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Interview: Handwerkstechniken

Wenn dem Handwerk der goldene Boden entzogen wird, stirbt es aus. Das war für viele alte Handwerke nach dem Zweiten Weltkrieg überall in Deutschland die Regel. Auf den Baustellen zogen moderne Produktionsverfahren ein. Doch dann stellte man fest, dass niemand mehr historische Bauten erhalten konnte. Unersetzliche Kulturgüter drohten ohne Experten für alte Techniken zu zerfallen. Wie diese Entwicklung gestoppt wurde, erläutert Dieter Gärtner. Er ist Geschäftsführer eines Fortbildungszentrums für handwerkliche Techniken.

Steinmetz bearbeitet Freske mit Presslufthammer. (Rechte: WDR/Paul Eckenroth)

Moderne Hilfsmittel und altes Handwerk schließen sich nicht aus

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Planet Wissen (PW): Herr Gärtner, Sie leiten als Geschäftsführer die Probstei Johannesberg, ein Fortbildungszentrum für handwerkliche Denkmalspflege. Was lernen die Handwerker bei Ihnen?

Dieter Gärtner (D.G.): Ab etwa 1970 erkannte man in Deutschland, dass bei Sanierungen historischer Gebäude immer wieder grobe Fehler gemacht wurden. Handwerker haben falsche Materialien verwendet oder falsche Techniken angewendet. Dies führte zu Konflikten mit den Zielen des Denkmalschutzes. Mitunter wurde mehr Historisches zerstört als erhalten. Es gab einfach zu wenige Handwerker, die die alten Techniken beherrschten und die mit den alten Materialien umgehen konnten. In dieser Situation entstand die Idee, fertig ausgebildeten Handwerkern die notwendigen theoretischen und praktischen Grundlagen zu vermitteln. Auf Initiative des "Zentralverbandes des Deutschen Handwerks" wurde zuletzt im Jahre 2000 die "Arbeitsgemeinschaft der Fortbildungszentren für handwerkliche Denkmalpflege" gegründet. Darin sind sechs große Bildungszentren vertreten. Diese bilden in jeweils mehreren Handwerken aus.

Historische Zeichnung: Zimmermann bearbeitet Balken. (Rechte: AKG)

Mittelalterliche Techniken sind wichtig für die Denkmalspflege

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PW: Welche Handwerker kommen zu Ihnen?

D.G.: Als Fortbildungszentrum richten wir unsere Angebote an ausgebildete Handwerker, die über Berufserfahrung verfügen und die Grundtechniken sicher beherrschen. Diese werden dann bei uns in Seminaren in den alten Handwerkstechniken unterwiesen und erhalten parallel dazu auch eine umfassende theoretische Ausbildung. Dafür können wir auf rund 100 externe Experten zurückgreifen. Diese Fortbildung ist nötig, um verantwortungsvoll mit wertvollen Denkmälern umzugehen. Am Ende verlassen uns die Handwerker als ausgebildete Restauratoren im Handwerk.

PW: Was sollen die Handwerker vor allem lernen?

D.G.: Ich denke, das Wichtigste ist wohl, die eigenen Grenzen zu erkennen. Jeder Handwerker versucht natürlich, im Markt zu überleben und seine Aufträge ordentlich zu erledigen. Bei uns lernen diese für die Denkmalspflege ausgebildeten Handwerker aber auch, dass man nicht jeden Auftrag übernehmen darf, wenn man nicht über das entsprechende Wissen verfügt. Sich selbst zurückzunehmen, um Kulturgüter nicht zu zerstören, ist nicht einfach. Über unsere Einrichtung versuchen wir Netzwerke zu bilden, wo sich der Handwerker die fehlenden Informationen besorgen oder auf die Hilfe von Experten zurückgreifen kann. Das hat sich bewährt.

Ein Schmied formt auf einem Amboss eine Eisenstange. (Rechte: Mauritius)

Auch Schmiede werden zu Restauratoren fortgebildet

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PW: Welche alten Handwerkstechniken werden bei Ihnen gelehrt?

D.G.: Dies sind vor allem die Bauhandwerke. Es geht in der Denkmalspflege ja vor allem um Bauten. Dazu gehören zum einen die Holz verarbeitenden Gewerke, also Zimmermann, Tischler und Schreiner. Die alten Techniken sind natürlich auch für Maurer, Maler und Steinmetze wichtig. Aber auch Schmiede kommen zu uns, denn Kunstschmiedearbeiten finden sich ja an allen historischen Gebäuden. All diese Handwerke greifen oftmals ineinander über. Daher bieten wir auch fachübergreifende Seminare an.

PW: Was ist für Sie das Besondere an alten Handwerken?

D.G.: Der Handwerker ist sehr stark mit den verarbeiteten Materialien verbunden. Zwar gibt es auch heute im Handwerk moderne Geräte. Aber das Besondere ist die direkte Auseinandersetzung mit dem Material und mit dem, was daraus entsteht. Das führt zu einer besonders hohen Identifikation mit der Arbeit. Allerdings arbeiten viele Handwerker heute mit genormten Teilen. Aber die, die zu uns kommen, suchen nicht zuletzt die Herausforderung mit den Materialien. Diese Erfahrungen kann man nicht einfach mit einfachen Rezepten vermitteln. Jedes spezielle Problem erfordert einen individuellen Weg zur Lösung. Und das macht für viele Handwerker ihren Beruf so spannend. Man lernt nie aus.

Wandernde Gesellen mit Umhängetasche in freier Natur. (Rechte: Mauritius)

Heute müssen Handwerksgesellen nicht mehr wandern, um sich fortzubilden

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PW: Sehen Sie die Zukunft des Handwerks als gesichert? Was würden Sie angehenden Handwerkern empfehlen?

D.G.: Ein Handwerker sollte eine sehr gute Ausbildung anstreben und sollte darauf achten, dabei auch die gesamte Bandbreite seines Handwerks kennenzulernen. Früher geschah das dadurch, dass die Handwerksgesellen auf Wanderschaft gegangen sind und dadurch die verschiedenen Aspekte ihres Handwerksberufes kennenlernten. Auf keinen Fall sollte man sich sehr früh spezialisieren. Heute lernen Handwerker leider oftmals in Betrieben, die nur ein Produkt herstellen, etwa Fenster. Da bleibt die Vielfalt des handwerklichen Könnens natürlich auf der Strecke. Eine umfassende, breite Ausbildung, ergänzt mit Spezialkursen, etwa in Denkmalspflege, ist die beste Zukunftsinvestition für einen Handwerker. Wer sich danach erst spezialisiert, kann sich bei einer Veränderung des Marktes auf andere Bereiche verlegen. Man muss natürlich seine Arbeit gut machen.

Vladimir Rydl, Stand vom 16.05.2008

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