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Kunstfälscher

Mit Kunst lässt sich Kasse machen, das wissen nicht nur Auktionshäuser, sondern auch Diebe und Fälscher. Jedes zweite bis dritte Kunstwerk auf dem Markt soll gefälscht sein, behaupten Kriminalisten. In Deutschland werden von alten Meistern bis Pop-Art täglich sieben Kunstobjekte gestohlen. Geraubt wird quasi nach Katalog. Die Schadenssummen sind enorm und übertreffen jeden gewöhnlichen Bankraub. Laut Interpol rangiert der Kunstraub nach Drogen- und Waffenhandel ganz oben auf der Liste der lukrativen Verbrechen.

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Diebstahl auf Bestellung

Spektakulär und oft mit Waffengewalt verläuft der Kunstraub. Ähnlich wie in Kriminalfilmen dringen die Räuber in ein Museum ein, holen in Sekundenschnelle die Bilder von der Wand und fahren mit ihrem Fluchtauto davon. Aber auch der unauffällige Dieb, der ein wertvolles Werk unter seinem Pullover verschwinden lässt und damit aus dem Museum spaziert, ist keine Seltenheit. Die meisten Kunstdiebe arbeiten auf Bestellung für einen Auftraggeber, der für die Diebesbeute gut bezahlt. Die heiße Ware lässt sich meist nur auf dem Schwarzmarkt verkaufen, auf dem legalen Kunstmarkt gibt es kaum Absatzmöglichkeiten.

Raffaels Gemälde Madonna Esterhazy. (Rechte: Imago)

"Madonna Esterhazy"

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Immer häufiger kommt es deshalb zum "artnapping". Die Kunsträuber vereinbaren mit den Museen oder den Versicherungen eine Lösegeldsumme, für die diese das entwendete Bild zurückkaufen können. Meist beträgt die Lösegeldforderung rund zehn Prozent des Marktwertes. Und die Versicherungen zahlen gerne, schließlich wären die Schadensersatzforderungen der Eigentümer noch weitaus höher. Selten, aber keine Phantasiegestalt ist der einsame Kunstliebhaber, der ein Bild stehlen lässt, um es alleine in den eigenen vier Wänden betrachten zu können. Bekannt wurde der Fall des griechischen Industriellen, der 1984 die “Madonna Esterhazy“ von Raffael aus dem Jahre 1508 aus einem Budapester Museum stehlen ließ und das Bild in seiner Villa aufhängte.

Die Terrakotta-Armee in der Provinz Shaanxi. (Rechte: Mauritius)

Die berühmte Terrakotta-Armee

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Beutekunst

Weltweit verschwinden Kunstschätze aus Museen, Kirchen und Klöstern. Meist begünstigen politisch instabile Verhältnisse oder Kriegswirren die Kunstdiebstähle. Trauriger Höhepunkt in Sachen Beutekunst der letzten Jahre war die Plünderung des irakischen Nationalmuseums in Bagdad. Professionelle Banden raubten insgesamt 170.000 Kunstwerke in Milliardenhöhe und schafften die Kunstschätze auf dubiosen Wegen aus dem Land. In Europa tauchen dann die Kunstwerke aus dem Zweistromland immer wieder bei Händlern auf.

Besonders schwer zu beschützen sind antike Gräberfelder. Aufgrund ihrer eindrucksvollen Geschichte und kulturellen Vergangenheit verfügen vor allem Ägypten und Italien über viele "Bodenschätze" dieser Art, entsprechend groß ist dort auch das Problem mit Grabräubern. Während der Diebstahl eines Bildes oder einer Skulptur meist schnell bemerkt wird, ist nur schwer zu erahnen, was sich einst unter der Erde befand. Experten schätzen, dass die meisten antiken Kunstschätze in chinesischer Erde schlummern. Die Provinz Shaanxi, in der die legendären Tonsoldaten gefunden wurden, ist reich an unterirdischen Kulturgütern. Meist sind es Bauern, die beim Pflügen ihrer Felder auf die Kulturschätze stoßen. Oft befürchten die Bauern, dass der Staat ihren Fund enteignet und dafür keinen Finderlohn auszahlt. So gelangen die Kunstgegenstände über Zwischenhändler auf den illegalen Kunstmarkt. Die Nachfrage nach chinesischen Kulturgütern ist nach wie vor ungebrochen.

