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Stimmt es, dass traditionelle Handwerke als Kulturgut bewahrt werden?

Industrialisierung und Globalisierung verändern unsere Lebensweise schneller als jemals zuvor in der Geschichte. Was früher noch alltäglich war, ist heute oftmals schon in Vergessenheit geraten. Ob Gebäude oder Lebensweisen, kaum jemand kann sich noch vorstellen, wie man vor 100 Jahren lebte. Vieles, was die Entwicklung unserer Kultur prägte, droht dadurch verloren zu gehen. Diese Wurzeln zu dokumentieren, ist Aufgabe der wissenschaftlichen Volkskunde. Sie versucht Lebensumstände exakt zu beschreiben. Aber es gibt auch Dinge, die nicht in Büchern oder Dokumentarfilmen überliefert werden können. Gebäude oder handwerkliche Fertigkeiten müssen anders bewahrt werden. Als in den Wirtschaftswunderjahren auch die letzten historischen Bauernhöfe abgerissen werden sollten, wurden sie Stein für Stein abgebaut und in sogenannten Freilichtmuseen wieder aufgebaut und gerettet.
Die ländliche Kultur besteht aber nicht nur aus idyllischen Gebäuden. Um solche toten Gebäude am Leben zu erhalten, werden diese wenigstens zum Teil auch weiter genutzt. Vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen finden oftmals in solchen Museen ein letztes Refugium. Ein Genpool, dessen Wert man für zukünftige Züchtungen gar nicht hoch genug einschätzen kann.

Ein Mann flicht den kreisrunden Boden eines Korbes. Im Hintergrund viele Körbe. (Rechte: dpa)

Handwerke wie das Korbmachen werden in Museen bewahrt

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In solchen Museen werden nicht nur alte Haustierrassen am Leben erhalten, sondern auch Berufe, die in der freien Wirtschaft kaum eine Chance hätten. Dies gilt vor allem für Tätigkeiten, die einstmals für ganze Regionen besonders wichtig waren. Am Niederrhein etwa prägte früher die bäuerliche Heimarbeit der Korbmacher ganze Landstriche. Kopfweiden als Rohstoffquelle für die Körbe wuchsen allerorten. Daher findet man im Rheinischen Freilichtmuseum Kommern neben anderen Handwerkern auch Korbmacher, die die regional typischen Handwerkstechniken weiterpflegen. Diese speziellen Techniken sind ein Kulturgut, das über Jahrhunderte angesammelt wurde. Nur durch die regelmäßige Anwendung und Weitergabe kann dieses Wissen erhalten bleiben. Und so begegnet man in Museen nicht nur Ausstellungsstücken, sondern auch fest angestellten Handwerkern. Sie ermöglichen es, die ganze Vielfalt der handwerklichen Arbeit live mitzuerleben. Und die meist außerordentlich hochwertigen Produkte werden im Museum auch verkauft.

Vladimir Rydl, Stand vom 30.12.2010

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