Die ältesten Handwerke
Steinmetze
Die Pyramiden in Ägypten, die Statuen der Kaisergräber in China und die Ruinen der Antike sind steinerne Zeugen für dieses Handwerk, das mindestens fünf Jahrtausende in die Vergangenheit reicht. Für all diese Bauwerke wurden bereits hauptberufliche Steinmetze benötigt, die ihre Kunst auf hohem Niveau ausübten. In Mitteleuropa gewann nach dem Untergang des Römischen Reiches die Steinbearbeitung erst im 8. Jahrhundert wieder höhere Wertschätzung. Das Berufsbild des Steinmetzen bildete sich hierzulande erst wieder im 12. Jahrhundert mit den ersten Steinhauerzünften heraus. Diese Handwerkervertretungen bestimmten die Ausübung des Handwerks bis in die Neuzeit.
Korbmacher
Das Flechten von Körben aus dünnen Holzzweigen dürfte zu den ältesten handwerklichen Tätigkeiten des Menschen gehören. In den Trockengebieten des Nahen Ostens wurden rund 12.000 Jahre alte Körbe gefunden. Die Korbmacherei soll Experten zufolge auch älter als das Töpfern sein. Denn die ersten Töpferwaren entstanden aus mit Lehm abgedichteten Körben, die versehentlich im Feuer gebrannt und dadurch stabil wurden.
Trotzdem ist es nicht einfach, in Mitteleuropa den Beginn der Korbmacherei als vollwertigen Beruf festzulegen. Korbflechten ist das Handwerk, das am wenigsten Spezialwerkzeuge benötigt. Im bäuerlichen Umfeld wurden einfache Körbe bis in die neuere Zeit selbst gefertigt. Teilweise verdienten sich die Bauern ein Zubrot als Heimarbeiter. Hauptberufliche Korbflechter, organisiert in Zünften, sind erst seit dem 16. Jahrhundert belegt - eine Folge des Aufstiegs der Städte und des daraus steigenden Bedarfes an Körben. Denn bis zur Erfindung des Plastiks gehörten Körbe zu den wichtigsten Behältern, in denen man Dinge aufbewahrte.
Schmied
Die Verarbeitung von Metallen ist eine der wichtigsten Kulturleistungen des Menschen. In Ägypten und Indien sind geschmiedete Werkzeuge schon vor mehr als 5000 Jahren entstanden. Anfangs bestanden diese aus Kupfer oder Bronze. Etwa ab 1200 vor Christus konnten Schmiede auch Eisen verarbeiten. Die Verarbeitung von Metallen war von Anfang an Spezialisten vorbehalten. Das Geheimnis seiner Herstellung wurde gewahrt und über Generationen in Familien weitergegeben. So dürften die Schmiede wohl zu den Handwerkern gehören, die als erste hauptberuflich tätig waren. Seit dem Mittelalter spezialisierten sich die Schmiede immer mehr. Waffenschmiede, Messer- und Nagelschmiede waren nur einige der Spezialisten des sich immer weiter verästelnden Berufszweiges. Dagegen war der Dorfschmied bis ins 20. Jahrhundert hinein aus keinem Dorf wegzudenken. Ein Alleskönner, der von Werkzeugen bis zu den Ackergeräten alle benötigten Metallgegenstände herstellte und sogar für den Hufbeschlag zuständig war.
Müller
Seit 6000 Jahren baut der Mensch Getreide an. Und mindestens so lange stellt sich ihm das Problem, die schwer verdaulichen Körner vor der Zubereitung zu mahlen. Schon in der Antike kamen dafür erste Großmühlen auf, die den Mehlbedarf der Städte befriedigen konnten. Die Römer nutzten für den Antrieb der Mühlen nicht nur Tiere, sondern auch die Wasserkraft. Im Mittelalter kamen in Europa dann die ersten Windmühlen auf. Mit den Großmühlen entstand auch das Handwerk des Müllers. Müller waren oftmals überaus wohlhabend, mitunter sogar vor Konkurrenz durch den sogenannten Mühlenbann geschützt, der den Bau weiterer Mühlen in der Umgebung verbot. Vererbt wurden Mühlen immer nur an den ältesten Sohn, da man Mühlen nicht wie Ackerland aufteilen konnte. Zünfte bildeten die Müller erst im 17. Jahrhundert.
Maurer
Wie die Steinmetze waren auch die Maurer bereits beim Bau der Pyramiden beteiligt. Damit gehören auch sie zu den ältesten Handwerkern. Diese lange Tradition bestand in vielen Ländern auch fort. Die römischen Aquädukte, errichtet von Maurern, zeugen bis heute von der hohen Kunst der antiken Handwerker. Deutschland war für das Maurerhandwerk lange weniger bedeutend. Gebäude wurden meist im Fachwerk aus Holzbalken errichtet. Die Wände bestanden aus Flechtwerk, das mit Lehm bestrichen war. Maurer sind hierzulande erstmals im 7. Jahrhundert wieder belegt, vom 13. Jahrhundert an auch in Zünften organisiert. Erst nach dem 17. Jahrhundert kamen gemauerte Gebäude, etwa aus Ziegelsteinen, wieder mehr in Mode.
Vladimir Rydl, Stand vom 30.12.2010









