Der Alternative Nobelpreis
Jakob von Uexkülls Idee
Mit dem Alternativen Nobelpreis sollten weltweit Menschen und Initiativen ausgezeichnet werden, die mit ihren Problemlösungen zu einer besseren, nachhaltigen Welt beitragen, so von Uexkülls Idee. Dabei sollte es sich jedoch nicht nur um jene handeln, die ohnehin schon im Rampenlicht stehen, sondern auch um Menschen, die unbeachtet von Medien, Politik und Öffentlichkeit Großes leisten. Ob es sich dabei um Verdienste in den Bereichen Ökologie, Frieden, Bildung, Energie, Gesundheit, Ernährung, indigene Völker oder anderes handeln sollte, dies ließ die Stiftung bewusst offen. Sie will auch Lösungsansätze ehren, die in keine bestimmte Schublade passen – unkonventionelle Ideen, kleine Projekte mit großer Wirkung.
Die Preisvergabe
1980 wurde der Preis zum ersten Mal vergeben – damals noch in einer angemieteten Halle. Doch bereits fünf Jahre später erhielt die Stiftung eine Einladung, den anfangs belächelten Preis nun im schwedischen Reichstag zu verleihen. Dort werden die Preisträger seither jedes Jahr ausgezeichnet, nur wenige Tage, bevor die Nobelstiftung ihrerseits die Nobelpreise vergibt. Darüber, wer den Preis zugesprochen bekommt, befindet eine internationale Jury. Bis zum Jahr 2010 war der Right Livelihood Award an 141 Menschen und Organisationen aus 59 Ländern vergeben worden.
Der Preis
Auch die Träger des Alternativen Nobelpreises erhalten zusammen mit der Auszeichnung Geld – allerdings ist die Summe nicht ganz so üppig wie beim "„richtigen" Nobelpreis. Im Jahr 2010 wurden 200.000 Euro vergeben, die unter den Preisträgern aufgeteilt wurden. Das Geld steht ihnen nicht für persönliche Zwecke zur Verfügung, sondern soll ihre Arbeit unterstützen. Die ursprüngliche Stiftungssumme ist natürlich längst aufgebraucht. Heute wird der Right Livelihood Award aus privaten Spenden finanziert. Außerdem gibt es fast jedes Jahr einen Ehrenpreis, der undotiert ist.
Preis mit "Nebenwirkungen"
Viel wichtiger als das Geld ist in manchen Fällen allerdings die Tatsache, dass viele der bislang unbekannten Preisträger internationale Bekanntheit erlangen und folglich bei ihrer Arbeit und in ihren Heimatländern plötzlich ernst genommen werden. Manch andere schützt die plötzliche Bekanntheit gar vor Verfolgung, denn nicht immer machen sich die Preisträger mit ihren Projekten beliebt, beispielsweise wenn es um Menschenrechte, Umweltschutz und ähnliche Themen geht. Die Aufmerksamkeit, die die Preisträger und ihre Tätigkeit erhalten, trägt auch wesentlich dazu bei, dass praktische Problemlösungen bekannt werden, die sich auch andernorts anwenden lassen.
Die Kandidaten
Noch ein wesentlicher Punkt unterscheidet den Alternativen Nobelpreis von seinem Namensvetter: Jeder hat das Recht, einen anderen Menschen oder eine Organisation für den Preis vorzuschlagen. Dadurch erhalten auch wenig bekannte Projekte aus Entwicklungsländern eine effektive Chance auf den Preis. Die Richtlinien für die Einreichung eines Vorschlags stehen öffentlich auf der Website der Stiftung, die jährlich zwischen 70 und 100 Kandidaten genannt bekommt. Mitarbeiter der Stiftung prüfen die Vorschläge und geben sie dann an die internationale Jury weiter. Einer der wenigen Menschen weltweit, die keine Vorschläge machen dürfen, ist übrigens der Gründer Jakob von Uexküll selbst. Er ist Mitglied der zwölfköpfigen Jury, die ausschließlich über die Vergabe des Preises an einen oder mehrere Kandidaten entscheiden darf.
Preisträger
Die ersten Preisträger des Alternativen Nobelpreises waren 1980 der US-Amerikaner Stephen Gaskin mit seiner Hilfsorganisation „Plenty International“ für ihre Arbeit mit Bedürftigen in den USA und anderen Ländern. Zweiter Preisträger war der ägyptische Architekt Hassan Fathy für seine traditionellen Lehmziegelhäuser, die auch für arme Menschen erschwinglich sind.
In den folgenden Jahrzehnten gab es Auszeichnungen unter anderem für: Kampf für Konsumentenrechte; vorbildliche Bildungsmodelle; Bewahrung genetischer Ressourcen in der Landwirtschaft der Dritten Welt; für Forschungen zu Ursachen des Hungers; Projekte im Bereich alternativer Energien; Freiheits- und Menschenrechtskämpfer; mutigen Journalismus und vieles mehr.
Unter den Preisträgern finden sich – im Unterschied zum Nobelpreis – viele Frauen sowie viele Menschen und Organisationen, deren Namen kaum einer kennt. Dennoch erhielten seit Beginn auch zahlreiche Prominente die Auszeichnung, meist den undotierten Ehrenpreis. Zu ihnen gehörten die schwedische Schriftstellerin Astrid Lindgren, die deutsche Grünen-Politikerin Petra Kelly, der Solarenergie-Experte Hermann Scheer, der Zukunftsforscher Robert Jungk sowie Bianca Jagger wegen ihres Einsatzes für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz.
Eine besondere Preisträgerin ist die kenianische Wissenschaftlerin Wangari Maathai: 1984 erhielt sie für die Gründung des Aufforstungsprojekts „Green Belt Movement“ den Alternativen Nobelpreis. Genau 20 Jahre später durfte Maathai erneut nach Stockholm reisen: Dieses Mal bekam sie für ihren Einsatz für „nachhaltige Entwicklung, Frieden und Demokratie“ eine der höchsten Auszeichnungen, die weltweit vergeben werden: den Friedensnobelpreis.
Martina Frietsch, Stand vom 24.11.2010
Sendung: Die Geschichte der Nobelpreise - Von Fortschritt, Geld und Ehre , 09.12.2010