Das Gemälde zeigt in der Mitte zwei Männer in Uniform. Im Hintergrund stehen viele weitere Männer in verschiedenen Uniformen; sie sind teils mit Gewehren bewaffnet. (Rechte: Interfoto)

Ein echter Rembrandt?

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Fälschungen

Schätzungen gehen davon aus, dass sich in der Kategorie Radierung, Druck und Lithografie zwischen 40 und 50 Prozent Fälschungen auf dem Kunstmarkt befinden sollen. Bei Ölgemälden sind es zirka zehn Prozent weniger. Mit Vorliebe werden die Künstler der klassischen Moderne gefälscht. Die Liste der Fälschungen führen Werke von Pablo Picasso, Joan Miró und Marc Chagall an. In Deutschland sind es vor allem die Werke der expressionistischen Maler Erich Heckel, Otto Müller oder Ernst Ludwig Kirchner, die Fälscher auf den Plan rufen. Sehr beliebt sind auch Werke von Pop-Art Künstlern wie Roy Lichtenstein und Andy Warhol. Die Fälschungen müssen nicht perfekt sein, sondern allein dem Auge des Betrachters genügen. Wenn das Bild keinen Verdacht erregt, gibt es auch keine Überprüfung, und die Fälschung bleibt unbemerkt im Museum hängen oder wird auf dem Kunstmarkt weiter gehandelt.

Fälschung ist nicht gleich Fälschung. Experten unterscheiden zwischen alten Arbeiten, die von einem weniger bekannten Maler stammen, aber einem berühmten Künstler zugeschrieben werden. So stammt das Bild zum Beispiel aus dem 17. Jahrhundert, ist aber kein echter Rubens oder Rembrandt, sondern die Arbeit eines Schülers. Möglich ist auch, dass das Bild eines unbekannten Malers teilweise verändert wird und schließlich einem bekannten Künstler zugeschrieben wird. Meistens handelt es sich aber um Totalfälschungen, dann werden massenhaft hoch dotierte Werke inklusive Signatur eines Künstlers reproduziert und als Original auf den Kunstmarkt gebracht. Der Namenszug trennt die legale Kopie von der Fälschung. Erst 70 Jahre nach dem Tode eines Künstlers ist es erlaubt sein Werk zu kopieren, allerdings muss das Bild als Kopie erkennbar bleiben.

Dubiose Kunstgeschäfte

Der Kunstbetrug kennt keine Grenzen. So ist der Fall bekannt, dass gefälschte Bilder als Gegenwert für einen hohen Bankkredit im Tresor des Bankhauses hinterlegt wurden. Nachdem die zweite Rate des Kredites ausblieb, flog meist der Betrug auf und das Bild im Tresor stellte sich als Fälschung heraus. Aber auch Kriminelle im Umkreis der Mafia nutzen wertvolle Kunstgegenstände als Rückversicherung ihrer Drogengeschäfte. Der Lieferant von Rauschgift erhält als eine Art Pfand für seine Ware ein etwa gleich teures Kunstwerk, das er erst dann wieder eintauschen muss, wenn er den Erlös aus dem Drogenhandel erhalten hat. Möglicherweise hat daher das 1969 in Palermo gestohlene Gemälde Caravaggios, "Geburt Christi", aus dem Jahre 1609 das Land niemals verlassen, sondern liegt im Tresor eines italienischen Mafia-Bosses. Geschätzter Wert: 42 Millionen Euro, Tendenz steigend.

Sabine Kaufmann, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Tatort Kunst - Von Fälschern, Räubern und Erpressern, 06.05.2009

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Collage aus Bildmotiven zum Thema Verbrecher (Rechte: dpa)

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