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Geschichte der Detektive

Der Beruf des Privatdetektivs hat eine lange Tradition, die sich bis in das London des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt. Wer waren die Ahnen von Magnum, Holmes und Co., dem Detektivtypus, wie wir ihn heute aus Filmen und Romanen kennen? Wie arbeiteten die Vorfahren der heutigen verdeckten Ermittler? Und welche Entwicklung nahm das Detektivgewerbe im 20. Jahrhundert?

Basil Rathbone als Sherlock Holmes lehnt sich auf einen Globus. (Rechte: Akg-images)

Von England aus in die Welt

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Es begann auf den Straßen Londons

Als ersten Detektiv der Literaturgeschichte bezeichnen Literaturwissenschaftler oft C. Auguste Dupin, den privaten Ermittler aus Edgar Allan Poes "The Murders in the Rue Morgue", obschon der Terminus "Detektiv" 1841 noch nicht existierte. Poes Geschichte wird häufig als Reaktion auf die Zunahme von Kriminaldelikten in amerikanischen Städten und die späte Gründung der Londoner Polizei (1829) gelesen.

Kupferstich des Schriftstellers. (Rechte: Akg-images)

Sir Henry Fielding

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Bis zur Etablierung dieser ersten staatlichen Polizeieinheit kontrollierten nämlich "Nightwatchmen" (Nachtwächter) und Privatpolizisten die Straßen Londons. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts hatte die Kriminalität in London so stark zugenommen, dass man sich nach Einbruch der Dunkelheit kaum noch auf die Straßen traute. Auch tagsüber wurden die Bürger von Bettlern und Dieben belästigt und bestohlen. Der Schriftsteller Sir Henry Fielding nahm sich 1750 dieses Problems an. Er war neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit Friedensrichter am Londoner Polizeigericht, dem Bow Street Court, und kam auf die Idee, eine Straßenpatrouille zu gründen. Diese zunächst nur sechs Mann starke Gruppe trug keine Uniformen, sondern mischte sich in ziviler Kleidung unter die Passanten und konnte schon bald große Erfolge verbuchen. Bewaffnet waren die sogenannten "Bow Street Runners" mit einer Spezialwaffe, einer Doppellaufpistole, die sie jedem Banditen überlegen machte. Personell aufgestockt, stand die Truppe Tag und Nacht bereit, um binnen kürzester Zeit die Verfolgung eines Verbrechers im gesamten Stadtgebiet aufnehmen zu können.

In englischsprachigen Ländern nennt man noch heute die Zivilfahnder der Polizei "Detectives". Abgeleitet wird dieser Begriff vom lateinischen Wort "detegere", was man mit "aufspüren" oder "aufdecken" übersetzen kann. Nach dem Vorbild der Londoner "Bow Street Runners" setzte man auch in anderen Städten und Ländern solche nicht uniformierten Polizisten ein. Daneben gründeten sich aber auch private Ermittlungsfirmen, die ihre Dienste in der Kriminalitätsbekämpfung oder der Beschaffung von Informationen anboten. Legendär wurde zum Beispiel der schottische Einwanderer Allan Pinkerton, der 1852 in Chicago "Pinkerton’s National Detective Agency" ins Leben rief. Seine Firma hatte in den USA bald den Ruf einer zivilen Bundespolizei. Zu seinen Klienten gehörte auch der amerikanische Präsident Abraham Lincoln.

Die Schwarzweiß-Fotografie einer Berliner Straßenszene von (Rechte: AKG)

In Berlin tummelten sich schon früh viele Detektive

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Detektive in Deutschland

Mit der Industrialisierung wurde das Interesse von Geschäftsleuten immer größer, wirtschaftliche Auskünfte über ihre Vertragspartner zu erhalten. Diesen Umstand machte sich 1860 ein Makler in der preußischen Hafen- und Handelsstadt Stettin, im heutigen Polen, zunutze: Er gründete eine Detektei mit dem Firmennamen "Erkundungsbüro zur Wahrung kaufmännischer Interessen für Stettin und die Provinz Pommern". Seinem Vorbild folgend entstanden in den nächsten Jahren in anderen großen deutschen Städten rasch weitere Detektiv- oder Ermittlungsbüros. Vor allem in der Metropole Berlin gab es bald etliche Privatdetektive. Der deutsche Begriff Privatdetektiv leitete sich vom englischen "private detective" ab. Da sich "detective" in der englischsprachigen Welt als Rangbezeichnung für Polizisten etabliert hatte und als Titel nicht mehr von Privatermittlern geführt werden durfte, wurde durch den Zusatz "private" (privat) auf die fehlende polizeiliche Befugnis des Detektivs in Ermittlungsfällen hingewiesen.

