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Kinderdörfer

Aufwachsen in einer Familie, diese Chance soll jedes Kind haben. Mit diesem Grundgedanken wurde 1949 das weltweit erste und 1956 das erste deutsche SOS-Kinderdorf eröffnet. Heutzutage gibt es die Einrichtung in über 100 verschiedenen Ländern. In jedem Dorf leben Kinderdorfmütter, die sich jeweils um mehrere Kinder kümmern, welche entweder kein Zuhause mehr haben oder dort nicht mehr bleiben konnten.

Eine asiatische SOS-Kinderdorffamilie lächelt in die Kamera. (Rechte: dpa)

In mehr als 100 Ländern gibt es SOS-Kinderdörfer

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Das Recht auf eine Familie

Jedes Kind hat das Recht auf eine Familie - davon war der Vater der SOS-Kinderdorf-Idee Hermann Gmeiner überzeugt. Als er 1949 das erste SOS-Kinderdorf gründete, wollte er vor allem Kriegswaisenkindern eine neue Familie und ein neues Zuhause geben. Da es aber weltweit viele Kinder gab, die keine Familien haben, welche ihnen die Geborgenheit und Sicherheit geben, um sich gesund entwickeln zu können, beschlossen Hermann Gmeiner und seine Unterstützer, ihre Idee auszubauen.

Das Ziel der SOS-Kinderdorf-Idee ist, Jungen und Mädchen weltweit die Möglichkeit zu geben, in einer Familie aufzuwachsen. Dazu gehört eine Mutter, die sich rund um die Uhr um die Kinder kümmert, Geschwister, mit denen sie spielen, lachen und streiten können wie in einer richtigen Familie, ein Haus und ein Dorf. Diese Eckpfeiler, so glaubte Hermann Gmeiner, sind für alle Kinder wichtig, um Vertrauen in sich selbst und in das Leben aufbauen zu können. Für den Gründer der Kinderdörfer galt zeitlebens, dass Kinder die Zukunft sind und jedes Kind der Welt ein Recht auf eine Familie hat, um als Erwachsener lebensfähig zu sein.

Eine Mutter hält ein Kind zärtlich im Arm. (Rechte: dpa)

Eine Familie soll jedes Kind im Kinderdorf finden

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Eine liebende Mutter

Das Herz der SOS-Kinderdorf-Idee ist die Kinderdorfmutter. Sie lebt mit fünf bis zehn Kindern in einem Haus zusammen. Dabei ist das wichtigste Gebot, dass sie ihre Kinder nicht nur aufnehmen, sondern vor allem ganz annehmen soll. Dies ist eine schwierige Herausforderung für die Kinderdorfmütter. Denn die Kinder, die zu ihnen kommen, haben schlimme Erlebnisse hinter sich: Die Eltern starben oder sind durch Krankheiten, Drogenmissbrauch und andere eigene Probleme nicht in der Lage, sich um ihre Kinder zu kümmern. Kinder, die in eine SOS-Kinderdorffamilie kommen, sind traurig, wütend, seelisch und/oder körperlich misshandelt. Die Kinderdorfmutter soll ihnen helfen, sich geborgen und sicher zu fühlen - oftmals zum ersten Mal in ihrem Leben. Die Kinderdorfmutter soll den Kindern Vertrauen geben und Bezugsperson werden. Mit der Unterstützung von Pädagogen und Psychologen sollen die Kinder lernen, ihre Sorgen, Nöte und Erlebnisse der Vergangenheit zu verarbeiten. Um diese schwierige Aufgabe meistern zu können, haben alle Kinderdorfmütter eine sozialpädagogische Erzieherinnenausbildung.

Eine Schulklasse in Asien (Rechte: dpa)

In vielen Ländern gibt es auch Hermann-Gmeiner-Schulen

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Mehr als ein Dorf

In jedem SOS-Kinderdorf gibt es um die zehn Kinderdorffamilien. Kinder, die in der Kinderdorffamilie leben, bleiben dort dauerhaft, bis sie erwachsen sind, da sie keine eigene Familie mehr haben. Das war schon zur Zeit der Gründung so. Aber die SOS-Kinderdorf-Idee entwickelte sich weiter. In vielen Ländern sind heute so genannte Sozialwaisen das Hauptproblem. Damit sind Kinder gemeint, die große Schwierigkeiten in ihrer Familie haben. So wurde es gesellschaftlich immer notwendiger Familienprobleme zu lösen mit dem Ziel, dass die Kinder nach einer Zeit wieder zurück zu ihren Eltern können. Über die Jahre entstanden in den SOS-Kinderdörfern viele weitere Angebote für Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Zum Beispiel gibt es Kinder- und Jugendwohngruppen. Dort werden kurz- und mittelfristig Jugendliche aufgenommen, die in Notsituationen sind. Das Ziel dieser Wohngruppen ist es, die Kinder und ihre Familien wieder zusammen zu bringen. Damit dies auch klappt, verpflichten sich die Jugendlichen und ihre Eltern an pädagogischen und psychologischen Betreuungsprogrammen teilzunehmen, um ihre Probleme zu lösen. Außerdem gibt es je nach Bedarf Kindergärten, Schulen und medizinische Zentren in den Dörfern. Somit wirkt ein SOS-Kinderdorf auch in seine Umgebung. Manchmal gibt es in einem Land zu wenig Schulen oder die medizinische Versorgung ist ungenügend. Durch die zusätzlichen Einrichtungen unterstützt das SOS-Kinderdorf nicht nur die Familien im Dorf, sondern oftmals eine ganze Region.

Marika Liebsch, Stand vom 28.02.2008
Sendung: Kinderdörfer - Das Glück in der neuen Familie, 09.09.2005

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