Zwar sind weiterhin Verkauf und Besitz strafbar, aber durch die Anonymität des Internets ist die Hemmschwelle gesunken und das Material leichter zugänglich. Der Markt boomt, was dazu führt, dass die Händler immer mehr Kinder und Kinderbilder brauchen, um die steigende Nachfrage zu befriedigen. Auf diese Weise ist die Internetpornographie direkt dafür verantwortlich, dass die Zahl der missbrauchten Kinder weltweit jährlich steigt.
Stimmt es, dass man nichts gegen Sextouristen im Ausland unternehmen kann, die Kinder schänden?
Kinderrechte gelten weltweit und sexueller Kindesmissbrauch ist überall verboten. Deutsche Täter, die im Ausland Kinder missbrauchen, sind kriminell und können sowohl im Land des Opfers als auch im eigenen Heimatland dafür angeklagt und bestraft werden. Wer im Urlaub auf Anzeichen von Kindesmissbrauch stößt, sollte auf keinen Fall die Augen davor verschließen. Hilfsorganisationen raten, solche Vorfälle schriftlich festzuhalten und die Angaben über das Gesehene an die eigene Reiseleitung, an die deutsche Botschaft und an eine Kinderhilfsorganisation weiterzugeben. Außerdem sollte man, sofern das ohne eigene Gefährdung möglich ist, den Vorfall öffentlich ansprechen, um Täter und Umstehenden klar zu machen, dass Kindesmissbrauch ein Verbrechen ist. Je offener und je verbreiteter die öffentliche Ablehnung ist, desto unsicherer fühlen sich die Täter.
Stimmt es, dass Kinderprostituierte finanzielle Sicherheit erlangen?
Die meisten Kinderprostituierten werden von einem oder mehreren Zuhältern kontrolliert. Das verdiente Geld müssen sie abgeben und behalten – wenn überhaupt – nur einen geringen Betrag davon. Viele der Kinder werden von den Kinderhändlern unter falschen Versprechungen aus den Dörfern in die Städte geholt und dort zur Prostitution gezwungen. Die Bezahlung von Kinderprostituierten ist daher sicherlich keine Hilfe gegen Armut, sondern unterstützt kriminelle Syndikate, die dafür verantwortlich sind, dass jährlich über zwei Millionen Kinder neu in die Prostitution gezwungen werden. Ehemaligen Kinderprostituierten fällt es sehr schwer ihren eigenen Weg zu finden. Sie erleiden bleibende körperliche und seelische Schäden durch den sexuellen Missbrauch. Durch die fehlende Schul- und Berufsausbildung haben sie wenig Chancen als Erwachsene ihren Lebensunterhalt auf andere Weise als durch Prostitution und Aushilfsjobs zu verdienen.
Stimmt es, dass sexueller Verkehr mit Kindern in vielen Ländern eine Tradition ist?
Die UN-Konvention über die Rechte des Kindes schreibt vor, dass jedem Kind unter 18 Jahren Schutz vor sexueller Ausbeutung zusteht – ganz gleich, in welchem Land es lebt. 191 Staaten haben die UN-Konvention seit 1989 unterzeichnet und sich damit verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen und zu unterstützen, die helfen, Kinderprostitution und Kinderpornographie zu verhindern. Ursachen von Kinderprostitution sind fehlende Perspektiven und Armut. Traditionelles Verhalten spielt dabei höchstens in pervertierter Form eine Rolle, indem zum Beispiel in Thailand skrupellose Kinderhändler die traditionelle Dankespflicht von Töchtern zum Geschäftemachen ausnutzen. Zuhälter kaufen die Kinder ihren Eltern ab und setzen die Mädchen unter Druck, ihren Familien nicht durch Flucht zu schaden. Es gibt keine gesellschaftliche Tradition, die einen sexuellen Handel mit Kindern vorsieht. Allerdings verbreitet die kriminelle Kindersexindustrie den Irrglauben, dass Sex mit Kindern vor Aids schützt, den Mann verjüngt oder ihn reich machen wird. Nichts davon ist wahr – richtig ist allein, dass Kinder aller Länder durch sexuellen Missbrauch schwere dauerhafte Schäden an Leib und Seele erleiden.
Ulla Rehbein, Stand vom 14.11.2007



