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Peter Conradi - Architekt und Politiker

"Wir dachten, man könne Wohnungen ebenso von der Stange produzieren wie AEG Kühlschränke und VW Käfer," sagt Peter Conradi im Rückblick auf die 1950er Jahre. 1948 war er mit seinen Eltern in das zerstörte Stuttgart gezogen – damals 16 Jahre alt. Aus einer Architektenfamilie stammend, beschloss auch er, Architekt zu werden: "Es lag einfach nahe, wir haben zu Hause viel über Architektur gesprochen. Aber sicher spielte auch die Zerstörung im Nachkriegsdeutschland eine Rolle."

Peter Conradi (Rechte: SWR)

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"Zum Glück waren wir damals unterlegen!"

1953 schrieb er sich an der Technischen Hochschule in Stuttgart ein. Nach dem Studium machte Peter Conradi Karriere als Architekt und Politiker, war Leiter des Staatlichen Hochbauamtes in Stuttgart, lange Jahre Abgeordneter im Bundestag und bis 2004 Präsident der Bundesarchitektenkammer.

Schwarzweißaufnahme des Stuttgarter Kaufhauses "Schocken" (Rechte: SWR)

Der Abriss des Stuttgarter Kaufhauses Schocken

An den Wiederaufbau von Stuttgart in den 1950er Jahren kann er sich noch lebhaft erinnern, genauso wie an die zahlreichen Planungen, Wettbewerbe und Konzepte. Wie Stuttgart in Zukunft aussehen sollte, darüber diskutierten Studenten, Planer, Bürger und Politiker. Die Debatte um den Wiederaufbau des Neuen Schlosses erhitzte damals die Gemüter. Wie viele Studenten und Architekten fand auch Peter Conradi, ein Schloss sei Zeichen des Absolutismus und habe in einer Demokratie nichts mehr verloren. Heute sieht er das anders: "Zum Glück waren wir damals unterlegen!" Das Schloss wurde rekonstruiert, heute sind verschiedene Ministerien darin untergebracht.

Gegen den Abriss des Stuttgarter Kaufhauses "Schocken", ein Werk des Architekten Erich Mendelsohn, hat Conradi protestiert. Dieser wunderschöne Bau der Moderne sollte einer Straßenverbreiterung zum Opfer fallen: "Wir waren alle empört über dieses Vorhaben, das war eine Schande für Stuttgart." Doch allen Protesten zum Trotz wurde der Mendelsohn-Bau abgerissen. An derselben Stelle steht heute das Kaufhaus Horten, entworfen von Egon Eiermann.

Blick von unten auf die Wohnanlage "Romeo" mit den für Hans Scharoun typischen spitzen Balkonen (Rechte: SWR)

Hier würde auch Conradi gern wohnen: Wohnhaus "Romeo" in Stuttgart

"… nicht alles gut, nur weil es alt ist"

Heute sind einige Bauwerke der 1950er Jahre selbst schon Denkmäler. Allerdings ist "ja nicht alles gut, nur weil es alt ist", meint Conradi. "Was erhaltenswert ist, darüber sollten wir uns schon ein paar Gedanken machen." Hans Scharouns Wohnanlage "Romeo und Julia" in Stuttgart-Rot gehört sicherlich dazu. In diesem Baudenkmal der 1950er würde Peter Conradi selbst gerne wohnen.

Claudia Heidenfelder, Stand vom 01.06.2009

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