Katastrophenmanagement
Der Manager im Chaos
Gleich nach dem Erdbeben in Pakistan, nach dem Tsunami in Thailand oder nach dem Krieg in Georgien werden sie gerufen: die Helfer vom Technischen Hilfswerk, vom Deutschen Roten Kreuz und all den anderen Hilfsorganisationen.
Der Weltkatastrophenbericht zählte für das Jahr 2007 weltweit 657 Katastrophen. 200 Millionen Menschen waren die Opfer dieser Katastrophen. Der Zyklon Sidr in Bangladesh war 2007 die schlimmste aller Katastrophen: Über 4200 Menschen fanden den Tod. Jede Katastrophe fordert Menschenleben und jede Katastrophe hinterlässt Chaos und Leid.
Heldengeschichten
Die Hilfsorganisationen haben ein ehrenhaftes Ziel: Sie wollen helfen. Manchmal schießen sie dabei aber übers Ziel hinaus. Nach dem Tsunami in Thailand waren am Ende über 2000 internationale Organisationen vor Ort, dazu gab es eine fast genauso große Zahl einheimischer Helfer, aber niemanden vor Ort, der alle koordiniert hat. Es waren die Eindrücke der vielen dramatischen Bilder, die viele Helfer ins Katastrophengebiet getrieben haben. Oft fehle es den Freiwilligen aber an der passenden Ausbildung, klagt der Unfallchirurg und Katastrophenhelfer Richard Munz.
Es ist ein Imageproblem, sagt er. In Deutschland setze man auf ehrenamtliche Freiwillige und nicht auf professionelle bezahlte Katastrophenhelfer. Es passt nicht ins Bild, dass der Held vor Ort für seine Arbeit bezahlt wird. Oft überrennen die Helfer die Einheimischen vor Ort, arbeiten nicht zusammen, sondern sind die großen Retter, die kommen um den Ärmsten der Armen zu helfen. Richard Munz rechnet auch den Medien einen Anteil daran zu. Sie berichten einseitig, dramatisch und manchmal auch fern der Realität. So wird ein falsches Bild aufgebaut und fast jedes Erdbeben oder jede Flutwelle zur Jahrhundertkatastrophe, manche hilfsbedürftige Länder und Regionen aber zu vergessenen Regionen. Sein Wunsch: Das muss sich ändern, damit im Katastrophenfall sinnvoll und koordiniert geholfen werden kann.
Die Liste der vergessenen Katastrophen
Jedes Jahr stellt die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" eine Liste der Länder zusammen, die von den Medien vernachlässigt und damit oft auch von den Spenden ausgeschlossen werden. Der "Tyndall Report" zeigt, worüber berichtet wird und welche Länder in der Berichterstattung nicht vorkommen. 2007 berichteten die amerikanischen Sender zum Beispiel insgesamt 13.800 Minuten, davon nur 18 Minuten über das Leid in Afrika, Sri Lanka oder Birma.
Das ist in Deutschland nicht anders, laut der Organisation "Ärzte ohne Grenzen". Simbabwe zum Beispiel fände in den Medien kaum Beachtung. Präsident Robert Mugabe hatte das Land abgeschirmt, Journalisten kamen nicht hinein. Die Lage ist aber dramatisch. Arbeitslosigkeit, Inflation und fehlende Nahrung treiben die Menschen in den Ruin. Fast zwei Millionen Simbabwer haben das Aidsvirus, aber die meisten von ihnen bekommen keine Medikamente oder medizinische Behandlung: Sie sterben deswegen.
Ein weiteres Beispiel ist Somalia. Auch über dieses Land wird kaum berichtet und deswegen wenig gespendet. Somalia ist schon das siebte Mal auf der Liste. Es herrscht Bürgerkrieg, Kinder werden zu Kindersoldaten ausgebildet, die Menschen haben weder Essen noch genug Kleidung oder medizinische Versorgung. Viele Krankenhäuser sind im Bürgerkrieg zerstört worden und die Behörden blockieren die ausländischen Hilfsorganisationen. Ähnlich klingen die Bedingungen in den anderen Ländern auf der Liste. Birma, Tschetschenien, Mosambik - die Liste der Länder, die sich im Grunde mitten in einer Katastrophe befinden, aber kaum Hilfe bekommen, ist lang.
Petra Haubner, Stand vom 28.01.2009
Sendung: Katastrophenhilfe - Einsatz im Chaos, 07.09.2009






