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Räuber

Räuber – als Helden mit Schlapphut und Pistole, die den Armen gaben, was sie Reichen nahmen, sind uns allen bekannt. In unserer Vorstellung führten sie ein wildromantisches Leben, in Freiheit und nur dem eigenen Gewissen verpflichtet. Schriftsteller wie Friedrich Schiller oder Carl Zuckmayer haben dem Berufsstand der Räuber überdies alle Ehre gemacht: als freiheitsdurstige Rebellen gegen das Gesetz. Die Geschichten und Legenden um Robin Hood, Schinderhannes oder Klaus Störtebeker verklären die Wirklichkeit der gesellschaftlich Geächteten. Doch wie war das Leben der Räuber wirklich?

Gerd Fröbe als Räuber Hotzenplotz verkleidet. In seiner rechten Hand hält er eine Pistole. (Rechte: Jugendfilm)

Ein harmloser Vertreter: Räuber Hotzenplotz

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Wie wurde man Räuber?

Begriffe wie "Räuberhöhle", "Räuberbraut", Räuberehre" oder "Räuberhauptmann" sind Überbleibsel aus einer Zeit, als das Räuberleben geradezu einem eigenen Handwerk glich, das es mühsam zu erlernen galt. Woher die Gesellen dieser "Räuberzunft" kamen? Nach Ansicht der damaligen Untersuchungsrichter und Gendarmen waren es Männer und Frauen aus der "untersten Klasse der menschlichen Gesellschaft", aus der Schicht der Heimatlosen und Fahrenden. "Auf die Straße" kam man jedoch schnell: Als Kriegsversehrter oder Deserteur, als verschuldeter Bauer, Waise oder Taubstummer – um 1800 lebten in den deutschen Staaten zwischen 10 und 15 Prozent der Bevölkerung ohne festen Wohnsitz.

Neben Minderheiten wie den Sinti und Roma zählten dazu auch die, die wegen ihres Berufes von der dörflichen Gemeinschaft ausgeschlossen waren: die Scherenschleifer, Korbflechter, Artisten oder Musikanten. Hätten sie einen festen Wohnsitz gehabt, hätten sie Abgaben, Wach- und Frondienste leisten oder Miete zahlen müssen. Darum zogen sie umher. Die meisten von ihnen waren mit ihrer ganzen Familie auf Wanderschaft; das führte wiederum dazu, dass viele Kinder keine Gelegenheit bekamen, wieder sesshaft zu werden oder ein ordentliches Handwerk zu erlernen – ein Teufelskreis. "Kriminell" wurden die meisten Räuber und Gauner also nicht aus Vergnügen.

Die Zeichnung zeigt einen Mann, der umringt von anderen Männern auf einem Guillotinen-Podest steht. Hinter ihm das Fallbeil. (Rechte: AKG)

Schinderhannes endete 1803 auf der Guillotine

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Die Räuberausbildung

Viele Räuber und Gauner entwickelten im Laufe der Zeit spezielle Tricks, die dem "beruflichen" Fort- und Weiterkommen dienen sollten. So gewöhnten viele Räubereltern ihre Kinder an Schmerzen, damit sie Peitschenhiebe oder Daumenschrauben aushalten konnten und nicht petzten. Ebenfalls früh erlernten die Kleinen, wie sie für Ablenkung sorgen konnten, wenn ihre Mütter oder Geschwister auf dem Markt oder im Laden "einkauften", sprich Waren oder Geldbörsen in den diversen Röcken oder Ärmeln verschwinden ließen.

Das "echte" Rauben war jedoch Sache der Männer, es wurde - wie ein Handwerk - richtig erlernt und betrieben. Dabei herrschte in den großen Räuberbanden eine streng hierarchische Rangfolge: vom "Hauptmann" über die Veteranen bis zu den "Jungens". Ebenso fest in der Gruppe waren bestimmte Aufgaben verteilt: Einer war zum "Ausbaldowern" (Auskundschaften) bestimmt, einer zum "Schmiere-Stehen", ein anderer wurde "Schränker" (der, der einbricht). Für jeden Raubzug wurde dabei ein Anführer neu gewählt, meist der, der das auszuraubende Objekt am besten kannte. Am Tatort selbst wurde die Beute von den "Jungens" schnellstmöglich weggeschafft, manchmal auch nur versteckt und später geholt.

Zu den Überlebenstricks der Räuber gehörte auch, sich gleichsam unsichtbar aus Gefängnistürmen befreien zu können: Von Damian Hessel, einem der bekanntesten Räuber um 1800 in Südwestdeutschland, hört man folgende Empfehlung: Man nehme eine kleine Feile und ein Goldstück, knete beides in ein Wachsei ein und lasse dieses unauffällig in einer Körperöffnung verschwinden. Bei Bedarf im Gefängnis "gelegt" und "gepellt", kommt der Inhalt zum Einsatz: der Goldtaler zur Bestechung der Wächter und – falls der Beamte dann doch wider Erwarten stur ist – auch die Feile.

Räubermoral

Räuber und Gauner haben nicht selten ihre eigenen Moralvorstellungen entwickelt. Sie nahmen sich, was sie brauchten: hier ein Ei, dort ein Huhn. Sie fühlten sich dazu berechtigt, schließlich mussten sie ja auch überleben. Dabei unterschieden viele Räuber feinsäuberlich zwischen "arm" und "reich": Die kleinen Leute – die den Räubern schon mal ein Winterquartier oder ihren schwangeren Frauen ein Lager boten – wurden meist verschont, überdies war bei ihnen sowieso nicht viel zu holen. Ganz anders aber die Reichen: Sie – so die Räuber – seien die eigentlichen Verursacher ihrer Not, sie hätten nämlich ihren Reichtum auf Kosten anderer erworben. Daher waren besonders wohlhabende Kaufleute oder Händler ein beliebtes Opfer der Räuber.

So mancher Räuber aber ging mit der Zeit und wandte sich attraktiveren Geldquellen zu: Postkutschen und Geldtransporten aller Art. Sie zu überfallen, brachte nicht nur viel Geld, sondern auch einen Namen – beides auf einen Schlag.

Ermengard Hlawitschka-Roth, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Piraten - Verbrecher der Ozeane damals und heute, 23.01.2009

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