Es waren meist ehemalige Polizeibeamte, die sich als Detektive selbstständig machten. Ihre Diensterfahrung und die Kenntnis der Verbrechensstruktur der Städte war die nötige Voraussetzung für diesen noch relativ neuen Beruf. Auch die Rekrutierung von Detektiven für Privatfälle, wie Ehebetrug oder Scheidungssituationen, nahm zu.

1896 gab es schon so viele Detektive, dass die Gründung eines "Reichsverbandes Deutscher Detektiv-Institute" erforderlich wurde. Dieser unter dem Rechtsstatut eines eingetragenen Vereins agierende Dachverband sollte sich um die Belange der Detektive kümmern. 1925 gab es in Deutschland über 1300 Detekteien. Zu dieser Zeit, in den politischen Wirren der Weimarer Republik, war das Sicherheitsbedürfnis der wohlhabenden Bürgerschicht sehr groß und der Personen- und Objektschutz wurde zu einer weiteren Aufgabe der Detektive. Die Machthaber des Dritten Reiches hatten in ihrem Polizeistaat allerdings keinen Platz für privat ermittelnde Detektive: 1939 wurde ihre Arbeit verboten. Nach dem Zusammenbruch des Hitlerregimes erlebte das Ermittlungsgewerbe im Nachkriegsdeutschland einen ähnlichen Aufschwung wie in den Tagen der Weimarer Republik. Schon 1946 wurde unter dem Namen "Verband Deutscher Detektive e.V." (VDD) wieder ein Verband gegründet.

Foto von Bernd Brückner. (Rechte: dpa Picture-Alliance)

Brückner - vom Bodyguard zum Ausbilder

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Detekteien-Boom in Westdeutschland

Der VDD gab bei seiner Beantragung an, Mitglieder in allen vier Besatzungszonen zu haben. Während die Arbeit der Detektive im Gebiet der zukünftigen Bundesrepublik im selben Jahr als offizielle Tätigkeit zugelassen wurde, verboten die sowjetischen Besatzer ab 1947 das Detektivgewerbe. In Westdeutschland entwickelte sich die Situation für Detektive gut, in Ostdeutschland war es erst nach der Wiedervereinigung - und damit der Abschaffung der Stasi – gestattet, Detekteien zu eröffnen und dem Detektivberuf nachzugehen. Dabei wechselten sogar ehemalige Staatsdiener ins Detektivgewerbe. So ist beispielsweise Bernd Brückner, der ehemalige Leibwächter Erich Honeckers, heute Detektivausbilder und Fachmann in Sicherheitsfragen. Die Gründung einer Detektei war lange Zeit beliebt, weil unkompliziert. Um das Jahr 2000 gab es in Deutschland mehr als 10.000 Privatdetektive, die in Voll- und Teilzeitbeschäftigung als Ermittler und Kaufhausdetektive tätig waren. Aufgrund der Wirtschaftslage in Deutschland ist aber besonders die Zahl privater Ermittler seitdem rückläufig.

Internationaler Wirtschaftsschutz

Mit dem Zusammenwachsen Europas und der zunehmenden Globalisierung gewinnt auch internationale Wirtschaftsspionage an Bedeutung. Wo Spione den Firmen schaden, sollen Detektive schützen und den Schaden reduzieren. Bereits 1963 wird deshalb die "Internationale Kommission der Detektiv-Verbände" (IKD) gegründet. Der Kommission dürfen Verbände aus verschiedenen Ländern beitreten, die dann über Ländergrenzen hinaus kooperieren können. Ein Verband für einzelne Detektive ist die ursprünglich 1925 gegründete "World Association of Detectives" (WAD). Nach einer wechselhaften Geschichte besteht der Verband seit 1966 wieder unter diesem Namen und tagt jährlich in einem anderen Land.

Alfried Schmitz, Laura Niebling, Stand vom 05.10.2010

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